WISSENSCHAFT UND BILDUNG


Esa plant nun weltweit erste Mission, um Abfall aus dem All zu beseitigen

Baku, 10. Dezember, AZERTAC

Wie Geschosse kreisen die Hinterlassenschaften alter Raumfahrtmissionen um die Erde und werden zunehmend zur Gefahr für Raumfahrtmissionen. Die Internationale Raumstation ISS und Satelliten tragen bereits Spuren von den Kollisionen. Die Europäische Weltraumorganisation Esa plant nun die weltweit erste Mission, um den Abfall aus dem All zu beseitigen. Die europäischen Raumfahrtminister hätten sich darauf geeinigt, das Projekt zu unterstützen.

"ClearSpace-1" soll 2025 starten und ist bei einem kommerziellen Zusammenschluss mehrerer Unternehmen in Auftrag gegeben worden, teilte die Esa mit. Geleitet wird das Konsortium vom Schweizer Start-up "ClearSpace". Die Vorbereitungen für die Mission sollen bereits im kommenden März beginnen. Für die Esa werden Experten im Darmstädter European Space Operations Centre (ESOC) das rund 120 Millionen Euro teure Vorhaben begleiten.

Die Idee: Zunächst soll eine Raumsonde einen Teil einer alten Esa-Rakete mit vier Greifarmen einfangen und zum Verglühen in die Erdatmosphäre bringen. Später sind Orbiter geplant, die mehrere große Trümmerteile einfangen können. "Das ist in mehrfacher Hinsicht Neuland, aber dringend notwendig", sagte Esa-Chef Jan Wörner.

Der Grund: In den kommenden Jahren wird der Weltraumschrott stark zunehmen. Allein Elon Muskwill mit seinem Unternehmen SpaceX 42.000 Satelliten ins All schießen. Staaten planen zudem Militärprojekte im All. Es seien Mega-Konstellationen von Hunderten oder gar Tausenden Orbitern in der Erdumlaufbahn geplant, warnte Luc Piguet, Chef des Schweizer Start-ups "ClearSpace".

Kollision mit bis zu 40.000 Kilometern pro Stunde - Das Problem: Teile aus dem All könnten auf die Erde stürzen oder zu Kollisionen im Weltraum führen, mit zerstörerischen Folgen. Laut Esa treffen die Objekte mit einer Geschwindigkeit von bis zu 40.000 Kilometern pro Stunde aufeinander. Bei jeder Kollision entstehen Tausende neuer Teile, die um die Erde sausen. Ausweichmanöver gehörten heute schon zum Alltag der Raumfahrt.

Noch gibt es kein Gesetz, das dazu verpflichtet, den verursachten Weltraumschrott wieder aufzuräumen. "Aber es gibt so etwas wie Moral und Ethik", sagte Wörner. Seine Forderung: Wer künftig einen Satelliten ins All schießen will, solle entweder nachweisen, dass dieser automatisch zurückkommt und verglüht, einen Vertrag mit einem Unternehmen für eine Rückholung abschließen, oder eine Art Pfand hinterlegen, mit dem die Beseitigung bezahlt werden kann.

Wörner glaubt, dass sich die Esa mit dem Reinigungsprojekt einen Zukunftsmarkt erschließen wird. Das Weltall werde täglich für eine Vielzahl von Anwendungen genutzt - etwa, um Navigationsgeräte mit Daten zu versorgen. Diese Infrastruktur zu schützen sei von großem Wert.

Möglich geworden ist die geplante Mission durch den jüngst beschlossenen Rekordhaushalt für die Esa. Die 22 Mitgliedsländer haben das Budget für die kommenden fünf Jahre Ende November unerwartet stark angehoben - auf 14,4 Milliarden Euro. Allein Deutschland hat die finanziellen Mittel von 1,9 auf 3,3 Milliarden heraufgesetzt und ist damit stärkster Beitragszahler.

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