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Formel-1-Studie für 2021: Teams sollen etwas beitragen

Baku, 24. September, AZERTAC

Der ehemalige FIA-Technikchef Marcin Budkowski ist überzeugt, dass der Automobil-Weltverband mit seiner Entwicklung eines Fahrzeugkonzeptes für die Formel-1-Saison 2021 ein riskantes Spiel spielen würde. Der Spagat zwischen der Einbeziehung der Teams in die Ideenfindung und der autonomen Gestaltung eines Technischen Reglements ohne eigennützige Interessen sei "schwierig".

Schließlich möchte die FIA einerseits Rahmenbedingungen schaffen, die niemanden bevorteilen, kann dabei aber nicht auf die Expertise der Mannschaften verzichten. "Das Problem ist, dass etwas, das mit unserem Modell funktioniert, nicht zwingend auch bei Mercedes und Ferrari funktionieren muss", sagt Budkowski auf die Lösung der Überholproblematik in der Königsklasse angesprochen.

Ergo leitet die FIA ihre Vorschläge weiter, um sie von den Teams in den Windkanälen und an den CFD-Supercomputern überprüfen zu lassen. Sie erhält auf diesem Weg Informationen, ob ihr Konzept das Problem ist (wenn das Feedback übereinstimmt) oder ob es sich um fahrzeugspezifische Probleme handelt (wenn es unterschiedliche Rückmeldung gibt). Dass die übermittelten Ergebnisse mit den Tatsachen übereinstimmen, ist jedoch natürlich nicht zu belegen - und Vertrauenssache.

"Man muss den richtigen Kompromiss finden" - Budkowski glaubt, dass die FIA für 2021 einen entscheidenden Fehler vermieden hätte, indem sie zweieinhalb Jahre vor der Umsetzung der Novelle an die Öffentlichkeit gegangen ist - weil noch kein Team abschätzen kann, was ihm zupass kommt und was nicht. Das Feedback ist also ungefoltert. "Das ist der Vorteil, wenn man früh anfängt", meint er. "Sobald man sich aber dem fertigen Auto nähert, fängt jeder an sich, sich zu beäugen und ganz genau zu überlegen, was er sagt."

Anschaulich wurde jenes Problem bei der kurzfristigen Änderung der Aerodynamik-Regeln für 2019. Bei der Abstimmung ging es nie darum, ob das Überholen vereinfacht wird, sondern nur darum, den größtmöglichen sportlichen Vorteil für die eigenen Farben zu generieren. Ein großes Pokerspiel hinter den Kulissen. "Die Regeln kamen extrem spät, nämlich Ende April", weiß Budkowski.

"Man muss den richtigen Kompromiss finden. Teilweise muss man das Spiel mitspielen, aber immer bedenken, dass Teams Wettbewerber sind", sagt er und warnt davor, auf die zweite Meinung aus den Teamfabriken gänzlich zu verzichte. "Es ist zu komplex für eine einzelne Person", findet er, "ob ich es bin, ob es ein Ross Brawn ist oder ob es ein Adrian Newey ist."

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