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Zukunft der Kaiserpinguine ist ungewiss

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Baku, den 30. Juni (AZERTAG). Bis zum Jahr 2100 wird die derzeit 600.000 Individuen umfassende Population der Kaiserpinguine um mindestens ein Fünftel reduziert. „Das sind keine guten Neuigkeiten für den Kaiserpinguin“, sagte Hal Caswell von der amerikanischen Woods Hole Oceanographic Institution, Co-Autor der Studie in der Zeitschrift „Nature Climate Change“.

Der Grund für die Veränderung ist die Erderwärmung. Sie macht die Eisschicht instabil. Wird es im Frühjahr wärmer, können Wellen die Eisdecke aufbrechen und Pinguinkolonien spalten. In der Studie fordern die Forscher deshalb, den Kaiserpinguin als gefährdet einzustufen. Nur so könne der Bestand vor weiteren Bedrohungen durch Tourismus und Fischfangindustrie geschützt werden.

Doch dieses Ziel durchzusetzen, wird nicht einfach sein. Denn zunächst geht der Trend in die entgegengesetzte Richtung: Bis 2050, erwarten die Forscher, wird die Zahl der Kaiserpinguine in den 45 bekannten Kolonien zunächst sogar leicht ansteigen. Denn trotz der Erwärmung hat das Eis der Antarktis sich in den vergangenen Wintern ausgedehnt. Mehr Eis bedeutet auch mehr Algenwuchs auf der Unterseite der Eisschicht. Mehr Algen können mehr Krill ernähren, und Krill wiederum steht auf dem Speiseplan der Kaiserpinguine.

Auch wenn das Nahrungsangebot durch mehr Eis steigt, hilft dieser Umstand den Kaiserpinguinen aber auch nicht unbedingt - denn mehr Eis macht es wiedrum schwieriger für die Pinguine, während der Brutzeit an ihr Futter heranzukommen. Die Männchen bleiben dann bei den Eiern - dicht zusammengedrängt, damit bei Temperaturen um minus 50 Grad Celsius so wenig Wärme wie möglich verloren geht. Die Weibchen machen sich in der Zeit auf zum Fischfang. Bis zu hundert Kilometer legen sie dabei zurück, bis sie zum Rand des Packeises kommen und einen Einstieg in das Wasser finden. Mehr Eis bedeutet für sie noch längere Wege.

Derzeit ist unklar, ob es den Kaiserpinguinen langfristig gelingen wird, sich vor den Folgen der Erderwärmung auf höhergelegenes Eis oder gar das Festland in Sicherheit zu bringen. Kürzlich wurden bereits vier Kolonien gesichtet, die auf instabilem Schelfeis saßen - von dessen Rand ständig Eisberge abbrachen.

Die Studie untersucht zum ersten Mal die Langzeitaussichten für Kaiserpinguine. Insgesamt, folgern die Forscher nach Berücksichtigung der verschiedenen Faktoren, wird sich die Population bis 2100 um 19 Prozent verringern. Zwei Drittel der Kolonien würden sogar über die Hälfte an Vögeln verlieren.

Und die Kaiserpinguine sind nicht die Einzigen, die es treffen wird. Den meisten der 18 Pinguinarten geht es zunehmend schlechter. Nur die Populationen von Königspinguinen, Adeliepinguinen und Zügelpinguinen nehmen an Stärke zu. Trotzdem habe den Pinguinen bislang niemand besondere Aufmerksamkeit geschenkt, bemängeln die Forscher. Anders als die Eisbären hätten Pinguine keine besonders große Lobby.

Die Kaiserpinguine haben gegenüber den anderen Arten den Vorteil, dass sie auch vom All aus gut zu untersuchen sind. Denn ihr Kot hinterlässt auf dem Eis dunkle Spuren, die auf Satellitenaufnehmen klar erkennbar sind. Andere Arten, die auf dem Festland zwischen Felsen und Schneeverwehungen leben, sind weitaus schwieriger zu entdecken.

 

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