GESELLSCHAFT


Wie geschlagene Kinder aufbrausender und aggressiver werden

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Baku, den 2. Mai (AZERTAG). Temperamentvolle Kinder müssen von ihren Eltern öfter Schläge einstecken als ruhige. Das führt zu Aggression beim Kind – und noch mehr Schlägen. Nun ist geklärt, wie diese Teufelsspirale beginnt.

Fangen wir mit einer Binsenweisheit an: Es ist keine gute Idee, seine Kinder zu schlagen. Fragt man Eltern, die es trotzdem machen, warum sie es tun, dann sagen sie oft: Mein Kind ist eben schwierig. Damit haben sie nicht ganz unrecht, wie Studien in der Vergangenheit bereits zeigen konnten: Kinder mit aufbrausendem Temperament und impulsivem oder aggressivem Verhalten bekommen öfter eine Ohrfeige verpasst als ruhige und gefügige.

Allerdings, so haben andere Studien gezeigt, führt körperliche Gewalt durch die Eltern auch dazu, dass Kinder aufbrausender und aggressiver werden. Was verursacht denn nun was? Um das typische Henne-Ei-Problem zu lösen, hat sich Michael MacKenzie von der Columbia University School of Social Work in New York einen riesigen Datensatz vorgenommen. In der Fragile Families and Wellbeing Study waren über den Zeitraum von zehn Jahren Daten über den Lebensalltag von mehr als 5000 Kindern aus 1900 Familien in 20 amerikanischen Großstädten gesammelt worden.

Die Familien hatten erstmals kurz nach der Geburt ihres Kindes teilgenommen und dann erneut, als die Kinder ein Jahr, drei, fünf und neun Jahre alt waren. Die Eltern wurden dazu befragt, ob ihr Kind aufsässig sei, sich nicht an Regeln halte oder aggressiv sei und ob es geschlagen werde. Wie MacKenzie im „Journal of Youth and Adolescence“ berichtet, gaben 28 Prozent der Eltern an, ihr Kind bereits im ersten Lebensjahr geschlagen zu haben.

Im dritten Lebensjahr waren es mehr als die Hälfte der Eltern, 57 Prozent, denen zumindest gelegentlich die Hand ausrutschte. Danach nahm die Rate wieder etwas ab, auf 53 Prozent im fünften und 49 Prozent im neunten Lebensjahr. Dabei war es in jeder Altersgruppe so, dass Kinder, die von den Eltern als „schwieriger“ beschrieben wurden, auch häufiger Schläge einstecken mussten.

Doch noch etwas anderes war auffällig: Die Kinder, die bereits im Alter von einem Jahr – in dem man von schlechtem Benehmen noch nicht wirklich sprechen kann – körperliche Gewalt erfahren hatten, entwickelten in der Folge mehr Verhaltensauffälligkeiten – und wurden daraufhin noch häufiger geschlagen. Höchstwahrscheinlich, so der Wissenschaftler, treten Schläge in diesem frühen Alter also eine Teufelsspirale los.

Auf die Schläge folgt Aggression, die wieder zu mehr Schlägen führt. Eltern, denen es gelingt, trotz Ärger, Hilflosigkeit und Erschöpfung anders als mit Schlägen auf ihr tobendes Kind zu reagieren, hätten in jedem Fall bessere Chancen, im Alter von drei, fünf und neun Jahren ein nur wenig aggressives Kind zu haben, sagt der Forscher.

Dabei könne man ihnen in brenzligen Situationen aber durchaus in Form von Familienhilfe unter die Arme greifen. Denn das Kinder großzuziehen eine leichte Angelegenheit sei – das zu behaupten, so weit will denn auch MacKenzie nicht gehen.

 

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