WISSENSCHAFT & TECHNOLOGIE


" Jupiter ist wichtig, um die Geschichte des Sonnensystems zu verstehen"

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Baku, 4. Juli, AZERTAC

"Juno" soll dem Jupiter nahe kommen wie nie, jetzt erreicht die Sonde die Umlaufbahn. Dicke Metallplatten schützen sie vor brutaler Strahlung. Es geht um die große Frage, wie Planeten eigentlich entstehen.

"Jupiter", sagt Scott Bolton fasziniert, "ist ein Planet auf Steroiden. Er ist so extrem." Wie extrem, das macht man sich am besten mit Vergleichen klar. Durchmesser? Zwölf Mal so groß wie der unseres Planeten. Masse? Rund 318 Mal so groß wie die der Erde - und nebenbei gesagt auch mehr als doppelt so groß wie die aller anderen Planeten des Sonnensystems zusammen. Jupiter ist also eine ziemliche Wuchtbrumme. Und Astrophysiker Bolton vom Southwest Research Institute in San Antonio (US-Bundesstaat Texas) will ihm jetzt ein paar seiner Geheimnisse entreißen.

In diesen Tagen, am 4. Juli, schwenkt die vor fünf Jahren gestartete Nasa-Sonde "Juno" in die Umlaufbahn um den Jupiter ein - und Bolton ist der Chefwissenschaftler der Mission. Vier Meter ist das sechseckige Raumschiff breit und etwa drei Meter hoch, es wirkt wegen der davon abstehenden großen Solarpanel aber deutlich größer.

Ausputzer der Erde - "Jupiter ist wichtig, um die Geschichte des Sonnensystems zu verstehen", sagt Bolton. Es geht um nicht weniger als die Frage, wie Planeten eigentlich entstehen. Denn Jupiter, so vermuten es jedenfalls die Forscher, bildete sich als Erster der Planeten, lange vor der Erde. Wer seine Zusammensetzung besser kennt, kann Rückschlüsse auf die Kindertage des Sonnensystems ziehen.

Und da ist noch etwas: Dem Gigantismus des Planeten verdanken wir hier auf der Erde womöglich auch unsere Existenz - denn der Gasriese sorgt für Ordnung. Er stabilisiert den Asteroidengürtel jenseits des Mars. So kommen vergleichsweise wenige kosmische Boliden auf Crashkurs mit Planeten wie der Erde. Auch deswegen ist es wichtig, den Jupiter besser zu verstehen.

Doch dicke, von unvorstellbaren Stürmen durchquirlte Wolken verhindern Blicke ins Innere des Riesen. "Juno", benannt nach einer römischen Göttin, der Gattin des Jupiters, soll das nun ändern - und dabei unter anderem herausfinden, ob der Planet - wie häufig vermutet - einen festen Kern hat. Er könnte so groß sein wie unsere Erde. "Wir können erstmals unter die Wolkendecke schauen", jubelt Bolton.

Mit dem Erreichen des Jupiterorbits beginnt für die beteiligten Wissenschaftler die spannende Phase der Mission. Na ja, fast jedenfalls. Denn auch in den kommenden Wochen muss sich "Juno" ihrem Ziel noch weiter nähern. Die Instrumente werden im August komplett eingeschaltet sein. Im November wird dann die detaillierteste Vermessung des Planeten beginnen.

500 Watt müssen ausreichen - Acht Weltraummissionen waren bisher am Jupiter. Angetrieben wurden sie allesamt durch sogenannte Radionuklidbatterien, in deren Innerem der radioaktive Zerfall von Plutoniumdioxid langfristig für Energie sorgt. Doch für "Juno" hatte die Nasa solch eine Energiequelle nicht verfügbar. Also muss sich die Sonde - erstmals in dieser Gegend des Sonnensystems - allein durch Solarzellen versorgen. Genau genommen durch 18.698 Stück davon, zusammengestellt zu drei neun Meter langen Paneelen mit einer Gesamtfläche von 60 Quadratmetern.

Die Schwierigkeit dabei: Am Jupiter kommen im Vergleich zur Erde gerade einmal noch vier Prozent des Sonnenlichts an. Nur 500 Watt erreichen die Sonnenkollektoren daher. Zum Vergleich: Bei der Mikrowelle in der heimischen Küche reicht das gerade mal für den Auftau-Modus. Und doch soll die gesammelte Sonnenenergie ausreichen, um "Junos" sieben Messgeräte und die Kommunikationstechnik zu betreiben.

"Jupiter schützt seine Geheimnisse gut" - Insgesamt 16 Monate lang soll die Sonde am Jupiter Daten sammeln. In den geplanten gut 30 Umrundungen muss sie dabei einen extrem ausgefeilten Kurs fliegen. Einerseits darf "Juno" wegen der Solarzellen nicht im Schatten des Jupiters entlangsausen. Andererseits muss sie sich vom Strahlungsgürtel fernhalten, der durch das starke Magnetfeld des Planeten entsteht. Eine Annährung könnte die Elektronik an Bord gefährden. Die musste ohnehin durch zentimeterdicke Titanplatten gesichert werden.

Forscher Bolton vergleicht die Sonde deswegen mit einem Panzer. "Jupiter schützt seine Geheimnisse gut", sagt er. Deswegen brauche man die Metallplatten dringend - und müsse außerdem immer zusehen, die Zone der höchsten Strahlung so schnell wie möglich wieder zu verlassen.

"Juno" soll sich der Obergrenze der Jupiterwolken bis auf 5000 Kilometer nähern. Die Messgeräte sollen unter anderem Polarlichter studieren, das Magnetfeld vermessen, die Anteile von Ammoniak und Wasser in der Atmosphäre bestimmen - und Jupiters Wolken im Detail fotografieren.

Für eine der Kameras, die "JunoCam", sucht die Nasa im Netz nach Zielen. Nicht Profiforscher sollen diese Echtfarbkamera steuern, sondern interessierte Amateurastronomen. In einem ersten Schritt sollen sie mit ihren eigenen Teleskopen Bilder vom Jupiter machen. Wenn ihnen dabei interessante Wolkenformationen auffallen, wird die "JunoCam" dann gezielt darauf gerichtet.

Am Ende der Forschungsmission steht "Juno" dann ein feuriges Ende bevor. Die Sonde wird Anfang 2018 in der Jupiteratmosphäre gezielt zerstört - damit kein Risiko besteht, dass sie durch von der Erde mitgebrachte Bakterien einen der großen Jupitermonde kontaminieren könnte. Dort, zum Beispiel auf der Eiswelt des Mondes Europa, wollen Forscher nämlich in Zukunft nach Leben suchen.

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