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Warum das jüngste Kind immer das Nesthäkchen bleibt

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Baku, den 17. Dezember (AZERTAG). Die Wahrnehmung spielt Eltern gern einen Streich. Das jeweils jüngste Kind werde jünger wahrgenommen, als es tatsächlich sei, sagen Forscher. Das ändere sich erst mit der Geburt eines Geschwisterchens - für Einzelkinder also nie.

Viele Mütter kennen das Phänomen. Ihr jüngster Sprössling kommt ihnen besonders klein und schutzbedürftig vor. Der Effekt sei nicht nur weit verbreitet, sondern auch deutlich messbar, berichten australische Forscher nun im Fachmagazin „Current Biology“. Ihre Analyse biete eine Erklärung dafür, warum das jüngste Kind von seiner Familie oft als kleines Nesthäkchen wahrgenommen werde - und das meist sein ganzes Leben lang.

Die „Baby-Illusion“ sorge wohl dafür, dass derjenige Spross einer Familie die größte Aufmerksamkeit erhalte, der sie am ehesten benötige, schreiben die Wissenschaftler um Jordy Kaufman von der Swinburne University of Technology in Hawthorn. Sie hatten für ihre Studie zunächst 747 Mütter gefragt, ob ihnen ihr älteres Kind nach der Geburt eines Geschwisterchens plötzlich größer vorgekommen sei. Mehr als 70 Prozent der Frauen bestätigten dies.

„Anders als vielfach gedacht, passiert das nicht, weil das ältere Kind mit dem Baby verglichen plötzlich so groß wirkt“, sagt Kaufman. Es sei vielmehr so, dass beim jeweils jüngsten Nachwuchs eine „Baby-Illusion“ greife, er werde kleiner und jünger wahrgenommen, als er tatsächlich sei. Erst mit der Geburt eines Geschwisterchens werde ein Kind von seinen Eltern als so groß wahrgenommen, wie es tatsächlich ist - Einzelkinder und jüngste Kinder also nie.

Ein schönes Beispiel, wie verfälscht die Wahrnehmung sein kann - In einem zweiten Versuch ergründeten die Forscher das Ausmaß der Fehlwahrnehmung. Sie ließen Mütter, deren jüngstes Kind zwei bis sechs Jahre alt war, an einer Wand Markierungen zur geschätzten Größe ihrer Sprösslinge einzeichnen. Die Größe ihres jüngsten Kindes hätten die Frauen im Schnitt um 7,5 Zentimeter unterschätzt, schreiben die Forscher. Für die älteren Kinder habe die Schätzung dagegen meist in etwa gestimmt.

Auch Mütter mit Einzelkindern nahmen an der Studie teil - und verschätzten sich so wie die Mehrfach-Mütter bei ihrem jüngsten Nachwuchs. Von Geschlecht und Alter der Kinder war die Fehlwahrnehmung unabhängig, schreiben die Autoren. Die „Baby-Illusion“ sei ein schönes Beispiel dafür, wie verfälscht die Wahrnehmung des Menschen sein könne.

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