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Deutsche CureVac AG entwickelt aktuell Coronavirus-Impfstoff

Berlin, 25. März, AZERTAC

Mit dem zunehmenden Ausbruch der Coronavirus-Pandemie auf dem gesamten Erdball hofft die ganze Welt auf einen schnellen Durchbruch bei der Entwicklung eines wirksamen Impfstoffes. Die Suche nach dem erlösenden Vakzin ist längst zu einem Politikum geworden. Dies zeigt auch das starke Interesse der US-Regierung an dem deutschen Impfstoffentwickler CureVac.

Immer mehr Länder auf der Welt werden von der Coronavirus-Pandemie heimgesucht und Krankenhäuser, Aktienmärkte, verunsicherte Bürger und vor allem auch Regierungen setzen ihre Hoffnungen im Kampf gegen das Virus auf einen schnellen Erfolg bei der Impfstoffentwicklung.

Ein Unternehmen, dass in dieser Hinsicht bereits Fortschritte vorweisen kann, ist die deutsche CureVac AG. Das Biotech-Unternehmen mit Sitz in Tübingen entwickelt aktuell einen mRNA-basierten Coronavirus-Impfstoff und plant bereits im Frühsommer mit einer Phase-1-Studie zu beginnen. Mitte März ist CureVac jedoch nicht primär aufgrund der Arbeit an dem Impfstoff in die internationalen Schlagzeilen geraten, sondern aufgrund eines angeblichen Übernahmeversuchs der US-Regierung Donald Trumps.

Mehrere Medien, darunter zunächst die Welt am Sonntag, hatten unter Berufung auf deutsche Regierungskreise berichtet, dass US-Präsident Trump versucht habe, deutsche Wissenschaftler, die an dem Impfstoff arbeiten, mit hohen finanziellen Mitteln nach Amerika zu locken beziehungsweise das Medikament exklusiv für sein Land zu sichern. Führende deutsche Regierungspolitiker, unter anderem Bundesaußenminister Heiko Maas und Bundesinnenminister Horst Seehofer, reagierten auf die Medienberichte und suggerierten die Existenz eines entsprechenden Angebots.

Laut Franz-Werner Haas, dem amtierenden Geschäftsführer von CureVac, habe es jedoch nie konkrete Angebote in irgendeiner Form gegeben. Zwar sei das Unternehmen zur Vorstellung seiner Arbeit an dem Impfstoff ins Weiße Haus eingeladen worden, jedoch "gibt es und gab es kein Übernahmeangebot des Weißen Hauses oder der US-Regierungsbehörden, weder für die Technologie noch für CureVac", so Haas bei einer Telefonkonferenz mit Journalisten.

Der CureVac-Chef betonte, dass das Unternehmen mit mehreren Regierungen und internationalen Institutionen in Kontakt stehe, da es sich bei der aktuellen Pandemie um eine globale Krise handle, die "international adressiert werden sollte". Dennoch seien die Medienberichte hinsichtlich der US-amerikanischen Übernahmeversuche nicht zutreffend.

Angebliche Angebote aus den USA lassen sich daher nicht bestätigen und auch TSG 1899 Hoffenheim-Mäzen und CureVac-Anteilseigner Dietmar Hopp sorgte in einem Interview mit Sport1 nicht für Aufklärung, sondern schloss lediglich aus, das Biotech-Unternehmen oder die Rechte an dem Impfstoff an die Trump-Regierung zu verkaufen: "Für mich ist das selbstverständlich, es kann gar nicht sein, dass eine deutsche Firma den Impfstoff entwickelt und dieser in den USA exklusiv genutzt wird. Das war für mich keine Option. Ich persönlich habe nicht mit Herrn Trump gesprochen. Er hat mit der Firma gesprochen, und man hat mir das dann sofort gesagt und gefragt, was ich davon halte, und ich wusste sofort, dass das nicht infrage kommt".

Unabhängig davon, ob es nun tatsächlich eine Trump-Offerte gegeben hat oder nicht, zeigt bereits die Einladung der Tübinger Firma ins Weiße Haus, wie ernst Regierungen auf der ganzen Welt die Suche nach einem Coronavirus-Impfstoff nehmen und wie wichtig es ist, auf diesem Gebiet die Nase vorn zu haben.

So scheint es auch kein Zufall, dass die Europäische Kommission nur einen Tag nach den ersten Medienberichten über ein angebliches Angebot für CureVac aus den USA mitteilte, dem Tübinger Unternehmen finanzielle Unterstützung von bis zu 80 Millionen Euro für "die Entwicklung und Herstellung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus in Europa" gewähren zu wollen.

Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die sich zuvor persönlich mit dem CureVac-Management per Videokonferenz ausgetauscht hatte, ließ es sich in der Pressemitteilung zur Finanzförderung nicht nehmen, die europäische Identität des Unternehmens hervorzuheben: "Ich bin stolz darauf, dass wir führende Unternehmen wie CureVac in der EU haben".

Auch das Bundesgesundheitsministerium bestätigte gegenüber People's Daily Online den Stellenwert einer lokalen Impfstoffproduktion. "Die Bundesregierung ist sehr daran interessiert, dass Impf- und Wirkstoffe gegen das neuartige Coronavirus auch in Deutschland und in Europa entwickelt werden", so eine Sprecherin.

Trotz all des Ringens um die Hoheit bei der Impfstoffentwicklung, lässt sich auch in der internationalen Politik eine Tendenz zum gemeinsamen Miteinander im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie erkennen. Bei allem Stolz auf den europäischen Forschungsgeist betonte von der Leyen auch, dass Impfstoffe von führenden Unternehmen wie CureVac allen Menschen zugutekommen würden, "in Europa und anderen Teilen der Welt".

Auch China spielt aus Sicht der EU bei der weltweiten Reaktion auf die Coronavirus-Pandemie eine wichtige Rolle. "Selbstverständlich ist die internationale Zusammenarbeit in Situationen wie diesen sehr wichtig, auch die Zusammenarbeit mit China", so Reinhard Hönighaus, Sprecher der Europäischen Kommission in Deutschland, gegenüber People's Daily Online. Kommissionspräsidentin von der Leyen habe erst kürzlich mit dem chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang telefoniert und beide seien sich einig gewesen, dass der Kampf gegen das Coronavirus ein globaler Kampf sei und man sich in Zeiten der Not gegenseitig unterstützen müsse.

Auch wenn die Regierungen der Welt die Entwicklung eines Coronavirus-Impfstoffes aktuell eher als internationalen Wettbewerb anstatt als Kooperationsprojekt anzusehen scheinen, ist es dennoch realistisch, dass am Ende alle von einer Vakzine profitieren werden - ganz gleich, ob diese nun in Europa, China oder den USA entwickelt wird.

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