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Wie Insekten der falschen Duftfährte folgen

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Baku, den 28. Juni (AZERTAG). Man sollte meinen, dass sich Blumenduft und Abgasgestank im Geruch stark unterscheiden. Mitnichten. Zumindest nicht für den Tabakschwärmer, wie Forscher jetzt herausfanden. Der Nachtfalter lässt sich leicht vom falschen Duft ablenken.

Der Tabakschwärmer ist der Hund unter den Insekten, zumindest was seine Geruchswahrnehmung angeht: Seine Fährte ist der feine Duft der weißen Blüten des Kalifornischen Stechapfels, von deren Nektar er sich ernährt. Der Nachtfalter findet die Blüten auch in einer Entfernung von mehreren Hundert Metern - vorausgesetzt, nichts kommt dazwischen. Wird der Nachtfalter durch andere Düfte abgelenkt, verliert er die Spur. Andere Pflanzendüfte und auch Abgase können die Tabakschwärmer verwirren, berichtet jetzt ein Forscherteam im Fachmagazin Science.

Die Motte hat immer dann ein Problem, wenn eine Nektarmahlzeit ihr die Energie für 15 Minuten herumfliegen beschert - denn dann muss sie stets schnell einen neuen Nektartrunk bekommen. Zudem hat sie sich ungünstigerweise auf eine Pflanze spezialisiert, die recht weit verstreut wächst - und in deren Nähe zudem andere Pflanzen wachsen, die ganz ähnliche Geruchsstoffe aussondern. So gibt der Busch der Art Larrea tridentatae, der nach Mandeln und Kirschen riecht, ganz ähnliche Geruchsstoffe ab wie der Stechapfel. Die Folge: Der Nachtfalter findet den Stechapfel nicht, und der Stechapfel wartet vergeblich auf seinen Bestäuber.

Abgasrohre bestäuben? - Um zu untersuchen, wie fein die Geruchswahrnehmung der Tabakschwärmer tatsächlich ist und wie leicht sie sich von fremden Düften ablenken lassen, gingen die Forscher um Jeffrey Riffell von der University of Washington ins Labor. Sie bauten einen Windkanal mit integriertem Geruchsstimulationssystem. So konnten sie die Falter gezielt mit feinen Duftkonzentrationen unterschiedlicher Herkunft beduften. In ihrer Geruchspalette waren die Duftstoffe des Kreosotbuschs Larrea tridentatae, aber auch unnatürliche Gerüche wie Autoabgase.

Außerdem pflanzten die Forscher eine Elektrode in das Riechorgan der Falter. Mit dieser konnten sie sehen, welche neuronalen Wege im Tabakschwärmer beim Riechen aktiv sind. Dabei stellten sie fest, dass nicht nur fremde Pflanzengerüche, sondern auch Abgasdämpfe die neuronalen Signalwege aktivieren.

„Wir hätten gedacht, dass die Fähigkeit des Tabakschwärmers, Blumen und Pflanzen zu unterscheiden, sehr viel besser ist“, sagt Riffell. „Stattdessen aktivieren andere Geruchsstoffe dieselben neuronalen Signalwege.“ Die Vermutung der Forscher: „Der Nachtfalter zählt nicht zu den wichtigen Bestäubern - aber auch andere Insekten, wie Bienen und Hummeln könnten von Abgasdämpfen verwirrt werden“, sagt Riffles.

Als nächstes wollen die Forscher daher untersuchen, ob Hummeln und Bienen genauso auf fremde Duftablenkungen reagieren wie die Nachtfalter. „Das könnte zeigen, welchen Einfluss menschliche Emissionen auf Bestäuber haben.“

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