WISSENSCHAFT UND BILDUNG


In Brasilien gentechnisch veränderte Mücken entdeckt

Baku, 13. September, AZERTAC

Vor ein paar Jahren griff in Südamerika ein Virus um sich, das lange kaum beachtet wurde: In Brasilien erkrankten 2016 Millionen Menschen an Zika. Die Epidemie hatte verheerende Folgen: Schwangere Frauen brachten Kinder mit schweren Fehlbildungen zur Welt, einige Menschen starben.

Übertragen hatte die Krankheit eine Mücke der Art Aedes aegypti. Die Ägyptische Tigermücke, die ursprünglich aus Zentralafrika stammt, überträgt auch weitere Viren wie Gelbfieber oder Dengue. Deshalb arbeiten Forscher schon länger an Methoden, um die Ausbreitung der Tiere zu verhindern.

Das Biotec-Unternehmen Oxitec hatte schon vor der Zika-Epidemie mithilfe der Bill and Melinda Gates Foundation im Norden von Brasilien Mückenmännchen gentechnisch verändert und wieder ausgesetzt. Pflanzten sich die gezüchteten Mücken mit freilebenden Weibchen fort, starben deren Nachkommen bereits im Larven- oder Puppenstadium.

Zwar sollen die Mücken-Populationen in den Freilandversuchen um bis zu 80 Prozent dezimiert worden sein. Doch Kritiker hatten schon damals angemerkt, dass der Eingriff ins Ökosystem Risiken berge. Möglicherweise könnte sich das Todesgen bei einigen Mücken wieder abschalten oder Mutationen einen Einfluss haben.

Eine Studie belegt nun, dass jene Zweifel nicht ganz unbegründet waren. Denn noch immer finden sich Spuren von den Gen-Mücken - einige haben offenbar überlebt. Je nach Stichprobe hätten zehn bis 60 Prozent von Aedes aegypti in der Ortschaft Jacobina im Nordosten von Brasilien entsprechende Spuren im Genom, schreiben Wissenschaftler in der Fachzeitschrift "Scientific Reports".

Oxitec hatte von 2013 bis 2015 wöchentlich rund 450.000 Ägyptische Tigermücken freigelassen. Die gentechnisch veränderten Tiere sind ein Mix von Mücken-Stämmen aus Kuba und Mexiko. Die nun im Freiland gefundenen Exemplare tragen somit Erbgut aus drei Stämmen.

Welche Folgen die Übertragung des gentechnisch veränderten Erbguts auf künftige Generationen von Tigermücken habe, sei noch unklar, heißt es im Journal "Scientific Reports".

Möglicherweise sind die Mücken resistent gegen Insektizide - Möglicherweise seien die Gentechnik-Mücken robuster und resistent gegen Insektizide, mutmaßt das Team um Jeffrey Powell von der Yale University in New Haven (USA) in der Studie. Powell betont: "Diese Ergebnisse zeigen, wie wichtig ein Überwachungsprogramm bei der Aussetzung gentechnisch veränderter Organismen ist, um nicht unerwartete Folgen festzustellen."

Mittlerweile hat Oxitec seine Strategie geändert. Die zweite Generation der gentechnisch veränderten Moskitos ist so programmiert, dass nicht alle Nachkommen sterben. Lediglich die weiblichen Nachkommen sind nicht lebensfähig. Die männlichen jungen Männchen hingegen überleben, können sich mit wilden Weibchen paaren und die tödlichen Gene so erneut weitergeben.

Das Überleben von gentechnisch veränderten Gelbfiebermücken ist in dem neuen Programm gewollt, um gezielt die Population der gefährlichen Weibchen einzudämmen. Nur sie übertragen die Erreger.

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