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Zugvögel fliegen zum Überwintern nach Afrika

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Baku, 19. Februar, AZERTAC 

Auf ihrem Weg von Ostafrika nach Mitteleuropa treffen sich Millionen Zugvögel im Hula-Tal in Israel. Damit sie dort nicht die Felder kahl fressen, werden sie gefüttert.

Das Hula-Tal liegt im äußersten Norden Israels, im Dreiländereck mit Syrien und dem Libanon. In der Talebene herrscht auch im Winter feuchtwarmes Klima. Rund 300 Vogelarten leben dort.

Die knietiefen Seen dort sind wichtiger Rückzugsort unzähliger Zugvögel; für sie ist das Hula-Tal eine wichtige Landmarke: Hier beginnt der Große Afrikanische Grabenbruch - eine Spalte zwischen zwei Kontinentalplatten, die sich über das Tote und das Rote Meer durch Äthiopien und Kenia bis Mosambik zieht.

Dort entlang fliegen Zugvögel zum Überwintern nach Afrika. Für Schwärme aus Zentralasien, aber auch aus weiten Teilen Europas ist Israel eine wichtige Drehscheibe zwischen den Kontinenten.

Die meisten Vögel westlichen Teilen Europas wählen die Straße von Gibraltar, aber es kommen auch einige Arten in Israel vorbei. Auf weit über 500 Millionen schätzen israelische Forscher die Zahl der Zugvögel, die zwei Mal jährlich durch das Land ziehen.

"Am auffälligsten sind Weißstörche und einige Greifvögel wie Schreiadler und teilweise Schwarzmilan", sagt Franz Bairlein, der das Institut für Vogelforschung Vogelwarte Helgoland (IfV) in Wilhelmshaven leitet. "Unter den Singvögeln sind es Klappergrasmücke, Sumpfrohrsänger, Sprosser, teilweise Mönchsgrasmücke." Auch Schwalben sind dabei.

Vögel werden gefüttert - Wie lange so eine Reise dauere, sei von Art zu Art verschieden, sagt Wolfgang Fiedler von der Vogelwarte Radolfzell des Max-Planck-Instituts für Ornithologie. "Bei Störchen dauert die Reise von Ostafrika über Israel bis Norddeutschland wenige Wochen, manche schaffen es in weniger als einem Monat."

Fiedler dokumentierte bereits 2004 gemeinsam mit anderen Ornithologen die Auswirkungen des Klimawandels auf Zugvögel. Fast alle der 30 untersuchten deutschen Arten verkürzten ihre Reisen ins Winterquartier. Auch in Afrika stoßen die Reisenden auf Probleme: Die Sahelzone wird zunehmend trockener und somit unwirtlicher für die Wintergäste.

Von den 120.000 Kranichen, die in jeder Saison das Hula-Tal passieren, bleibt seit etwa 15 Jahren jeder Dritte den Winter über dort.

Damit die Vögel nicht über die Felder der Bauern herfallen, werden sie mehrmals täglich mit Mais gefüttert. Das jährlich knapp 600.000 Euro teure Programm zeigt Wissenschaftlern zufolge Wirkung: Die Kraniche fressen nur dort, wo sie sollen.

Im Februar ist bei den Fütterungen besonders viel los, weil sich zu den Wintergästen Kraniche auf der Durchreise gesellen. Ihre Rufe sind schon von Weitem zu hören, ständig fliegen Tiere auf. Am Himmel formieren sich Weißstörche, die vermutlich nach Europa wollen.

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