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Warum Fernsehen nach Stress nicht entspannen kann

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Baku, den 1. August (AZERTAG). Wer nach Feierabend vor dem Fernseher oder bei einem Computerspiel entspannen will, erzielt dabei oft den gegenteiligen Effekt. Das haben Kommunikationswissenschaftler der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und der Freien Universität Amsterdam herausgefunden.

Statt entspannt und erholt fühlten sich insbesondere gestresste und erholungsbedürftige Menschen schuldig angesichts ihrer Mediennutzung in der Freizeit, teilte die Mainzer Uni mit. Die Studie veröffentlichten die Forscher kürzlich in der Fachzeitschrift „Journal of Communication“.

Die Wissenschaftler hatten 471 Probanden ihrer Studie gebeten, ihren vorangegangenen Tag zu rekapitulieren und zu berichten, wie sie sich nach der Arbeit gefühlt und welche Medien sie genutzt hatten.

Dabei stellte sich heraus, dass besonders erschöpfte Teilnehmer das Gefühl hatten, ihrem Bedürfnis nach Mediennutzung auf Kosten anderer, wichtigerer Aufgaben nachgegeben zu haben. Sie hätte also eher ein schlechtes Gewissen wegen ihrer Mediennutzung als durch die Arbeit weniger beanspruchte Personen.

Diese Schuldgefühle verringerten die positiven Effekte der Mediennutzung und reduzierten deren Erholungswirkung, heißt es weiter. Frühere Studien hatten die Erholungseffekte von Medien belegt und gezeigt, dass Unterhaltungsmedien den Menschen helfen, sich zu entspannen und sich von Belastungen zu distanzieren. Die Probanden dieser Studien konnten sich nach der Erholungszeit mit Medien besser konzentrieren und hatten das Gefühl, mehr Energie zu haben.

Die neue Studie zeichnet nun ein differenzierteres Bild. Sie lege nahe, so die Forscher, dass das Verhältnis von Mediennutzung und psychologischem Wohlbefinden komplex sei. Unterhaltung durch Medien könne im Alltag in Konflikt mit weniger angenehmen Verpflichtungen geraten.

„In Zeiten von Smartphones und mobilem Internet scheint die ständige Verfügbarkeit von Kommunikations- und Medieninhalten häufig eher eine Bürde als eine Erholungsressource darzustellen“, so das Fazit von Leonard Reinecke, Erstautor der Studie und Professor am Institut für Publizistik der Universität Mainz. 

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