WISSENSCHAFT UND BILDUNG


Fast in jedem Smartphone steckt Technologie des Chipkonzerns Qualcomm

Baku, 6. November, AZERTAC

Es wäre der bisher teuerste Firmenkauf in der Tech-Industrie. Der Chipkonzern Broadcom will für 130 Milliarden Dollar den Konkurrenten Qualcomm kaufen. Es ist der Versuch einer feindlichen Übernahme gegen den Willen von Qualcomm. Das neue gemeinsame Unternehmen soll unter anderem eine Schlüsselposition beim kommenden schnellen 5G-Datenfunk einnehmen.

Qualcomm selbst will sich gegen die feindliche Übernahme wehren. Man werde das Angebot als zu niedrig und regulatorisch riskant ablehnen, berichtete die "Financial Times" unter Berufung auf Insider.

Qualcomm ist im Großteil der Smartphones und Tablet-Computer mit Kommunikationschips vertreten, die für die Verbindung zu Netzen sorgen. Zudem stellt das Unternehmen in vielen Telefonen auch den Hauptprozessor. In der Qualcomm-Bilanz sorgen die Chips für den Großteil der Erlöse - der Gewinn hingegen wird vor allem mit Patentlizenzen auf diverse Technologien erzielt.

Der Deal könnte auch noch an Einwänden der Kartellbehörden scheitern. Da sich das Geschäft von Qualcomm und Broadcom an vielen Stellen überschneidet, gehen Experten davon aus, dass die Regulierungsbehörden den Mega-Deal streng prüfen werden. Ähnliche Geschäftsfelder beider Konzerne sind zum Beispiel die Bereiche WLAN und Bluetooth.

Anleger sind skeptisch - Das Angebot liegt bei 70 Dollar pro Qualcomm-Aktie. Das Papier war am Freitag bei 61,81 Dollar aus dem Handel gegangen. Qualcomm-Aktionäre sollen pro Anteilschein 60 Dollar in bar und Broadcom-Aktien im Wert von 10 Dollar bekommen.

Die geplante feindliche Übernahme ist unter anderem möglich, weil Qualcomm seit Monaten in einem erbittert geführten Streit mit Apple steckt, der die Geschäftszahlen der Chipfirma schmälerte und den Aktienpreis nach unten trieb.

Der iPhone-Konzern weigert sich, an Qualcomm einen Prozentsatz vom kompletten Gerätepreis abzuführen. Apple argumentiert, damit wolle Qualcomm an Technologien verdienen, die bei Apple selbst erfunden worden seien. Der Halbleiter-Konzern kontert, in den Apple-Geräten steckten Qualcomm-Technologien nicht nur in den Chips. Die Unternehmen verklagten sich gegenseitig in mehreren Ländern.

Vergangene Woche nun ließ ein Medienbericht, wonach Apple in kommenden Generationen seiner Geräte ganz ohne Qualcomm-Chips auskommen wolle, die Aktie der Chipfirma an einem Tag um sieben Prozent absacken.

Anleger zeigten sich am Montag in einer ersten Reaktion skeptisch, dass Broadcom sein Ziel erreichen werde. Die Qualcomm-Aktie stieg trotz des recht hohen Gebots im vorbörslichen Handel zunächst nur um vier Prozent auf etwas mehr als 64 Dollar.

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