WIRTSCHAFT


Welche Krebsarten führen wie oft zum Tod?

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Baku, 26. November, AZERTAG

25,7 Millionen Krebsfälle von Erwachsenen, 75.000 Leukämiediagnosen bei Kindern: Um zu vergleichen, wie gut die Überlebenschancen von Krebspatienten weltweit sind, haben Forscher Daten aus 67 Ländern der Jahre 1995 bis 2009 ausgewertet.

Wie sie im Fachblatt „The Lancet“ berichten, offenbaren sich teilweise gravierende Unterschiede, etwa bei der akuten lymphatischen Leukämie im Kindesalter. In Deutschland, Norwegen, Kanada und einigen anderen Industrienationen leben mehr als 90 Prozent der jungen Patienten noch fünf Jahre nach der Diagnose. In der Mongolei sind zum gleichen Zeitpunkt nur 34 Prozent noch am Leben, in Tunesien nur 16 Prozent. Bei den meisten Krebsarten sind die Überlebensraten in Afrika, Asien, Zentral- und Südamerika niedriger als in Europa, Nordamerika und Ozeanien, schreiben die Forscher.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Krebs in einigen Staaten deutlich gefährlicher ist als in anderen“, sagt Claudia Allemani, die Hauptautorin der Studie. Im 21. Jahrhundert sollte eine derart große Kluft in den Überlebensraten nicht mehr existieren, sagt die Forscherin von der London School of Hygiene & Tropical Medicine.

Allemani und Kollegen haben sich für die sogenannte Concord-2-Studie auf zehn häufige Krebsarten, darunter Darm-, Lungen-, Brust- und Prostatatumoren, fokussiert, die zusammen etwa zwei Drittel aller Krebsfälle ausmachen. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate, die sie angeben, ist so berechnet, dass sie möglichst nur die Todesfälle durch Krebs abbildet, sie wird entsprechend an die demografischen Informationen der Erkrankten und die jeweiligen Länder angepasst.

Die besten Chancen bei einer Magenkrebsdiagnose haben Menschen in Japan und Südkorea - die Fünf-Jahres-Überlebensraten lagen in den Jahren 2005 bis 2009 bei 54 beziehungsweise 58 Prozent. In den meisten anderen Staaten betrug sie zwischen 25 und 30, in Deutschland 32 Prozent. Eine intensive Diagnostik, durch die viele Tumore in sehr frühem Stadium entdeckt würden, sowie umfassende Operationen könnten wahrscheinlich die besseren Überlebensraten in Japan und Südkorea erklären, schreiben die Forscher.

Die insgesamt schlechtesten Prognosen haben Menschen mit Leber- oder Lungenkrebs. Sowohl in Entwicklungsländern als auch in Industrienationen leben fünf Jahre nach der Diagnose weniger als 20 Prozent der Patienten. Allerdings zeigen nicht nur die Daten aus Deutschland, dass sich die Prognose zumindest etwas verbessert hat:

Für die Entstehung von Krebs kann unter anderem Übergewicht verantwortlich sein. Das legt eine gleichzeitig im Fachblatt „Lancet Oncology“ veröffentlichte Studie nahe, für die Forscher Daten aus 184 Ländern der Globocan-Krebs-Datenbank der Internationalen Krebsforschungsagentur (IARC) ausgewertet haben.

Das Team um IARC-Wissenschaftlerin Melina Arnold schätzt, dass im Jahr 2012 etwa 500.000 neue Krebsfälle nur auf Übergewicht und Fettleibigkeit zurückzuführen sind - das sind etwa 3,6 Prozent aller Krebsfälle weltweit. Knapp drei Viertel davon betreffen Menschen aus Nordamerika und Europa.

Von Krebs, der durch zu hohes Gewicht ausgelöst wird, sind mehr Frauen als Männer betroffen, berichten die Forscher. Die Ursache dafür liegt vor allem an Brustkrebs und bösartigen Tumoren in der Gebärmutter (345.000 neue Fälle). Übergewicht bei Männern führt dagegen eher zu Darm- oder Nierenkrebs (136.000 neue Fälle).

Nach den Modellen der Forscher beruhten in den Industrienationen elf Prozent der Krebserkrankungen auf Übergewicht - in Entwicklungsländern war dies bei weniger zwei Prozent der Fall.

Die meisten durch Übergewicht verursachten Krebsfälle beobachteten die Forscher für Männer in der Tschechischen Republik (5,5 Prozent aller Fälle) vor Jordanien und Argentinien (4,5 Prozent) sowie für Frauen in Barbados (12,7 Prozent), der Tschechischen Republik (12 Prozent) und Puerto Rico (11,6 Prozent).

„Die globale Verbreitung von Adipositas hat sich seit den Achtzigerjahren verdoppelt!“, sagt Arnold. "Wenn dieser Trend anhält, wird sich Krebs weiter ausbreiten - vor allem in Südamerika und Nordafrika. Dort wurde in den vergangenen 30 Jahren der höchste Anstieg an Fettleibigkeit beobachtet.“

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