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Geheimplan: Montoya und Alonso hätten gemeinsam in Le Mans fahren sollen

Baku, 3. Juni, AZERTAC

Bereits im April 2017 hat "Motorsport-Total.com" erstmals von Porsches ambitionierter Idee berichtet, bei den 24 Stunden von Le Mans ein Fahrzeug nur mit Formel-1-Stars an den Start zu schicken. Dass das keineswegs ein Hirngespinst war, sondern eine recht konkrete Idee, verrät Fritz Enzinger in Teil 3 der Interview-Series "Enzinger exklusiv".

Auch die Fahrer, die man gern zusammengespannt hätte, standen fest. Nico Hülkenberg war ein naheliegender Kandidat. Er hatte Le Mans schon 2015 für Porsche gewonnen. Fernando Alonso liebäugelte damals ebenfalls mit dem 24-Stunden-Klassiker. Und der Dritte im Bunde wäre Juan Pablo Montoya gewesen.

"Ich habe so eine Besetzung wirklich sehr gewollt! Es war auch realistisch", bestätigt Enzinger, damals Leiter von Porsches LMP1-Programm, heute Motorsportchef von Porsche und Motorsport-Gesamtverantwortlicher im Volkswagen-Konzern. "Es gab Gespräche mit Alonso und Montoya, und Hülkenberg war ja schon für uns gefahren. Das hätte Charme gehabt."

Ein Schlüsselerlebnis im Volkswagen-Konzern war, als Andre Lotterer, damals Audi-Werksfahrer, 2014 für das Caterham-Team beim Grand Prix von Belgien in Spa-Francorchamps an den Start ging und dabei gute Figur machte. Durch den medialen Impact dieses Gaststarts wurde vielen im Konzern erst bewusst, wie groß die Strahlkraft der Formel 1 wirklich sein kann.

Und natürlich spielten auch die Schlagzeilen nach dem Hülkenberg-Sieg 2015 eine Rolle. Als Enzinger eine Woche später gemeinsam mit Hülkenberg im Formel-1-Paddock in Spielberg aufschlug, wurden sowohl der damalige Force-India-Fahrer als auch Enzinger mit Gratulationen und Fragen zum Le-Mans-Triumph überhäuft.

"Uns wurde diese Strahlkraft erst nach dem Sieg mit Nico Hülkenberg richtig bewusst", erinnert sich Enzinger. "Das Interesse prominenter Fahrer an einem Le-Mans-Sitz bei uns war enorm. Das hat uns bei Porsche sehr geschmeichelt."

"Wir konnten uns die Fahrer aussuchen und waren mit mehreren in Kontakt. Es gab Gespräche mit Juan Pablo Montoya, die waren relativ fortgeschritten. Er war heiß drauf, weil er Indy schon gewonnen hatte und Monaco auch. Nur Le Mans fehlte ihm zum berühmten Triple."

"Montoya war zu dem Zeitpunkt in den USA und sehr interessiert - er hatte ja mächtig Spaß gehabt, als er das Auto 2015 beim Testtag in Bahrain fuhr", sagt Enzinger. Abgesagt habe der Kolumbianer dann eher widerwillig, "weil er keine Freigabe erhielt". Und auch bei Alonso tat sich der damalige Motorenpartner von McLaren, Honda, schwer, eine Freigabe für Porsche zu erteilen.

"Für mich besaß dieses Trio große Attraktivität. Einen Porsche 919 Hybrid mit drei Formel-1-Fahrern in Le Mans an den Start zu schicken, das wäre ein Ausrufungszeichen gewesen", schwärmt Enzinger noch heute von seiner damaligen Idee.

Dass der Le-Mans-Termin dieser im Weg stand, bedauert er: "Es war ein großer Wunsch, das Le-Mans-Wochenende immer Formel-1-frei zu halten. 2016 war es aber leider wieder so, dass am gleichen Wochenende ein Grand Prix stattfand. Schade. Es gibt ja eine tolle Tradition, dass Formel-1-Fahrer auch in Le Mans starteten."

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