WELT


Weinkeller-40 Meter unter Wasseroberfläche

Baku, 27. Juli, AZERTAC

Der Zugang zu diesem Weinkeller ist nur mit Taucherausrüstung möglich. Ein Jahr lang wurden vor der Côte d'Azur, 40 Meter unter der Wasseroberfläche, 120 Weinflaschen aus dem Anbaugebiet Bandol gelagert. Winzer und Weinexperten wollen herausfinden, ob diese Lagerung die Tropfen veredelt. Einiges spricht dafür. Ein großer Trend dürfte aus der ungewöhnlichen Lagermethode aber trotzdem nicht werden.

Ausgangspunkt des Experiments sind Funde alter Weine in Schiffswracks. "Wir haben Hunderte oder sogar Tausende Jahre alte Amphoren gefunden, außerdem Flaschen mit Champagner oder Wein, die vor einigen Jahrzehnten versunken sind", sagt Jérôme Vincent von der nationalen Tauschschule im südfranzösischen Saint-Mandrier. "Und die Menschen, die sie probiert haben, fanden sie sehr lecker."

Die Winzer aus Bandol wollten der Sache auf den Grund gehen und versenkten mit Wachsverschlüssen abgedichtete Flaschen für ein Jahr im Meer. "So wird der Wein in einem Zustand der langen Lagerung aufbewahrt", sagt Guillaume Tari, der Vorsitzende der Bandol-Weinbauern. Die langsame Reifung in der Flasche sei ideal - und gerade bei Rotweinen angesagt, die über längere Zeit veredelt werden.

Eine Premiere ist das Experiment nicht. Schon vor 20 Jahren probierte der Weinkenner Philippe Faur-Brac in einem Austernpark gelagerte Weißweine der angesehenen Anbaugebiete Sancerre und Pouilly. Die Verkostung hat er in bester Erinnerung: Es sei ein Privileg gewesen, die Ausnahmeflaschen zu probieren.

"Die Lagerung im Meer bewahrt die Säure, weil es unter Wasser wenig Licht und keine Luft gibt, es ist relativ kühl und die Temperatur ist konstant", sagt Faur-Brac. Die sanfte Bewegung des Meerwassers sei auch gut für die "Struktur des Weins und gibt ihm eine gewisse Komplexität". So will der Weinexperte in den Unterwasser-Weinen eine besondere Mineralität ausgemacht haben.

Bei einer Blindverkostung mit Vergleichsweinen, die ein Jahr lang ganz normal im Keller gelagert wurden, erscheint den Teilnehmern der Bandol-Rotwein vom Meeresboden jünger. Viele Aromen seien aber noch nicht voll entwickelt, bemängelt Verkosterin Gisèle Marguin - der Wein braucht also noch etwas Zeit.

Zu kaufen gibt es den Unterwasser-Wein bislang nicht. Und es ist nicht zu erwarten, dass französische Winzer ihre Weine jetzt massenhaft im Meer versenken. Das Verfahren sei einfach zu aufwendig und teuer, sagt Fachmann Faur-Brac.

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