GESELLSCHAFT


Coronainfektion kann auch Auswirkungen auf graue Substanz des Gehirns haben

Baku, 19. März, AZERTAC

Bei Menschen, die an Covid-19 erkrankt sind, kann sich die sogenannte graue Substanz des Gehirns verändern, außerdem nehme die Größe des Gehirns ab. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Oxford. “Es gibt starke Hinweise auf hirnbezogene Anomalien bei Covid-19“, schreiben sie. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift “Nature“ erschienen.

Die Hirngröße schrumpft um bis zu zwei Prozent - Untersucht hatten die Forscherinnen und Forscher die Gehirnveränderungen bei 785 Menschen im Alter zwischen 51 und 81 Jahren mithilfe von zwei Gehirnscans und einiger kognitiver Tests. Die Daten dieser Patientinnen und Patienten seien in der “UK Biobank“ erfasst, einer medizinischen Datenbank. 401 der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Studie seien zwischen dem ersten und dem zweiten Scan positiv auf eine Infektion mit Sars-CoV-2 getestet worden. Zwischen der Diagnose und dem zweiten Scan seien im Durchschnitt vier bis fünf Monate vergangen.

Dadurch, dass Bilder der Gehirne aus der Zeit vor der Infektion vorlägen, sinke die Wahrscheinlichkeit, dass bereits vor der Ansteckung existierende Risikofaktoren als Auswirkungen der Krankheit fehlinterpretiert würden, hieß es in der Untersuchung.

Beim Vergleich der Gruppen – der Infizierten und der Nicht-Infizierten – seien signifikante Effekte festgestellt worden: So habe sich bei den Menschen, die an Covid-19 erkrankt waren, die Dicke der grauen Substanz im Gehirn verringert. Als graue Substanz bezeichnet man Teile des zentralen Nervensystems, die vor allem Nervenzellkörper enthalten – umgangssprachlich ist von »grauen Zellen« die Rede. In Hirnregionen, die für das Geruchsvermögen zuständig sind, ließen sich Anzeichen für Gewebeschäden feststellen.

Die Gesamtgröße des Gehirns verringerte sich bei den Covid-Erkrankten stärker als bei denjenigen, die sich nicht mit dem Virus infiziert hatten. Es ist normal, dass Menschen mit dem Alter jedes Jahr einen sehr kleinen Teil ihrer grauen Substanz verlieren. In Regionen, die mit dem Gedächtnis zusammenhängen, betrage der jährliche Verlust zwischen 0,2 und 0,3 Prozent. Bei den infizierten Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern sei die Gehirngröße im Durchschnitt jedoch zwischen 0,2 und 2 Prozent geschrumpft.

Zwischen den beiden Scans sei bei den infizierten Probandinnen und Probanden im Mittel ein stärkerer kognitiver Abbau zu beobachten gewesen als in der Vergleichsgruppe – allerdings in recht rudimentären Tests, deren Aussagekraft darum limitiert sei. Einige der Covid-Erkrankten litten demnach unter Beeinträchtigungen der Aufmerksamkeit, der Konzentration, der Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung und des Gedächtnisses.

Auch bei milden Verläufen könne sich das Hirn verändern - Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wiesen darauf hin, dass die Effekte auch dann zu beobachten waren, wenn die 15 im Krankenhaus behandelten Personen mit schweren Verläufen von der Auswertung ausgeschlossen würden. Keine Aussage lasse sich dazu treffen, ob diese Veränderungen im Gehirn rückgängig gemacht werden könnten oder ob sie langfristig bestehen bleiben. Dazu müssten weitere Nachuntersuchungen durchgeführt werden.

Die Studie fand zu einer Zeit statt, in der noch die Alpha-Variante in Großbritannien dominierte. Es sei daher unwahrscheinlich, dass sie auch Personen umfasst, die mit folgenden Varianten wie der Delta-Variante infiziert waren.

Ob eine Covid-Schutzimpfung einen Einfluss auf die Veränderungen im Gehirn hat, wurde in dieser neuen Studie nicht untersucht. Eine Auswertung der britischen Gesundheitsbehörde, der UK Health Security Agency, von zahlreichen Studien hatte allerdings ergeben, dass geimpfte Personen im Vergleich zu ungeimpften Personen etwa nur etwa halb so häufig Symptome einer Long-Covid-Erkrankung entwickelten.

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