WISSENSCHAFT UND BILDUNG


Ägypten: Archäologen konnten Geschlecht und Alter der drei Skelette bestimmen

Baku, 20. August, AZERTAC

Der Fund war eine Sensation: Im Juli hatten Archäologen bei Bauarbeiten in Alexandria einen 2000 Jahre alten, kolossalen Sarkophag entdeckt. Drei Wochen brauchten sie, um ihn aufzustemmen und fanden schließlich drei Skelette darin. Nun ist klar, die Knochen gehören zu einer Frau, die in einem Alter zwischen 20 und 25 Jahren starb und zu zwei Männern, die zwischen 35 und 45 Jahre alt wurden.

Der Sarkophag aus schwarzem Gestein wiegt 30 Tonnen und misst etwa 2,65 Meter in der Länge sowie 1,85 Meter in der Höhe. Weil in unmittelbarer Nähe auch ein weißer Alabasterkopf freigelegt wurde, vermuteten die Archäologen, dass im Sarkophag die Überreste eines Mannes liegen könnten, der irgendwann zwischen 323 und 30 vor Christus lebte.

Wegen der Größe des Sarkophags wurden sogar Spekulationen laut, es könne sich um die Überreste eines Herrschers gehandelt haben, vielleicht sogar um die von Alexander dem Großen.

Das Antiken-Ministerium wies diese Spekulationen bereits vorab zurück. Die neuesten Forschungen bestätigen dies. Zwar stammt der Sarkophag offenbar tatsächlich aus dem Ptolemäerreich und ist mehr als 2000 Jahre alt, aber in ihm wurden keine herausragenden Persönlichkeiten bestattet.

Entsprechende Inschriften fehlten, außerdem fanden sich keine Hinweise auf reiche Grabbeigaben, so die Archäologen. Allerdings stießen sie auf Goldbleche zwischen den Knochen. Welche Bedeutung diese hatten, ist unklar und soll nun weiter untersucht werden.

Bisher gingen die Forscher davon aus, dass es sich bei zumindest einem der Bestatteten um einen Krieger gehandelt haben könnte, da sein Schädel eine eindeutige Verletzung aufwies. Doch nun ist klar: Das Loch im Schädel war offenbar nicht die Todesursache, sondern das Ergebnis einer Operation, bei der der Schädel aufgebohrt wird - eine sogenannte Trepanation.

Der Eingriff gehöre zu den ältesten chirurgischen Operationen und sei bereits seit Jahrtausenden bekannt, sagte Nadia Kheider vom zuständigen ägyptischen Ministerium für Altertümer. "In Ägypten gibt es aber bisher nur wenige Nachweise."

Warum Menschen vor Tausenden Jahren Zentimeter große Löcher in Schädel bohrten, ist heute schwierig zu beantworten. Denkbar ist beispielsweise, dass nach einer schweren Kopfverletzung die Schädeldecke geöffnet wurde, um den Hirndruck zu senken. Außerdem konnten bei dem Eingriff gefährliche Knochensplitter entfernt und die Wundräder geglättet werden, was die Heilungschancen verbessert.

Fest steht: Bereits vor 14.000 Jahren wurden Menschen mit Trepanationen behandelt und erstaunlich viele Patienten überlebten den Eingriff, wie archäologische Funde zeigen. Auch bei dem Mann aus dem schwarzen Riesensarkophag lag die Operation bereits längere Zeit zurück, das beweisen die verheilten Knochenränder.

Die Knochen der Toten sind allerdings in einem eher schlechten Zustand. Der Sarkophag blieb zwar über 2000 Jahre hinweg verschlossen, wie eine Mörtelschicht um den Deckel herum zeigt - eigentlich ein großer Glücksfall. Denn sehr viele Gräber der Antike sind bereits vor Jahrhunderten geplündert worden. Allerdings war Abwasser durch einen Riss in den Sarkophag eingetreten, das die einst mumifizierten Körper nach und nach zersetzte, sodass nur die Knochen übrigblieben.

Weil die Toten übereinander in dem Sarkophag lagen, gehen die Archäologen davon aus, dass sie nacheinander bestattet wurden. Nun wollen sie mithilfe von DNA-Analysen und CT-Scans mehr über die Toten herausfinden, beispielsweise ob sie verwandt waren.

In der Geschichte Ägyptens werden die Ptolemäer nicht zur pharaonischen Zeit gerechnet, sondern zur späteren griechisch-römischen. Die makedonisch-griechische Dynastie gelangte mit Alexander dem Großen im vierten Jahrhundert vor Christus nach Ägypten. Dort war die Planung und der Bau der Hafenstadt Alexandria eines der frühen Werke der Ptolemäer.

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