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Wie Affen kulturelles Wissen weitergeben

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Baku, den 10. Dezember (AZERTAG). Mensch und Schimpanse haben viel gemein – sogar, wie sie Kulturtechniken entwickeln und an Gruppenmitglieder und folgende Generationen weitergeben. Soziale Netzwerke spielen eine entscheidende Rolle.

Bei der Entwicklung von Kulturtechniken gibt es erstaunliche Parallelen zwischen Menschen und Schimpansen. Sie teilen einen bestimmten Mechanismus, wie sie Sprache oder Tricks zur Nahrungsbeschaffung weitergeben und unterschiedliche Kulturen bilden. Sie passen sich dabei nicht nur an ihre Umgebung an, berichtet ein internationales Forscherteam in der Fachzeitschrift „roceedings“der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften (PNAS). Dadurch würden sich Menschen und Schimpansen von den Orang-Utans unterscheiden.

Ihr Ergebnis werten die Forscher als einen Hinweis darauf, dass bereits der letzte gemeinsame Vorfahre von Schimpanse und Mensch Kulturtechniken auf diese Art weitergeben konnte. Die Weitergabe von Wissen und Fähigkeiten über Generationen hinweg gilt als entscheidender Faktor für den evolutionären Erfolg der Menschheit.

In den vergangenen Jahrtausenden haben räumlich getrennte Menschengruppen eigene Kulturen entwickelt. Die Gründe dafür sind vielfältig. Beispielsweise beeinflussen die Lebensumgebung und die Bevölkerungsgröße die unterschiedliche Entwicklung. Diese Fähigkeiten werden auch zwischen Gruppen ausgetauscht und weitergegeben.

Die Wissenschaftler um Jason Kamilar von der Midwestern University in Glendale stellten fest, dass dieser Mechanismus bei Schimpansen ähnlich funktioniert. Sie hatten die Weitergabe kultureller Vielfalt bei indigenen Völkern in Nordamerika und Neu Guinea sowie bei Schimpansen- und Orang-Utan-Populationen untersucht.

Die Weitergabe von Kulturtechniken ist für Anthropologen besonders spannend – gilt sie doch als ein wesentlicher Faktor der Evolution des Menschen. Dass sich Mensch und Schimpansen nun offenbar ähnlich ist, verblüfft also umso mehr. Im Sommer erst hatten Forscher der schottischen University of St. Andrews im Journal „Current Biology“ ihre Erkenntnisse bei Totenkopfäffchen beschrieben.

Große Gruppe – schnelles Lernen - Die Wissenschaftler konnten dabei zeigen, dass auch Affen soziale Netzwerke pflegen. Solche sozialen Netzwerke sind ebenfalls wichtig bei der Weitergabe von Wissen. Damals schrieb Studienleiter Andrew Whiten „Unsere Studie zeigt, dass sich Innovationen bei Primaten nicht einfach auf zufällige Weise verbreiten, sondern ... durch das soziale Netzwerk der Affen geprägt werden.“

Die Forscher hatten die Anführer zweier Gruppen von Totenkopfäffchen trainiert, wie sie an Leckereien in einem Gefäß herankommen. Jedes der Alpha-Männchen wurde mit einer anderen Technik geschult. Danach durften die Tiere wieder zu ihrer jeweiligen Gruppe zurück.

Das Ergebnis: Die Affen, die ein starkes soziales Netzwerk hatten, lernten die Technik ihrer Alpha-Männchen schneller als die, die nur wenige Sozialkontakte pflegten. Die Weitergabe von Wissen kann also entscheidend davon abhängen, wie die Sozialstruktur von Gruppen ist. Finden sich innerhalb einer Art viele Einzelkämpfer oder leben die Individuen in kleinen, verstreuten Gruppen, wird Wissen weniger schnell weitergegeben.

Von Lemuren ist zudem bekannt, dass sie umso besser lernen, je größer die Gruppen sind. Forscher der Duke-University in Durham hatten in „Plos one“ berichtet, dass die Halbaffen, die in den größten Gruppen lernten, am effizientesten ihre Trainier austricksen konnten. Lemuren aus kleineren Gruppen taten sich damit schwerer.

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