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Wie Mensch und Löwe miteinander auskommen könnten

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Baku, den 26. Juli (AZERTAG). Afrika sucht nach Wegen, wie Menschen und Löwen nebeneinander leben können, ohne einander umzubringen. Doch bei den Massai gehört das Töten eines Löwen zum Ritual – wenn auch auf einem schonenden Weg.

Löwen sind, aus der Ferne betrachtet, majestätische Tiere. Doch für die Menschen ländlicher Gebiete in Afrika sind sie eine ständige Gefahr. Löwen sind die Herren der Savanne, aber Feinde der Viehzüchter. Absolut unvereinbar sind die Interessen von Löwen mit denen von Bauern, die ihre Felder bestellen wollen. Wo immer Menschen anfangen, Landwirtschaft zu betreiben, geht es mit der Anzahl der Löwen bergab. Aus vier Fünfteln ihres früheren afrikanischen Verbreitungsgebiets sind sie bereits verdrängt. Wie viele Löwen es dort noch gibt, weiß niemand genau. Es mögen 35.000 sein, doch wilde Löwen zu zählen, ist schwierig.

In einem sind sich die Experten einig: Vor allem in den letzten Jahrzehnten hat die Population deutlich abgenommen. Dafür gibt es zahlreiche Gründe: die Zerstörung und Zerstückelung der Lebensräume; die abnehmende Zahl von Beutetieren, die als „Buschfleisch“ illegal gejagt werden; Fallen für Zebra und Gnu, in die Löwen anstelle der Beutetiere geraten; Verdrängung durch Viehzucht; Tierseuchen; Rache als Vergeltung für ein gerissenes Rind oder Angriffe auf Menschen; rituelles Töten von Löwen – besonders im Kulturkreis der Massai – und nicht zuletzt die anhaltende Trophäenjagd, vor allem durch Amerikaner.

Nur noch winzige, isolierte Populationen - Mehrere Organisationen von Wissenschaftlern und Artenschützern haben kürzlich ihre Daten über die aktuelle Verbreitung der Löwen zusammengelegt. Panthera (eine internationale Organisation zum Schutz von Großkatzen), die Biologen der Duke-Universität, die Big Cats Initiative der National Geographic Society und andere kommen zu dem Ergebnis, dass afrikanische Löwen heute in fast 70 unterscheidbaren Regionen leben. In den kleinsten Arealen gibt es nur noch winzige, isolierte Populationen, die langfristig keine Zukunft haben. In einigen wenigen Gebieten haben die Löwen nach wie vor Bedingungen, die wirklich als gut bezeichnet werden können.

Solche Gebiete sind etwa die Serengeti, die Region Selous im Südosten und Ruaha-Rungwa im Westen Tansanias, Okawango-Hwange in Botswana und Simbabwe sowie der Großraum Limpopo im Dreiländereck von Mosambik, Simbabwe und Südafrika.

Umstrittene Trophäenjagd - Rund die Hälfte aller afrikanischen Löwen leben allein in diesen fünf Ökosystemen, dort ist jeder Bestand für sich langfristig überlebensfähig. Craig Packer, der das Löwen-Forschungsprojekt in der Serengeti leitet, schlug zum Schutz der dort lebenden Großkatzen eine radikale Maßnahme vor: Man sollte sie ganz oder teilweise einzäunen. Sein Argument: Geld für Maschendrahtzäune und Pfähle, für Überwachung und notwendige Reparaturen auszugeben sei die beste Methode, um zu verhindern, dass Viehzüchter mit ihren Tieren illegal in das Gelände einwanderten.

Von anderen Fachleuten wird Packer dafür heftig kritisiert. Zäune zu errichten sei das Gegenteil von dem, was man in drei Jahrzehnten im Naturschutz gelernt habe: dass es wichtig ist, einzelne Lebensräume miteinander zu vernetzen. Umstritten ist auch die Trophäenjagd. Trägt sie durch unverantwortliches Töten zum Niedergang der Populationen bei? Oder ist sie nicht vielmehr eine Form höchst effizienter Vermarktung der Löwen, die der lokalen und nationalen Wirtschaft Geld einbringt und Anreize schafft, den Lebensraum zu schützen und nachhaltig instand zu halten?

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