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Was hilft gegen Nägelkauen?

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Baku, 19. Oktober, AZERTAC

Jeder zehnte Erwachsene knabbert an seinen Fingernägeln. Die Kauerei ist nicht immer harmlos. Betroffene können aber gegensteuern.

Kauen, Knabbern, Beißen, häufig bis es blutet. Ob aus Stress oder Langeweile. Bei vielen Menschen wandern die Finger wie ferngesteuert zum Mund, bis die Nägel völlig abgenagt sind. Das sieht nicht nur unschön aus, es werden auch Krankheitserreger angelockt. Geschätzt kauen 30 bis 40 Prozent der Kinder und 10 Prozent der Erwachsenen an ihren Nägeln.

Grundsätzlich ist dies zwar ein zwanghaftes Verhalten, aber meist ist es harmlos, sagt Peter Falkai von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Kritisch werde das Nägelkauen, wenn es stärker oder häufiger wird und Verletzungen entstehen. "Dann ist es oft Symptom einer Erkrankung", so Falkai.

Kinder knabbern häufiger an den Nägeln als Erwachsene - Die Unterscheidung zwischen schlechter, aber harmloser Angewohnheit und Ausdruck einer psychischen Störung ist nicht leicht, sagt Harald Tegtmeyer aus Lindau, Sprecher des Ausschusses für Psychosomatik und Psychotherapie beim Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte.

Oft gewöhnen Kinder sich das Nägelkauen nach ein paar Monaten oder wenigen Jahren wieder ab: "In der Pubertät achtet man mehr auf sich, nimmt das Nägelkauen anders wahr. Es wird peinlich, auch von der Optik her", sagt Tegtmeyer. Die Eltern können die Kinder bei der Entwöhnung unterstützen - zum Beispiel, indem sie sie in der entsprechenden Situation dezent auf das Nägelkauen hinweisen.

Das gilt aber nur, wenn die Kinder das möchten und es so abgesprochen ist. Sonst verkneifen Eltern sich ihre Kommentare besser, warnt Tegtmeyer: "Wenn es als Hinweis auf Schwäche empfunden wird, besser nicht darauf aufmerksam machen." Der Schuss könnte nach hinten losgehen, weil solche Hinweise Spannungen verstärken und zu vermehrtem Nägelkauen führen können.

"Eintrittspforte für Pilze und Bakterien" - Abgeknabberte Nägel und kaputte Nagelhaut sehen aber nicht nur unschön aus. "Sie dienen auch als Eintrittspforte für Pilze und Bakterien und begünstigen somit Entzündungen", sagt die Hautärztin Marion Moers-Carpi vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen. Auf Dauer können die nagelbildenden Zellen unumkehrbar geschädigt werden, sodass der Nagel nur noch deformiert nachwächst - typisch sind etwa ausgeprägte Längsrillen.

Um vorzubeugen, empfiehlt die Dermatologin aus München, die Nägel einmal täglich zu desinfizieren. Bei akuten Entzündungen kann eine Zinkcreme helfen - und natürlich die betroffene Stelle in Ruhe zu lassen. "Wenn es feuerrot ist und eitert, dann ist der Arzt gefragt und ein Antibiotikum vonnöten", sagt Moers-Carpi.

Das hilft gegen Nägelkauen - Wer mit dem Nägelkauen aufhören will, sollte herausfinden, in welchen Situationen die Finger überhaupt in den Mund wandern, erklärt Falkai. Meist, wenn das Stresslevel ansteigt. Dann gilt es, die Frage zu klären: "Was kann ich tun, um den Stress nicht aufkommen zu lassen?" Manchmal reicht es schon, an ein paar Stellschrauben zu drehen - etwa die Uhr vorzustellen, wenn man immer auf den letzten Drücker kommt, oder sich täglich ein entspanntes Mittagessen zu gönnen.

Die Nägel mit Lacken einzuschmieren oder Pflaster auf die Fingerkuppen zu kleben, hält Falkai als alleinige Methode für nicht sinnvoll. Besser sei eine Maniküre: "Wenn die Nägel anständig gemacht sind, hat man mehr Respekt davor und achtet mehr auf sich."

Manchmal fällt es leichter, sich das Nägelkauen nicht von hundert auf null abzugewöhnen sondern zunächst zu versuchen, die Häufigkeit zu reduzieren, sagt Falkai. Manchen helfe es auch, das Kauen ganz bewusst zu ersetzen: "Zum Beispiel einen zuckerfreien Bonbon zu lutschen oder einen Mini-Igel-Ball in den Fingern rollen."

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