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Wie kann man mit Rauchen aufhören?

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Baku, 13. Januar, AZERTAG

Ob ein Raucher es schafft aufzuhören, hängt auch davon ab, wie schnell sein Körper Nikotin abbaut. Eine US-Studie gibt Hinweise darauf, wem Pflaster und wem Medikamente besser helfen könnten. Die Erfolgschancen verschiedener Wege zur Tabakentwöhnung hängen offenbar auch davon ab, wie schnell ein Mensch Nikotin abbaut. Jene Raucher, die den Tabakstoff normal verstoffwechseln, profitieren einer Studie zufolge eher von Medikamenten. Bei Menschen, deren Körper Nikotin dagegen nur langsam abbaut, reichen demnach Nikotinpflaster - in den USA und Europa die häufigste Pharmakotherapie. Das berichten Medizinr um Caryn Lerman von der University of Pennsylvania in Philadelphia im Fachblatt „The Lancet Respiratory Medicine“.

Weltweit sterben jedes Jahr etwa sechs Millionen Menschen an den Folgen des Rauchens, die Kosten für die Gesundheitssysteme werden auf 200 Milliarden Dollar (170 Milliarden Euro) geschätzt. Zur Tabakentwöhnung werden diverse Optionen angeboten, darunter Medikamente oder Nikotinersatz wie etwa Pflaster. Wie stark das Verlangen nach Nikotin ist und die Entwöhnung erschwert, hängt der Studie zufolge auch davon ab, wie schnell der Organismus eines Menschen den Stoff abbaut. Eine entscheidende Rolle in diesem Prozess spielt die Aktivität des Leberenzyms CYP2A6, die vom Erbgut und von den Lebensumständen beeinflusst wird.

Bei Menschen mit normaler Abbaurate - den Autoren zufolge etwa 60 Prozent der Bevölkerung - fallen die Nikotinwerte im Körper relativ schnell ab. Sie rauchen in der Regel mehr, haben bei ausbleibendem Nachschub stärkere Entzugserscheinungen und sind somit auch stärker rückfallgefährdet als Menschen mit einer langsameren Abbaurate. Sie verstoffwechseln Nikotin nicht so schnell und behalten den Stoff dadurch länger im Körper.

Um den Einfluss des Metabolismus zu ermitteln, untersuchten die Mediziner rund 1250 abstinenzwillige Raucher in den USA und Kanada auf die Nikotin-Abbaurate (NMR). Dazu teilten sie die Teilnehmer per Losverfahren in drei Gruppen ein: Ein Teil bekam für elf Wochen ein Nikotinpflaster und eine Placebopille, die zweite Gruppe erhielt den Wirkstoff Vareniclin und ein Placebopflaster, die übrigen bekamen dagegen ein Scheinpflaster und eine Scheintablette. Alle Teilnehmer wurden insgesamt zwölf Monate lang beobachtet.

Bei den Teilnehmern mit normalem Stoffwechsel aus der Medikamentengruppe war die Erfolgsquote am Ende der elf Wochen doppelt so hoch wie bei den Pflaster-Trägern. Auch nach sechs Monaten war das Medikament noch hilfreicher als das Pflaster - allerdings war der Unterschied inzwischen geringer: Die Abstinenzrate lag bei Placebo bei zehn Prozent, mit dem Pflaster bei 13 Prozent und mit dem Medikament bei 16 Prozent.

Bei den Menschen mit langsamem Nikotinstoffwechsel waren Placebo und Tablette am Ende der Therapie ähnlich wirksam. Nach zwölf Monaten lagen die Abstinenzraten bei Placebo und Tablette mit 13 und 14 Prozent nahezu gleich hoch, während das Pflaster mit 19 Prozent besser abschnitt. Rauchern mit langsamem Nikotinstoffwechsel raten die Mediziner daher eher zum Pflaster, weil das Medikament stärkere Nebenwirkungen haben kann wie etwa Übelkeit oder Kopfschmerzen, möglicherweise sogar Depressionen.

„Um die Erfolgsraten für alle Raucher zu steigern und gleichzeitig die Nebenwirkungen zu minimieren, sollten wir unseren Resultaten zufolge Menschen mit normalem Stoffwechsel mit Vareniclin und jene mit langsamem Abbau mit Nikotinpflaster behandeln“, sagt Co-Autorin Rachel Tyndale von der Universität Toronto. „Man könnte einen Schnelltest entwickeln, der die Abbaurate von Nikotin misst.“ Denn der von den Forschern verwendete Test zum Erfassen des Nikotinabbaus dauerte mehrere Tage und kostete pro Probe etwa 50 US-Dollar.

In einem Kommentar bezeichnen Experten der britischen Universität Bristol die Studie als „wichtigen wissenschaftlichen Fortschritt“. Sollten die Resultate bestätigt werden, könnten sie zu einer Änderung der klinischen Praxis führen.

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