GESELLSCHAFT


Hurrikan "Zeta" aus dem All: Tropische Wirbelstürme würden stärker werden

Baku, 14. November, AZERTAC

Forscher hatten es kommen sehen: Tropische Wirbelstürme würden stärker werden, dabei aber an Geschwindigkeit verlieren. Wissenschaftler wie Michael E. Mann von der Pennsylvania State University prognostizierten solche Trends schon vor Jahrzehnten.

Was damals manchen noch als düsteres Zukunftsszenario galt, wird immer häufiger gemessen. Die beiden Klimaforscher Lin Li und Pinaki Chakraborty vom Okinawa Institute of Science and Technology legen nun eine Studie vor, in der sie Hurrikans aus den Jahren 1967 bis 2018 im Golf von Mexiko oder an der Ostküste der USA untersuchten - insgesamt 71 Stürme, die alle das Festland erreicht hatten.

Die im Fachblatt "Nature" veröffentlichte Studie kommt zu dem Ergebnis: Wenn tropische Wirbelstürme in Nordamerika auf Land treffen, schwächen sie sich heute deutlich langsamer ab als vor 50 Jahren. Hatten Hurrikans Ende der Sechzigerjahre nach einem Tag an Land durchschnittlich nur noch 50 Prozent ihrer Intensität, so sind es heute 75 Prozent. Den Trend erklären die Wissenschaftler mit der größeren Menge an Feuchtigkeit, die ein Wirbelsturm bei höheren Oberflächentemperaturen der Meere aufnehmen kann.

"Feuchtigkeit aus warmen tropischen Ozeanen treibt die intensiven Winde einer Hurrikan-Wärmekraftmaschine an", schreiben die Wissenschaftler. Sobald ein tropischer Wirbelsturm auf Land trifft, wird er von dem Feuchtigkeitsnachschub des Ozeans abgeschnitten und verliert rasch an Kraft. Während inzwischen gut erforscht sei, wie steigende Temperaturen im Zuge des Klimawandels Hurrikans stärker werden lassen, gebe es bisher wenig Erkenntnisse über den Zerfall der Wirbelstürme an Land, stellen Li und Chakraborty fest.

Ende der Sechzigerjahre zerfielen tropische Wirbelstürme nach durchschnittlich 17 Stunden an Land, knapp 50 Jahre später waren es 33 Stunden – eine Steigerung um 94 Prozent. Analysen ergaben, dass die Dauer bis zum Zerfall weitgehend mit der jeweiligen Wassertemperatur an der Oberfläche des Ozeans zusammenhing: Je höher die Temperatur, desto länger hielt sich ein Wirbelsturm an Land. "Bei Hurrikans ist die von der Meeresoberfläche aufgenommene Feuchtigkeit der Treibstoff, der die zerstörerische Kraft eines Hurrikans verstärkt und aufrechterhält, wobei Wärmeenergie aus der Feuchtigkeit in starke Winde umgewandelt wird", erläutert Li in einer Mitteilung seiner Universität.

Simulation für Hurrikan-Entstehung - Um zu untersuchen, wie die Dauer des Zerfalls mit der Wassertemperatur zusammenhängt, simulierten die Forscher vier Hurrikane. Während die anderen Einflussfaktoren gleich blieben, änderten sie nur die Temperatur der Meeresoberfläche – zwischen 27 und 30 Grad Celsius. Sobald der Sturm in der Simulation eine Windgeschwindigkeit von 216 Kilometern pro Stunde erreicht hatte – das entspricht auf der Hurrikan-Skala der zweithöchsten Kategorie 4 –, stoppten Li und Chakraborty die Feuchtigkeitszufuhr und simulierten so das Auftreffen auf Land.

Das Ergebnis war eindeutig: Je höher die eingestellte Meerestemperatur war, desto länger hielten sich die Stürme an Land. Entfernten die Forscher in den Simulationen sämtliche Feuchtigkeit, sobald ein Sturm auf Land traf, nahm die Intensität sehr schnell ab.

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