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Wasser bedeckt zwei Drittel der Erdoberfläche

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Baku, 14. November, AZERTAC

Nasser Staub - kennen Sie das Phänomen aus dem Badezimmer? Was zunächst unappetitlich klingt, könnte unserer Erde zu ihren Wasservorkommen verholfen haben. Gesteinsanalysen deuten darauf hin, dass sie schon ziemlich lange ein blauer Planet ist.

Ein Blick auf den Globus oder auf Bilder aus dem All - und es ist klar: Unser Planet hat ein Faible für blau. Wasser bedeckt zwei Drittel der Erdoberfläche. Doch die Herkunft dieses Wassers ist noch nicht abschließend geklärt. Manche Theorien gehen davon aus, dass es mit Kometen oder Meteoriten auf die junge Erde geregnet sein könnte, andere nehmen an, dass es schon bei der Entstehung der Erde vorhanden war.

Hinweise auf den Ursprung des Wassers kann die Analyse von möglichst urtümlichem Wasser aus der Frühzeit der Erde liefern. Solche Proben sind allerdings nur schwer zu finden. Im Fachmagazin "Science" unternimmt ein Team um Lydia Hallis vom Astrobiologie-Institut der US-Raumfahrtbehörde Nasa an der University of Hawaii in Honolulu nun aber genau diesen Versuch.

Die Wissenschaftler um Hallis hatten Basalt von der kanadischen Baffin-Insel in der Arktis analysiert. Das Gestein war 1985 gesammelt worden, und seine Herkunft wurde minutiös rekonstruiert, wie die Forscherin in einer Mitteilung der Universität erläutert. Unter anderem zeigen die Helium-, Neon- und Bleizusammensetzungen, dass dieses Gestein seit Jahrmilliarden relativ unverändert geblieben ist.

"Im Wesentlichen handelt es sich um das urtümlichste Gestein, das wir jemals auf der Erdoberfläche gefunden haben, und daher gibt uns das Wasser darin unschätzbar wertvolle Einblicke in die frühe Geschichte der Erde und die Herkunft ihres Wassers", so Hallis.

Geringer Deuteriumgehalt - In dem Basalt haben sich winzige Glasblasen gebildet, in denen Wasser aus der Entstehungszeit der Erde eingeschlossen ist. Die Analyse zeigt, dass dieses "Urwasser" vergleichsweise wenig Deuterium enthält. Deuterium ist eine schwere Wasserstoffvariante, die zusätzlich zu einem Proton auch noch ein Neutron im Atomkern enthält. Der geringe Deuteriumgehalt deute darauf hin, dass sich unser Planet einst aus wassergetränkten Staubkörnchen des solaren Urnebels zusammengeballt hat, schreiben die Forscher.

Die Ergebnisse legten sehr nahe, dass das irdische Wasser nicht erst auf die abgekühlte, fertige Erde geregnet sei, erläutert Hallis. Stattdessen seien die Wassermoleküle wahrscheinlich von dem Staub getragen worden, der vor der Entstehung der Planeten in einer Scheibe um die Sonne kreiste.

"Mit der Zeit hat sich dieser wasserreiche Staub zusammengeballt, um unseren Planeten zu bilden", beschreibt die Forscherin. "Obwohl ein guter Teil des Wassers durch Verdunstung auf der Oberfläche verlorengegangen sein dürfte, hat genug überdauert, um das Wasser der Welt zu bilden."

Untersuchungen der Raumsonde "Rosetta" hatten bereits gezeigt, dass sich das Wasser auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko deutlich vom Wasser irdischer Ozeane unterscheidet. Konkret hatten die Messungen gezeigt, dass Deuterium auf dem Kometen dreimal häufiger vorkommt als in den Weltmeeren. Das war als Indiz gegen die These gewertet worden, dass Kometen dieser Familie das Wasser auf die Erde gebracht haben.

Frühere Messungen der Raumsonde "Dawn" am Asteroiden Vesta hatten wiederum gezeigt, dass es dort ein ähnliches Verhältnis von normalem zu schwerem Wasserstoff gibt wie auf der Erde. Das könnte ein Indiz dafür sein, dass es im inneren Sonnensystem schon von Anfang an viel Wasser gab und nicht nur in den eisigen Außenbezirken, wie oft vermutet. Die nun von Hallis und ihren Kollegen präsentierten Ergebnisse deuten ebenfalls in diese Richtung.

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