GESELLSCHAFT


"Insgesamt werden weniger Frauen als Männer an Krebs sterben"

Baku, 22. Februar, AZERTAC 

2017 werden in der Europäischen Union (EU) schätzungsweise mehr als 1,3 Millionen Menschen an Krebs sterben, berichten Forscher in der Fachzeitschrift "Annals of Oncology". Betroffen sind deutlich mehr Männer als Frauen. 132 von 100.000 werden voraussichtlich ihr Leben durch die Krankheit verlieren, bei den Frauen nur 85. Insgesamt gibt es aber einen positiven Trend.

Die Wissenschaftler haben Krebsdaten der Weltgesundheitsorganisation von 1970 bis 2012 ausgewertet. Daraus errechneten sie die zu erwartenden Todesraten für das Jahr 2017. Demnach sinkt die Sterberate für Krebs in der EU - allerdings nicht bei beiden Geschlechtern gleichermaßen.

"Insgesamt werden weniger Frauen als Männer an Krebs sterben", sagte Studienleiter Carlo La Vecchia von der Universität Mailand laut einer Mitteilung der Zeitschrift. Während die Krebs-Sterberate bei Männern in diesem Jahr jedoch voraussichtlich um acht Prozent niedriger liegt als 2012, nimmt sie bei Frauen in dem Zeitraum mit einem Minus von vier Prozent weniger stark ab.

Lungenkrebs könnte mehr Frauen töten als Brustkrebs - Das liegt zum einen daran, dass die Frauen ohnehin bereits eine deutlich geringere Sterberate haben als die Männer. Die Forscher erklären den Unterschied aber vor allem damit, dass Rauchen bei beiden Geschlechtern in verschiedenen Generationen unterschiedlich verbreitet war und Lungenkrebs bei Frauen zunehme.

Der Prognose zufolge steigt in Deutschland die Lungenkrebs-Sterberate bei Frauen 2017 um knapp 9 Prozent im Vergleich zu 2012 (siehe Grafiken), während sie bei Männern in ähnlichem Maße sinkt.

Derzeit sei Brustkrebs bei Frauen in der EU noch die häufigste onkologische Todesursache, er werde aber wahrscheinlich noch in diesem Jahr an zweite Stelle hinter Lungenkrebs rücken. Die Forscher erwarten, dass 2017 insgesamt 275.700 Menschen in der EU an Lungenkrebs sterben werden. Dies entspreche einem Anteil von 20 Prozent aller erwarteten Krebstoten.

Im Hinblick auf Krebserkrankungen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) wird es laut der Analyse weder bei Männern noch bei Frauen eine erfreuliche Entwicklung geben. Hier sehen die Forscher vor allem Defizite bei der Entwicklung von Therapien. Es gebe wenig Fortschritte bei der Erkennung, Behandlung und Vorbeugung von Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Das Team sieht jedoch auch etliche ermutigende Zeichen: Demnach werden die Sterberaten bei Magen-, Darm-, Prostata-, Brust- und Gebärmutterhalskrebs sowie Leukämie abnehmen.

In den vergangenen 30 Jahren seien mehr als vier Millionen Todesfälle durch Krebs verhindert worden, haben die Wissenschaftler berechnet. Diese Tatsache zeige die "Effektivität von Strategien, mit denen Krebs verhindert, entdeckt und besser behandelt werden kann", sagte La Vecchia. Die Forscher fordern die Entscheidungsträger in der Politik auf, neben der Kontrolle des Tabakkonsums auch die Früherkennung europaweit zu optimieren.

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