GESELLSCHAFT


Die Erde könnte sich bis 2100 um 2,9 Grad erwärmen

Baku, 23. November, AZERTAC

Das 2-Grad-Ziel, auf das sich die Weltgemeinschaft im Pariser Klimaabkommen verständigt hat, scheint kaum mehr zu erreichen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die in der Fachzeitschrift “Nature Climate Change“ erschienen ist. Für diese Studie wurde ein neues Verfahren angewandt, um die Entwicklung der Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2100 zu modellieren, wie AZERTAC unter Berufung auf außländische Massenmedien berichtete.

Für den Anstieg des Treibhausgasausstoßes wurden sieben Szenarien ermittelt – erfreulich ist keines: Die Berechnungen ergeben, abhängig von unterschiedlichen Annahmen, die in das jeweilige Modell eingehen, eine Prognose für eine durchschnittliche Erderwärmung von 2,2 bis 2,9 Grad bis 2100 im Vergleich zur vorindustriellen Zeit.

Sieben Modelle, wenig Hoffnung - Den Autorinnen und Autoren der Studie zufolge gingen frühere Modellierungen meist von einem gesetzten Temperaturziel aus – etwa dem 2-Grad-Ziel. Dazu seien bestimmte Emissionsverläufe angenommen worden, die mit diesem Ziel kompatibel sind. Für die neue Studie sei hingegen der wahrscheinlichste Verlauf der Emissionen bis 2100 basierend auf der heute umgesetzten Klimapolitik errechnet worden: Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hätten sieben Modelle verglichen, mit denen sich die Entwicklung von Energiewirtschaft und Gesellschaft in den nächsten Jahrzehnten ermitteln lasse.

Jedes dieser Modelle arbeite mit unterschiedlichen Annahmen – etwa dazu, wie schnell der Ausbau der erneuerbaren Energien vorangeht, welchen Anteil Wasserstoff im Energiemix erreichen kann, oder auch in welchem Ausmaß es möglich sein wird, CO₂ aus der Atmosphäre zu ziehen und im Boden speichern. Aber auch das Wachstum der Bevölkerung einzelner Regionen spiele eine Rolle. Diese Annahmen kombinierten die Mitglieder des Forschungsteams mit einer Reihe von Szenarien, wie sich klimapolitische Maßnahmen bis zum Jahr 2030 und darüber hinaus weltweit entwickeln könnten.

Einige der ermittelten Szenarien beruhten ausschließlich auf Daten zu aktueller regionaler Klimapolitik. Andere nahmen zusätzlich an, dass alle Staaten ihre nationalen Klimaziele bis 2030 einhalten werden. Langfristige Netto-Null-Versprechen – wie von China, das bis 2060 klimaneutral werden will, oder Indien, das die Marke 2070 erreicht haben will – berücksichtigten die Autoren und Autorinnen nicht.

Dieses Vorgehen bezeichnete Oliver Geden von der Stiftung Wissenschaft und Politik als “sehr sinnvoll“: So lasse sich der Fehler vermeiden, die Weltgemeinschaft schon jetzt für langfristige Ankündigungen “zu belohnen“. “Alle Netto-Null-Ziele für Mitte des Jahrhunderts sind im Grunde Versprechen, über deren Realisierungswahrscheinlichkeit man noch keine belastbaren Einschätzungen abgeben kann“, sagte der Klimaexperte und Leitautor des aktuellen Sachstandsberichts des Weltklimarats IPCC. Bei manchen dieser nationalen Neutralitätsziele, etwa im Fall von Indien, sei darüber hinaus unklar, ob sie sich nur auf CO₂ oder auf alle Treibhausgase beziehen – “letzteres wäre wesentlichen anspruchsvoller, gerade bei Ländern wie Indien, in denen die Landwirtschaft eine große Rolle spielt“, so Geden.

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