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Was bringt Kinder dazu, zu mogeln und zu lügen?

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Baku, den 21. März (AZERTAG). Was bringt Kinder dazu, zu mogeln und zu lügen? Eine Studie zeigt, dass das Verhalten von Erwachsenen sie klar beeinflusst: Wurden die Kleinen vorher selbst belogen, erzählen sie anschließend eher die Unwahrheit - mit einer wichtigen Einschränkung.

Die Aufgabe für die 186 Drei- bis Siebenjährigen klang erst einmal leicht: Sie sollten erraten, welches Stofftier unter einem Tuch im Raum lag. Als Hinweis diente eine bekannte Melodie, die mit der jeweiligen Figur verknüpft ist.

Aber natürlich hatte der Test einen Haken: Bei den ersten beiden Malen hörten die Kinder tatsächlich ein Lied, das entweder auf das Krümelmonster, Elmo aus der Sesamstraße oder Winnie Puuh deutete. Beim dritten Mal aber lief „Für Elise“. Und genau in diesem Moment ging der Erwachsene, dem sie antworten sollten, aus dem Raum. Sie hatten vorher versprochen, nicht unter die Decke zu linsen. Aber würden sich die Kinder daran halten? Und würden sie später - direkt danach gefragt - zugeben, falls sie doch nachgeschaut hatten?

Direkt vor dem Experiment hatte sich der Versuchsleiter bei der Hälfte der Kinder als Lügner präsentiert: Er hatte erzählt, im Testraum sei eine große Schale Bonbons und gefragt, ob sie welche haben wollten. Im Raum angekommen gab er die Lüge zu. „Ich habe das nur gesagt, damit du das Spiel mitspielst.“ Die anderen Kinder wurden einfach nur zum Spiel aufgefordert.

Mit diesem Versuchsaufbau wollten Chelsea Hays und Leslie Carver von der University of California, San Diego, herausfinden, ob Kinder häufiger lügen, wenn sie vorher selbst belogen worden sind. Ihr Ergebnis: Das hängt vom Alter ab.

Die Drei- bis Vierjährigen ließen sich insgesamt häufiger dazu hinreißen, unter das Tuch zu gucken - mehr als 80 Prozent taten das, wie die Forscherinnen im Fachblatt „Developmental Science“ berichten. Bei der späteren Frage danach, ob sie gemogelt hätten, flunkerte etwa die Hälfte. Ob der Erwachsene vorher gelogen hatte oder nicht, spielte dabei keine Rolle.

Bei den Fünf- bis Siebenjährigen war das anders. Rund 80 Prozent guckten unters Tuch, wenn sie vorher belogen worden waren. Hatte der Versuchsleiter sie nicht angelogen, machten das nur knapp 60 Prozent. Bei der Nachfrage des Erwachsenen logen fast 90 Prozent der Kinder den unehrlichen Versuchsleiter an. Waren sie nicht belogen worden, lag die Quote deutlich unter 70 Prozent.

Die Forscherinnen befragten die Kinder nicht nach ihrer Motivation beim Flunkern. Der Versuch kann also nicht beantworten, aus welchem Grund die älteren Kinder den unehrlichen Versuchsleiter eher belogen. Es könnte sein, dass sie quasi seinem Vorbild gefolgt sind, mutmaßen die Psychologinnen. Es wäre aber auch möglich, dass sie zu dem Schluss gekommen waren, dass für diesen Erwachsenen Ehrlichkeit offensichtlich nicht so wichtig ist. „Vielleicht fühlten sich die Kinder nicht in der Pflicht, jemandem die Wahrheit zu sagen, den sie als Lügner kennengelernt hatten“, so die Forscherinnen.

Frühere Studien hätten gezeigt, dass die Mehrheit der Eltern zugibt, ihre Kinder zu belügen, obwohl sie gleichzeitig Ehrlichkeit als eine wichtige Tugend hervorheben, schreiben die Psychologinnen. „Dieses Handeln von Eltern legt nahe, dass sie nicht glauben, dass die Lügen, die sie ihrem Kind erzählen, dessen eigene Ehrlichkeit beeinflussen. Unsere Studie lässt daran zweifeln.“

 

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