GESELLSCHAFT


Antarktis: Von Gletscher ein großes Stück abgebrochen

Baku, 2. November, AZERTAC

Der Pine-Island-Gletscher in der Westantarktis gehört zu den wichtigsten Eisströmen des Südkontinents. Alleine seine Eismengen bilden rund zehn Prozent des Westantarktischen Eisschilds - kein Gletscher auf der Welt transportiert mehr Eis ins Meer als er.

Umso genauer beobachten Forscher die Aktivitäten der 250 Kilometer langen und durchschnittlich zwei Kilometer dicken Eismassen. Dass sie sich in den letzten Jahren deutlich zurückgebildet haben, wird mit Sorge betrachtet.

Nun haben Forscher erneut einen spektakulären Abbruch eines Eisbergs gemeldet - er ist mehr als 200 Quadratkilometer groß. Im vergangenen Jahr gab es schon einmal einen Bruch an nahezu gleicher Stelle. Das damalige Bruchstück B-44 und das nun entstandene Stück B-46 sehen sich verblüffend ähnlich.

"Da die Formen der Eisberge sehr von den lokalen Bedingungen abhängen, ist es nicht so ungewöhnlich, ähnliche aussehende Eisberge im Jahr 2017 und 2018 zu haben", sagte Geowissenschaftler Stef Lhermitte von der Technischen Universität im niederländischen Delft.

Beide Brüche entstanden demnach in derselben Region des Gletschers, der letzte nur etwa fünf Kilometer weiter land- beziehungsweise eiseinwärts. Die Europäische Weltraumagentur Esa und ihrUS-Pendant Nasa bestätigten den Abbruch des Eisbergs. Das von Lhermitte präsentierte Bild vom Eisberg sei das beste bislang vorhandene.

Die Bildung von Rissen im Schelfeis und damit auch die Entstehung neuer Eisberge sind natürliche Vorgänge. Warmes Ozeanwasser trägt den Gletscher von unten ab, bis es zum Bruch kommt, vermuten Experten. Laut Lhermitte geht die Gletscherkante, verglichen mit Aufzeichnungen vergangener Jahrzehnte, seit 2015 besonders stark zurück.

Allerdings könnte ein übermäßiger Rückgang der Antarktis-Gletscher auch unangenehme Folgen haben. Sollte der gesamte westantarktische Eisschild in den Ozean fließen, könne dies einen weltweiten Meeresspiegelanstieg von mehr als drei Metern zur Folge haben, befürchten einige Forscher.

Lhermitte macht in einem Tweet schon die nächste mögliche Bruchstelle aus, wieder ein paar Kilometer weiter im Gletscherinneren.

Bild auf Twitter anzeigen - Die zukünftige Entwicklung hänge davon ab, ob sich das Pine-Island-Gletschersystem erholen könne. Das von Lhermitte präsentierte Bild des Bruchstücks B-46 entstand mit Hilfe der Esa-Erdbeobachtungssatelliten "Sentinel". Einer der Satelliten hatte auch schon Daten zum Bruchstück B-44 aufgenommen.

Erst kürzlich hatten Nasa-Forscher vor der Antarktis einen ungewöhnlichen Eisberg im im Weddell-Meer fotografiert. Er fiel wegen seiner perfekten rechteckigen Form auf.

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