WISSENSCHAFT UND BILDUNG


Forschung: Durch Milchstraße rasen Sterne

Baku, 6. Juli, AZERTAC

Forscher der Universität Nürnberg sind auf mehrere Sterne gestoßen, die mit einer enormen Geschwindigkeit durch die Milchstraße rasen. Noch Überraschender: Die Sterne scheinen eine Explosion ihres Inneren überstanden zu haben, die normalerweise ihren Untergang besiegelt. Das berichtet eine Forschergruppe um Roberto Raddi von der Universität Erlangen-Nürnberg in den "Monthly Notices of the Royal Astronomical Society".

Eigentlich ist das Leben und vor allem das Sterben von Sternen genau geregelt: Sie entstehen, wenn Druck und Temperatur in einem Gasball so stark ansteigen, dass es zur Kernfusion kommt. Dabei verschmelzen Wasserstoffmoleküle miteinander zu Helium. Die Reaktionen setzen eine enorme Energie frei.

Schwindet der Wasserstoff im Inneren großer Sterne können Druck und Hitze noch weiter steigen, sodass auch größere Elemente miteinander verschmelzen. Aus Helium entstehen Kohlenstoff und Sauerstoff, Kohlenstoff wiederum produziert schwerere Elemente bis hin zum Eisen.

Doch auch diese Reaktionen neigen sich irgendwann dem Ende zu, der Tod des Sterns naht. Nehmen die Kernfusionen ab, schwindet die Energie. Das Gleichgewicht von Schwerkraft und innerem Druck gerät aus dem Takt, der Stern stürzt in sich zusammen und sprengt bei einer gewaltigen Explosion seine äußeren Schichten ins Weltall. Zurück bleibt ein Neutronenstern oder ein Schwarzes Loch.

Stellare Winzlinge: Ein Fünftel der Sonnenmasse - Daneben existiert noch eine zweite Form der Supernova bei kleineren Sternen. Reichern weiße Riesen zu viel Masse an, etwa durch einen Begleitstern, werden sie ebenfalls instabil. Auch hier kommt es zu einer Supernova, diese zerreißt den Stern allerdings komplett - dachte man. Die jetzt entdeckten Sterne scheinen eine solche Explosion überstanden zu haben.

Die Forscher stießen auf sie, als sie in Daten des ESA-Satelliten Gaia nach seltenen Sternen durchsuchten, die mit extremen Geschwindigkeiten durchs Weltall rasen. Solche sogenannten Hyperschnellläufer bewegen sich so schnell durch ihre Galaxien, dass sie diese verlassen können. Von den drei neu entdeckten Sternen befinden sich zwei innerhalb der Milchstraße, einer außerhalb.

Im Vergleich zu anderen Hyperschnellläufern sind die gefundenen Sterne jedoch ungewöhnlich klein, ihre Masse beträgt nur rund ein Fünftel der Sonne. Hinzu kommt, dass die Atmosphäre der gefundenen Sterne hauptsächlich aus Neon und Sauerstoff besteht. Wasserstoff und Helium konnten die Forscher nicht nachweisen.

Die Funde sprechen dafür, dass es sich bei der Supernova wahrscheinlich um eine vergleichsweise leichte Explosion eines weißen Zwergs handelte. Statt den kompletten Stern in Fetzen zu reißen, scheinen Überreste geblieben und von der Wucht der Explosion extrem beschleunigt worden zu sein. Die Forscher gehen davon, dass es sich bei den drei Sternen zusammen mit einem weiteren, 2015 gefundenen Objekt, um eine neue Sternenklasse handelt.

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