GESELLSCHAFT


Evangelische Tradition in Aserbaidschan

Baku, 3. Juni, AZERTAC

Aserbaidschan – ein Land religiöser Vielfalt. Als Papst Johannes Paul II. im Mai 2002 Aserbaidschan besuchte, weckte dies bei vielen ein erstes Interesse für ein Land, das – wenn überhaupt es Aufmerksamkeit findet – mit Erdöl und Islam in Verbindung gebracht wird. Deutlich wurde in diesem Zusammenhang, dass sowohl in der aserbaidschanischen Öffentlichkeit als auch in der Wahrnehmung Aserbaidschans im Ausland oftmals einseitige Bilder existieren, die der religiösen Vielfalt nicht unbedingt gerecht werden. Das betrifft sowohl die mangelhafte Kenntnisnahme christlicher Traditionen Aserbaidschans als auch ein unzureichendes Verständnis dafür, welche Rolle der Islam im Unterschied z. B. zum benachbarten Iran spielt. Der folgende Beitrag versucht, hier Abhilfe zu schaffen.

Die evangelische Tradition im heutigen Aserbaidschan geht auf deutsche Auswanderergruppe der Pietisten zurück, die ab 1817 überwiegend aus Baden und Württemberg nach Südkaukasien kamen und in ihren Siedlungen Annenfeld/Schämkir und Helenendorf/Chanlar/Göygöl mit Tochtergründungen Gebetshäuser errichteten.

Seit 1822 regelte eine erste kirchliche Ordnung das Gemeindeleben, 1841 wurde das im Russischen Reich geltende Evangelisch-Lutherische Kirchengesetz von 1832 mit Sonderregelungen in den kaukasischen Niederlassungen der Siedler eingeführt. Sie wurden zunächst vom Baseler Missionshaus, das 1824 bis 1838 in Schuscha eine eigene Missionsstation betrieb, später durch Pastoren aus Dorpat/Tartu seelsorgerisch betreut. Auf den Einfluss der Baseler Missionare geht auch das Entstehen einer evangelischen Tradition unter den Armeniern zurück: 1865 wurde eine armenische Gemeinde der Stadt Schamachi in die Evangelisch-Lutherische Kirche aufgenommen. Auch in Baku gehörten ihr sowie der katholischen Gemeinde Armenier an.

Die Stadtgemeinden von Tiflis (1828 Grundsteinlegung der ersten kleinen Kirche/ Weihe 1832, 1893- 1897 Neubau) und Baku (1897 Kirchenweihe) waren seit 1841 dem Moskauer Konsistorium unterstellt. Im Falle Bakus handelte es sich um eine deutsch-schwedische Kirchengemeinde, die eine Kirche - heute Konzertsaal und seit 2003 auch Ort für Sonntagsgottesdienste - das Kapellhaus - heute Sitz des deutsch-aserbaidschanischen Vereins, zudem Kultur- und Bildungsstätte – sowie weitere karitative Gebäude im Umkreis erbauten.

Seit 1993 gibt es in Baku wieder eine evangelisch-lutherische Gemeinde, der vor allem viele Nachfahren der deutschen Minderheit angehören.

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