GESELLSCHAFT


Glückshormone werden zu 95% im Darm gebildet

Baku, 5. April, AZERTAC

Der Darm ist das größte Organ des Körpers, ausgewachsen misst er an die 5 Meter und hat eine Oberfläche von 32m2. Darmerkrankungen sind nicht nur störend und oft schmerzhaft, viele Krankheiten haben ihre Ursache im Darm, auch das Immunsystem ist auf einen gesunden Darm angewiesen. Glückshormone werden zu 95% im Darm gebildet. Mit einem kranken Darm kann auch die Seele leiden.

Die aktuellen medizinischen Untersuchungen und wissenschaftlichen Erkenntnisse zeigen, dass unsere Gesundheit allgemein und unsere Darmgesundheit eng zusammenhängen. Wir haben mehr Bakterien in und an uns als die Milchstraße Sterne hat.

Viele Krankheiten hängen direkt oder indirekt mit unserem Darm zusammen. Kein Wunder, wenn man bedenkt, welche vielfältigen Aufgaben unser rund sieben Meter langes Organ hat: Verdauung, Aufnahme und Gewinnung lebenswichtiger Nährstoffe, Energiebereitstellung, Entgiftung, Immunabwehr, die Produktion von wichtigen Enzymen und Hormonen. Auch unsere Psyche beeinflusst der Darm.

Über zwei Drittel unserer aktiven Immunzellen arbeiten im Darm. Das heißt: rund 80 Prozent unserer Abwehrreaktionen finden hier statt. Schon mit unserem alltäglichen Essen nehmen wir ja ständig z. B. Pilze, Bakterien und unzählige Schadstoffe auf – allein um diese Abwehrschlacht zugewinnen, braucht es eine gesunde Darmflora, sich um seine Darmgesundheit zu kümmern, macht zu jeder Zeit Sinn. Aber wir Menschen sind auch ein Teil der Natur. Deshalb ist der Abschied von der ”schweren“ Winterkost zum ”leichten“ Frühling ein guter Zeitpunkt. Unser Körper stellt sich um. Und das können wir mit einer Art Ritual unterstützen.

Ein gesunder Darm, eine gesunde Darmflora entsteht nicht von heute auf morgen. Die Laboruntersuchungen zeigen, was dem Darm fehlt. Und u. a. mit dem täglichen Ernährungsprotokoll entwickeln wir stufenweise zusammen eine individuelle Ernährung, die guttut. Dabei entstehen die ganz persönliche Unverträglichkeitsliste und eine Liste von Lebensmitteln, die gut vertragen werden.

Drei bis zwölf Monate dauert die Sanierung, das hängt natürlich von dem Schweregrad der Dysbiose (Ungleichgewicht der Darmflora) und den Beschwerden ab.

Häufig wird bei einer Überblähung zu viel Gas im Darm gebildet, darunter Kohlenstoffdioxid (CO2). Dabei spielt die Ernährung eine große Rolle. Manchmal liegen Besonderheiten, wie eine Schwangerschaft, vor oder es steht ein neues Medikament auf dem Verordnungsplan. In der Folge kann der Darm jeweils Träger werden.

Dies kann sich wiederum auf die Darmbakterien auswirken, und die Neigung zu Blähungen nimmt zu. Die Beweglichkeit des Darms kann auch aus anderen Gründen verändert sein. Manchmal läuft der Weg der Nahrung nicht normal, etwa nach einer Magen-Darm-Operation. Oder der Darminhalt trifft auf ein Hindernis, etwa eine Verengung. In der Folge kann er sich anstauen – ein Nährboden für vermehrtes Bakterienwachstum und Gasbildung.

Auch Zuckerausstauschstoffe haben Blähpotenzial. Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit oder Xylit sind natürliche Zuckeralkohole, werden aber auch industriell (auf pflanzlicher Basis) hergestellt. Ab einer gewissen Dosis wirken die Süßungsmittel abführend und blähend. Denn sie gelangen teilweise ungespalten in den Dickdarm, binden dort Wasser und werden ebenfalls prompt von den Bakterien vergoren. Bei Laktoseintoleranz können auch Milchprodukte zu Blähungen führen. Das wichtigste ist, herauszufinden, welche Ernährungsweise für Sie persönlich gut und gesund ist. Jeder hat seinen eigenen Stoffwechsel. Und jeder Darm ist anders. Hören sie auf ihren eigenen Bauch – und nicht auf allgemeine Empfehlungen, Bücher, TV-Magazine. Nicht jedes gesunde Lebensmittel ist für jeden gesund. Wer keine Äpfel verträgt, sollte keine essen.

Ja, der Darm ist ein richtiger Stimmungsmacher! Denn unser Bauchhirn (das sind über 100 Mio. Nervenzellen!) steht in enger Verbindung mit unserem Kopf. Und der Darm produziert auch das Glückshormon Serotonin in großen Mengen. Viele Redewendungen zeigen, dass wir das intuitiv schon immer gewusst haben: Wir treffen Bauchentscheidungen, etwas schlägt uns auf den Magen und schön, wenn wir Schmetterlinge im Bauch haben. Und jeder kennt das wohlige, zufriedene Gefühl nach einem genussvollen Essen. Da Blähungen viel mit der Ernährung zu tun haben können, ist die Wahl der richtigen Nahrung wichtig. Das Problem: Jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf bestimmte Lebensmittel. Allgemein sind folgende Lebensmittel bekannt dafür, gegen Blähungen zu helfen:

frischer Fenchel

Kartoffeln

Broccoli (obwohl er eine Kohlpflanze ist)

Zucchini

Möhre

Tomaten

Meiden Sie kohlensäurehaltige Getränke und garen Sie Ihre Speisen. Rohkost ist zwar gesund, begünstigt aber Blähungen: Medikamente, vor allem Antibiotika, Stress, falsche, einseitige Ernährung, Umwelteinflüsse, chronische Erkrankungen können unsere Darmbalance und die natürlichen Schutzbarrieren beeinträchtigen.

Täglich entdeckt die Forschung neue Wechselwirkungen zwischen Mensch und dem Darm-Ökosystem. So wird nicht nur eine Verbindung gesehen zwischen typischen Darmbeschwerden wie Durchfall, Verstopfung oder Blähungen und Reizdarm sowie chronisch entzündliche Darmerkrankungen. Auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Allergien, Neurodermitis, aber auch metabolische Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes oder Übergewicht stehen damit in Zusammenhang. Sogar unser psychisches Wohlbefinden wird mit unserem Verdauungsorgan und unseren Darmbakterien in Bezug gebracht.

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