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Interview des aserbaidschanischen Präsidenten mit “Al Jazeera“ AKTUALISIERT

Baku, 3. Oktober, AZERTAC

Der Präsident der Republik Aserbaidschan, Ilham Aliyev, hat heute dem Fernsehsender Al Jazeera ein Interview gegeben.

Der Präsident der Republik Aserbaidschan, Ilham Aliyev, gab am 2. Oktober dem Fernsehsender "Al Jazeera" TV-Sender ein Interview. AZERTAC präsentiert dieses Interview.

- Journalistin: Präsident von Aserbaidschan, Ilham Aliyev, vielen Dank , dass Sie Al Jazeera ein Interview gegeben haben.

- Präsident Ilham Aliyev: Ich freue mich sehr, Sie zu sehen.

- Der aktuelle Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan dauert seit mehr als 20 Jahren an. Es gab einige Fortschritte und Rückschritte, aber bisher wurde kein Frieden geschlossen. Warum dauert dieser Konflikt so lange?

- Der Hauptgrund ist, dass Armenien keinen Frieden will. Sie wollen unsere Gebiete für immer besetzt halten. Sie wollen den Status quo nicht ändern, deshalb hat der Konflikt so lange gedauert. Wenn Armenien den Willen gezeigt und die jeweiligen Resolutionen großer internationaler Organisationen erfüllt hätte, wäre der Konflikt vor vielen Jahren gelöst worden. Als Armenien 1993 einen Teil unserer Gebiete besetzte, verabschiedete der UN-Sicherheitsrat vier Resolutionen zum sofortigen, vollständigen und bedingungslosen Abzug von armenischen Truppen aus unseren Gebieten. Diese Resolutionen stehen nur auf dem Papier. Die Minsker Gruppe vermittelt seit 28 Jahren in diesem Konflikt – bislang wurde jedoch kein Fortschritt erzielt. Wie bereits gesagt wurde, der Hauptgrund ist die Position Armeniens, der zweite Grund ist mangelnder Druck und Druck von Vermittlern, mit der Erfüllung der Resolutionen des UN-Sicherheitsrates zu beginnen. In vielen Fällen habe ich dieses Thema angesprochen und gesagt, dass über Armenien internationale Sanktionen verhängt werden sollten, um es zu zwingen, die Forderungen des Resolutionen zu erfüllen und unsere Gebiete zu befreien. Auf meine Mahnungen und Appelle wurden jedoch nicht richtig reagiert, und was jetzt passiert, ist das Ergebnis einer destruktiven Politik Armeniens.

- Sie sagen, dass Aserbaidschan in den Rechtsfragen von internationalem Interesse keine richtige Unterstützung erhält, die es auf internationaler Ebene verdient?

- Wir werden in Bezug das Völkerrecht sowie Entscheidungen und Beschlüsse auf eine sehr breite Unterstützung durch internationale Organisationen angewiesen. Der UN-Sicherheitsrat, das höchste internationale Gremium hat die Resolutionen verabschiedet, in denen der Abzug armenischer Truppen gefordert wird. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen tat dasselbe. Andere internationale Organisationen wie die Organisation für Islamische Zusammenarbeit, die Bewegung der Blockfreien Staaten, das Europäische Parlament und andere haben dasselbe getan, aber es reicht nicht aus. Wir haben also einen rechtlichen Rahmen für die Lösung des Konflikts, aber es gibt nicht genug praktischen Druck auf den Aggressor. Wir sehen also einen Widerspruch zwischen dem Völkerrecht und dem, was in der Realität geschieht. Die offensichtliche Verletzung des Völkerrechts und der Normen durch Armenien ist ein klares Zeichen dafür, dass das Völkerrecht nicht oder nur selektiv funktioniert. Wie Sie wissen, werden die Resolutionen des Sicherheitsrats in einigen Fällen innerhalb weniger Tage, möglicherweise innerhalb weniger Stunden, erfüllt. Aber für uns stehen die Resolutionen seit vielen Jahren auf dem Papier. Mangelnder und praktischer Druck auf den Aggressor ist einer der Gründe, warum der Konflikt so lange gedauert hat.

- Sie werfen Armenien vor, mit diesem Krieg, mit diesem Konflikt begonnen zu haben. Viele können behaupten, dass Armenien angesichts seines derzeitigen Territoriums und seines Sieges in der Samtenen Revolution 2018 nicht riskiert hätte, den Konflikt zu beginnen. Was würden Sie dazu sagen?

-Ich weiß nicht, was der Grund für solche Analysen ist. Aber was wir hier sehen, sehen wir, was vor Ort passiert. Wenn wir einen Rückblick drauf werfen, was Armenien in den letzten zwei Jahren nach der "Revolution" getan und welche Erklärungen abgegeben hat, können wir sehen, dass sie uns immer provoziert haben und einen neuen Krieg zu beginnen, und der Grund war, die Gespräche völlig zu zerstören. Sie begingen mehrere militärische Provokationen gegen Aserbaidschan. Am 12. Juli griffen sie unsere Dörfer und militärische Stellungen in der Region Towus an, die weit entfernt von der Konfliktzone im Westen Aserbaidschans an der armenisch-aserbaidschanischen Grenze liegt. Es war sehr schwer zu verstehen, warum sie es taten. Sie haben uns mit schwerer Artillerie angegriffen. Es gab erste Tote unter den Soldaten auf der aserbaidschanischen Seite. Vier unserer Soldaten und ein 76-jähriger Dorfbewohner wurden sofort getötet. Also mussten wir Gegenmaßnahmen ergreifen. Nachdem sie zurückgeschlagen wurden und eine bittere Niederlage erlitten hatten, zogen sie sich zurück und begannen um einen Waffenstillstand zu bitten. Dann sagte ich, dass wir auf dem Territorium Armeniens keine militärischen Ziele haben. Die Zusammenstöße hörten auf, sobald wir sie wieder zurückgeschlagen hatten, und sie verstanden hatten, dass sie nicht tun konnten, was sie wollten. Die Zusammenstöße dauerten nur vier Tage. Dann wurde am 23. August eine Späh- und Sabotage-Gruppe aus Armenien vernichtet, die geschickt worden war, um unser Territorium zu überschreiten und Terrorakte zu begehen, und der Leiter dieser Späh- und Sabotage-Gruppe wurde festgenommen. Derzeit werden Ermittlungen durchgeführt. Er sagte aus, dass er geschickt wurde, um Terrorakte gegen unsere Zivilisten und Soldaten zu begehen. Wir haben es nicht getan, sie haben es getan. Was dann am 27. September geschah, ist eine logische Fortsetzung dieser Politik. Wenn wir ihre Aussagen betrachten, ist es außerdem klar, dass sie uns provozieren. Vor einem Jahr erklärte der armenische Premierminister “Karabach ist Armenien“ und diese Aussage macht die Gespräche völlig bedeutungslos. Denn die Rückgabe der besetzten Gebiete nach Aserbaidschan liegt als eines der Hauptthemen auf dem Verhandlungstisch. Wenn er sagt "Karabach ist Armenien" und nach seinem Verständnis ist Karabach nicht nur die ehemalige autonome Region Berg-Karabach, sondern auch zählen dazu alle besetzten Gebiete. Dies bedeutet, dass sie diese Gebiete nicht zurückgeben wollen, was das Ende der Verhandlungen bedeutet.

- Warum ist Armenien ein Risiko eingegangen und hat zu einer weiteren Provokation gegriffen?

- Erstens denke ich, dass sie den Verhandlungsprozess völlig zerstören wollten und dann uns dessen beschuldigen und eine Meinung über uns bilden, es sei unmöglich, mit Aserbaidschan zu verhandeln.“ Ich denke, dass einer der Gründe ihre inneren Schwierigkeiten sein könnten. Denn jetzt wissen wir, was in Armenien passiert. Sie leiden unter einer sehr schweren politischen Krise. Der Führer der wichtigsten Oppositionspartei wurde zwei Tage vor dem Angriff festgenommen. Gegen die beiden ehemaligen Präsidenten laufen strafrechtliche Ermittlungen. Tatsächlich wurde in Armenien ein diktatorisches Regime errichtet. Alle Versprechen des Premierministers nach der Revolution stehen auf dem Papier. Es wurde nichts getan. Die aktuelle Pandemiesituation dort ist eine der weltweit schlimmsten. Also die öffentliche Aufmerksamkeit sollte abgelenkt werden, und er konnte es tun. Was versucht er jetzt zu tun? Angeblich will er angesichts der aserbaidschanischen Aggression die Gesellschaft vereinen und seine persönliche Macht stärken. Ihrer Meinung nach ist alles sehr logisch, aber sie haben einen großen Fehler gemacht. Außerdem sprach ich einige Tage vor der Aggression vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen und sagte, dass sie sich auf einen Krieg vorbereiten, und sie sollten gestoppt werden. Dies geschah auch.

- Sie haben vorhin gesagt, dass die armenischen Truppen sich bedingungslos aus den besetzten Gebieten zurückziehen müssen. Welche Ziele haben in der Region jetzt?

-Wer, wir?

-Ja, Aserbaidschan.

- Unsere Position bleibt unverändert. Was ich fordere, steht im Einklang mit dem Völkerrecht, weil die ganze Welt die territoriale Integrität Aserbaidschans anerkennt und kein Land der Welt die "Berg-Karabach-Republik" anerkennt. Was ich sage, ist fast der Text der Resolutionen des UN-Sicherheitsrates. Sie müssen unser Territorium verlassen, und nur dann wird der Krieg aufhören und der Konflikt enden. Vielleicht können die armenischen und aserbaidschanischen Völker nach einiger Zeit in Frieden zusammenleben. Dies ist unsere Position und wird sich nicht ändern. Sie basiert auf der historischen Wahrheit, dem Völkerrecht sowie den aktuellen politischen und geopolitischen Realitäten in unserer Region. Ich denke, dass die armenische Regierung ihre "Bedeutung" in der globalen Arena, die mögliche internationale Unterstützung, die ihnen gewährt werden kann, überschätzt und große Fehler gemacht hat, indem sie uns provoziert und angegriffen hat. Und jetzt leiden sie unter einer schweren Niederlage.

- Würden Sie annehmen, mit dem armenischen Premierminister Nikol Paschinjan zurück an den Verhandlungstisch zu kommen?

- Eigentlich sind die Gespräche unterbrochen. Denn nach seiner Aussage "Karabach ist Armenien" sagte ich, dass es keine Gelegenheit für Verhandlungen gebe. Die Ko-Vorsitzenden der Minsker Gruppe baten mich jedoch um mehr Verständnis und sagten, dass die armenische Regierung neu sei, vielleicht sie sich ihre Gefühle und Worte nicht vollständig beherrschen könnten. Ich sagte, nun, lass es uns versuchen. Wir wollen einen Weg für den Frieden finden, also haben wir viele Jahre darauf gewartet, und ohne diesen ablenkenden Ansatz würden die Verhandlungen wahrscheinlich fortgesetzt. Nach dieser Erklärung traf ich mich mit dem armenischen Premierminister. Die Treffen waren jedoch völlig bedeutungslos und trugen einen offiziellen Charakter. Er sagte mir, sie würden die Gebiete nicht zurückgeben. Wenn sie das nicht wollen, wenn sie sich seit vielen Jahren gegen die von der Minsker Gruppe entwickelten Prinzipien stellen und die Gespräche zerstören, was können wir dann sagen? Die Verhandlungen können nicht einseitig geführt werden. Wir müssen einen Partner haben. In Gestalt von Armenien haben wir jedoch noch keinen Partner in den Gesprächen.

- Können wir sagen, dass der Rückzug Armeniens aus den besetzten Gebieten eine Voraussetzung für die Rückkehr Aserbaidschans an den Verhandlungstisch ist?

- Tatsächlich hat der armenische Premierminister Voraussetzungen gegen uns geschaffen. Ich denke übrigens, das ist eine weitere Provokation. Vor einigen Monaten stellte er sieben Vorbedingungen für Aserbaidschan. Tatsächlich wollte er uns und der Minsker Gruppe seine Agenda diktieren. Eine dieser Bedingungen war, dass Aserbaidschan mit der "Regierung Berg-Karabach" verhandeln sollte. Dies wurde nicht nur von uns, sondern auch von der Minsker Gruppe abgelehnt. Weil dies das Format der Verhandlungen, die seit mehr als zwanzig Jahren entwickelt wurden, völlig verändert. Zwischen Armenien und Aserbaidschan laufen Verhandlungen. Auf diese Art und Weise stellt er Bedingungen gegen uns und wir lehnen sie ab. Er tat dies, weil er wollte, dass die Gespräche beendet werden und der Status quo weiter unverändert bleibt. Wir sind immer bereit zu verhandeln. Wir haben die Verhandlungen nie aufgegeben. In den vergangenen Jahren hatten wir eine schwierige Zeit im Verhandlungsprozess. Nicht alles verlief reibungslos. Wir hatten jedoch einen Prozess mit den früheren Führern Armeniens und entwickelten einen schrittweisen Ansatz. Andernfalls hätten wir so viele Jahre nicht an diesem Prozess teilgenommen. Dies ist keine nutzlose Zeit. Ich denke, wir haben große Fortschritte gemacht. Ich bin seit 2003 an diesem Prozess beteiligt. Ich habe mit zwei ehemaligen Präsidenten Armeniens zusammengearbeitet. Wir haben Fortschritte gemacht, es war nicht einfach. Wir hatten viele verschiedene Ideen, aber wir gingen Schritt für Schritt voran und erarbeiteten, was wir im Moment hatten. Als Paschinjan an die Macht kam, zerstörte er nicht nur das, was vor ihm geschehen war, er wollte auch so tun, als ob Armenien vorher und jetzt nicht existiert hätte, als Begründer eines neuen Armeniens. Er zerstörte alle entwickelten Prinzipien. Daher liegt die gesamte Verantwortung bei ihm und seiner Regierung.

Übrigens verstehen rationale Menschen in Armenien das. Sie warnten das armenische Volk und geben Erklärungen ab, dass diese Person ihr Land in eine Katastrophe führt. Dies ist nicht die Art, sich in Verhandlungen so zu verhalten, dies ist nicht die Art, Aserbaidschan so zu provozieren.

Eine weitere Provokation der armenischen Seite war die Veranstaltung der sogenannten “ Inaugurationszeremonie“ des sogenannten "Berg-Karabach-Führers" in der antiken Stadt Schuscha in Aserbaidschan. Kein anderer sogenannter “Berg-Karabach-Führer" hat dies getan. Warum hat er das getan? Die Gefühle der Aserbaidschaner beleidigen. Dann beschlossen sie, das sogenannte “Parlament von Berg-Karabach“ von Khankendi nach Schuscha zu verlegen. Warum? Noch eine weitere Beleidigung der Aserbaidschaner.

Sie siedeln offenbar Armenier aus dem Libanon in die besetzten Gebiete um und zeigen dies im Fernsehen. Dies ist ein grober Verstoß gegen die Genfer Konvention, und das Ziel war es, ihren Hass auf uns zu demonstrieren. Alles, was er tat, zielte darauf ab, den Verhandlungsprozess zu zerstören. Aber jetzt, wenn sie um Verhandlungen bitten, wenn Paschinjan wiederholt die Staats- und Regierungschefs der Welt anruft und sich über Aserbaidschan beschwert, sollten diese Staats- und Regierungschefs ihm sagen, dass er den Verhandlungsprozess verletzt hat, er Aserbaidschan provoziert hat und er die Gefühle der Aserbaidschaner beleidigt hat.Daher muss er dafür verantwortlich sein. Deshalb muss das armenische Volk - ich habe mich vor einigen Tagen an das armenische Volk gewandt - ihn dafür zur Rechenschaft ziehen. Wir haben kein Problem mit dem armenischen Volk. Sie sind unsere Bürger.

- Ist die russische Vermittlung in dieser "politischen Sackgasse" für Aserbaidschan akzeptabel?

-Russland ist neben den USA und Frankreich eines der Vermittlungsländer. Während der 17 Jahre, in denen ich an diesem Prozess beteiligt war, haben alle drei Länder gleichermaßen an dem Prozess teilgenommen. Der Prozess ist ziemlich koordiniert. Natürlich hat Russland eine besondere Stellung, weil es ein Nachbar Aserbaidschans in der Region ist und keine Staatsgrenze zu Armenien hat. Dennoch ist Russland ein Land mit guten und historischen Beziehungen zu Aserbaidschan und Armenien. Daher ist seine Rolle und Vermittlungsfähigkeit natürlich sehr hoch im Vergleich zu denen, die aus objektiven Gründen weit von der Region entfernt sind und möglicherweise nicht genau wissen, was hier im letzten Jahrzehnt passiert ist.

Wir sind daher der Meinung, dass die drei Länder weiterhin zusammenarbeiten sollten, falls sie alle neutral bleiben. Das ist wichtig. Wir sind besorgt, dass wir in den letzten Tagen einige Aussagen gesehen haben, die einen gegenteiligen Effekt hatten und eine gewisse Änderung der neutralen Position zeigten. Jedes Land kann seine eigene Position haben, was normal ist. Wenn Sie jedoch in solch einer heiklen Angelegenheit vermitteln, sollten Sie diese Stellung einnehmen. Wenn Sie von Ihrer nationalen Position aus sprechen möchten, müssen Sie den Ko-Vorsitz der Minsker Gruppe verlassen, und dann sagen, was Sie wollen, beschuldigen, wen Sie wollen, unbegründete Informationen darüber geben, was passiert ist, und natürlich wird niemand protestieren. Aber wenn Sie ein Vermittelter sind, müssen Sie neutral sein, Sie müssen ein Vermittler sein. Andernfalls wird eine Vermittlung von uns nicht akzeptiert.

-Die internationale Gemeinschaft fordert einen Waffenstillstand. Ignorieren Sie jedoch den Aufruf der internationalen Gemeinschaft zu einer Waffenruhe in Anbetracht der jüngsten Aussagen Aserbaidschans und Armeniens?

- Nein, wir machen kein Auge zu. Ein Waffenstillstand kann jedoch nicht einseitig erzielt werden. Ich versuche, den Staatschefs, die mich in diesen Tagen angerufen haben, die Botschaft zu übermitteln, dass nicht die aserbaidschanische Seite angegriffen hat. Wir mussten uns verteidigen. Wenn wir nicht so reagieren würden wie diesmal, würden unsere Zivilisten heute Hunderte von Opfern erleiden. Wir haben immer noch viele Verluste. Heute Morgen habe ich die Information erhalten, dass wir 19 Opfer unter Zivilisten haben, von denen 2 Kinder sind. Es gibt 54 Verwundete unter unseren Zivilisten. Bei armenischen Artillerieangriffen wurden mehr als 300 Häuser beschädigt oder vollständig zerstört. Sie greifen unsere Dörfer und Menschen an und wollen so viele Aserbaidschaner wie möglich töten. Gestern haben sie begonnen, Langstreckenraketen aus Armenien einzusetzen. Auf diese Weise machen sie diese Waffen zu einem legitimen Ziel für Aserbaidschan, und wir müssen diese Ziele zerstören. Dann werden sie uns vorwerfen, das Gebiet Armeniens angegriffen zu haben. Sie wollen es. Sie wollen Dritte in den Konflikt einbeziehen, damit diese Parteien sie schützen und ihnen weitere 30 Jahre illegale Besetzung ermöglichen können. Waffenstillstand - nun, unter welchen Bedingungen? Die Bedingungen müssen so sein, dass sie das Gebiet verlassen müssen. Ich sagte vor zwei Tagen, dass sie anfangen sollten, sich zurückzuziehen, uns einen Zeitplan für den Rückzug zu geben. Lassen Sie sie ernsthafte Verpflichtungen übernehmen, die von den Vermittlern bestätigt wurden. Lassen Sie sie den Waffenstillstand einhalten, und natürlich werden wir das Gleiche tun. Warum brauchen wir diesen militärischen Konflikt? Wir brauchen die friedliche Rückgabe unseres Landes. Seit 28 Jahren zeigen wir unser Engagement für eine friedliche Lösung. Es waren 28 Jahre Konflikt, und der größte ist jetzt. Ein anderer war vor 4 Jahren. Dies ist also unsere Position, und angesichts dessen, was ich über politische und militärische Provokationen seitens Armeniens gesagt habe, halte ich dies für völlig vernünftig.

- Mit Blick auf den letzten Konflikt hat die aserbaidschanische Armee einige Fortschritte an der Front erzielt und einige Dörfer befreit, insbesondere in der Region Füsuli. Bedeutet dies, dass Aserbaidschan sich aus den befreiten Gebieten nicht zurückziehen wird?

- Wir werden uns natürlich nicht zurückziehen! Weil diese Gebiete uns gehören. Diese Gebiete sind unsere alten Böden. Diese Gebiete werden seit Jahrhunderten von unserem Volk bewohnt und von Armeniern besetzt und zerstört. Im Internet gibt es Bilder darüber, was in Füsuli, Aghdam und anderen Städten und Dörfern Aserbaidschans im Südosten der besetzten Gebiete passiert ist. Es gibt auch Zerstörungen in den Distrikten Latschin und Kälbadschär, wo es mehrere illegale Siedlungen gibt, aber nicht so schwer wie in diesem Gebiet. Das ist unser Land. Wir haben es zurückgenommen, wir haben es mit Gewalt zurückgenommen, wir haben es mit Verlusten zurückgenommen, wir werden niemals davon zurückkommen. Wir werden dort leben. Heute leben unsere Leute, die gewaltsam aus diesen Gebieten vertrieben wurden, seit fast 30 Jahren mit einem Traum, einem Ziel der Rückkehr. Ich kann Ihnen ein klares Beispiel dafür geben, wie wir einen Teil unserer Gebiete durch Gegenmaßnahmen im April 2016 aus der armenischen Aggression befreit haben. Eines unserer Dörfer wurde von den Armeniern zerstört und die Aserbaidschaner konnten nicht zurückkehren, weil sich die armenischen Stellungen in den Bergen befanden. Wir bauten ein neues Dorf für Flüchtlinge, und selbst diejenigen, die das Land nie gesehen haben, und diejenigen, die danach geboren wurden, kehrten alle nach Jojug Marjanli zurück. Ich sagte, Jojug Marjanli sei ein Symbol unserer Würde, ein Symbol unseres Willens, und Jojug Marjanli sei ein Symbol unserer Rückkehr. Ich sagte, dass unsere Rückkehr jetzt beginnt. Ich bin mir sicher, dass alle aus diesen Gebieten vertriebenen Menschen zurückkehren werden. Es gibt keinen Weg zurück, weil alles zerstört ist. Alles. Alles ist kaputt. Natürlich werden wir helfen, Städte und Dörfer wieder aufzubauen und ihre früheren Namen wiederherzustellen. Weil die Armenier ein kulturelles Genozid an uns verübt haben. Sie zerstörten alle Moscheen in den besetzten Gebieten. Sie beleidigen alle Muslime, indem sie Schweine und Kühe in den Moscheen halten. Sie haben die Namen unserer Städte und Dörfer geändert. Alle Namen werden zurückgegeben. Wir werden in unser Land zurückkehren. Dies ist unser gesetzliches Recht. Dies ist eine historische Aufgabe für uns, und ich bin zuversichtlich, dass wir sie erreichen werden.

- Der Kaukasus ist eine sehr komplizierte Region, nicht nur unter geografischen Gesichtspunkten, sondern auch unter kulturellen, ethnischen und sozialen Gesichtspunkten. Glauben Sie an das Selbstbestimmungsrecht der Nationen?

- Wissen Sie, dies ist ein Punkt, den die armenische Propaganda häufig verwendet, um die internationale öffentliche Meinung zu verwirren, die hauptsächlich aus einfachen Menschen besteht, die keine Experten für internationales Recht sind. Es gibt jedoch eine sehr klare Erklärung der Grundprinzipien des Völkerrechts, die sich in der Schlussakte von Helsinki widerspiegeln, in der das Prinzip der territorialen Integrität Vorrang hat. Selbstbestimmung ist eines der wichtigsten Prinzipien des Völkerrechts. Wenn wir jedoch auf die Charta der Vereinten Nationen, die Schlussakte von Helsinki, zurückblicken, können wir erkennen, dass Selbstbestimmung die territoriale Integrität der Länder nicht beeinträchtigen sollte. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass die territoriale Integrität des Landes ohne Zustimmung der Bevölkerung nicht gewaltsam geändert werden kann. Daher funktioniert Selbstbestimmung im Fall von Berg-Karabach natürlich nicht so, wie es die Armenier wollen. Ein weiteres Argument ist, dass das armenische Volk sein Schicksal bereits bestimmt hat. Sie haben einen unabhängigen armenischen Staat. Heute leben Armenier überall. Sie leben in Frankreich, sie leben in Amerika, sie leben in Russland, sie leben im Nahen Osten. Lassen Sie sie ihr Schicksal in diesen Ländern suchen. Wie würden die Führer dieser Länder reagieren, wenn die Armenier Länder wollten, die ihnen nicht gehörten, und einfach diese Länder wollten, weil sie die Mehrheit waren? Dies ist eine Taktik, die sie seit vielen Jahren anwenden - um zu kommen, um Unterstützung zu bitten, um Land zu bitten und dann die historische Identität des Gebiets zu ändern, indem sie falsche Nachrichten über ihre sogenannte alte Geschichte vorbereiten und dieses Land für sich beanspruchen. Lassen Sie die Länder, die ihr eigenes Schicksal in Berg-Karabach bestimmen wollen, den Armeniern aus Berg-Karabach einen Teil ihres Landes geben, sie akzeptieren und ihnen das Recht geben, dort ihr eigenes Schicksal zu bestimmen. Dann werde ich sehen, wie sie reagieren werden.

- Wie ist die aktuelle Situation? Russen, Iraner, Türken, Franzosen und Amerikaner haben ihre Besorgnis über den Konflikt zum Ausdruck gebracht. Kann dieser Konflikt jemals regional sein?

- Das glaube ich nicht. Meiner Meinung nach gibt es dafür keinen Grund, und wir sind entschieden gegen die Umwandlung dieses Konflikts in einen regionalen Konflikt. Genau das will Armenien tun. Deshalb erfinden sie falsche Nachrichten über ausländische Unterstützung für Aserbaidschan. Gleichzeitig wollen sie selbst Unterstützung von außen. Daher habe ich das Gefühl, dass in einer Zeit, in der sie auf dem Schlachtfeld vor einer sehr schweren Niederlage stehen, ihr Hauptziel darin besteht, diesen Konflikt in einen regionalen Konflikt umzuwandeln. Aber ich bin mir sicher, dass die von Ihnen genannten Länder dies niemals zulassen werden. Weil die Sicherheit in unserer Region den Interessen aller Länder in der Region dient und unter den von Ihnen genannten Ländern die Türkei, Russland und der Iran sind. Andere Länder haben nichts mit dieser Region zu tun. Sie sind keine Länder in der Region. Sie haben das Mandat, Bedingungen für Verhandlungen zu schaffen, weil dies 1992 geschah. Wir persönlich sind nicht verantwortlich für die Zusammensetzung der Minsker Gruppe. Wenn wir uns heute für die Zusammensetzung einer Kontaktgruppe entscheiden würden, die Bedingungen für den Frieden schaffen könnte, wäre die Zusammensetzung natürlich völlig anders. Ich möchte nicht spezifizieren, aber aufgrund der Voreingenommenheit einiger Länder würde es keinen Platz in dieser Gruppe geben. Daher müssen wir unser Bestes geben und Armenien warnen, die Besatzung zu beenden, insbesondere damit die Länder der Region sich aus dem Konflikt heraushalten und sich in keiner Weise in den Konflikt einmischen. Stoppen Sie die Besetzung und Sie werden profitieren. Dann werden Sie sich in regionale Projekte in den Bereichen Wirtschaft, Investitionen, Energie und Verkehr integrieren, die die armenische Führung Armeniens aufgrund dieser Aggression über viele Jahre hinweg beraubt haben. Daher müssen wir unser Bestes tun, um diesen Konflikt so schnell wie möglich zu beenden und so schnell wie möglich eine Lösung zu finden. Wir sind nicht in der Lage, Aussagen wie "Hören sie auf, wir werden arbeiten, wir werden verhandeln, wir werden helfen" anzuhören. Das haben wir schon oft gehört. Wir haben keine Zeit mehr 30 Jahre zu warten. Der Konflikt muss jetzt gelöst werden. Diejenigen, die Armenien helfen wollen, lassen ihre engen Partner sozusagen sagen, sie sollen die Gebiete verlassen, Ihren Willen zeigen, das Feuer stoppen, sagen, dass ich heute oder morgen für eine Woche Aghdam das nächste Mal verlassen werde. Ich werde Füsuli nächste Woche verlassen, ich werde Kälbädschär nächste Woche verlassen und so weiter, und wir stehen. Dies ist eine sehr faire Position. Dies ist eine Position, die auf Frieden und nicht auf Krieg abzielt.

- Was können Sie über Armeniens Behauptungen sagen, dass Ankara aus militärischer Sicht mit eigenen Flugzeugen in diesen Konflikt verwickelt ist und so weiter?

- Dies sind falsche Informationen. Dafür gibt es keinen Beweis. Ich habe diesbezüglich bereits Erklärungen abgegeben. Die Türkei ist unser Bruderland. Vom ersten Tag an und von der ersten Stunde des armenischen Angriffs an drückte die Türkei ihre volle Unterstützung für Aserbaidschan aus. Mein Bruder, Präsident Erdogan, hat wiederholt sehr wichtige Erklärungen abgegeben. Bei der gestrigen Eröffnungssitzung des Parlaments gab er eine weitere wichtige Erklärung ab, dass die Türkei Aserbaidschan zur Seite steht und Aserbaidschan nicht allein ist. Wir fühlen diese Unterstützung. Wir sind unseren türkischen Brüdern, dem Präsidenten und anderen Beamten sehr dankbar. Die Türkei ist jedoch in keiner Weise in den Konflikt verwickelt. Eine der gefälschten Nachrichten in Armenien, die nicht mehr in den Medien zu finden ist, ist, dass eine türkische F-16 eine armenische Su-25 abgeschossen hat. Das sind falsche Nachrichten. Wo sind die Beweise? Es gibt keinerlei Beweis. Jedes Flugzeug, das landet und startet, befindet sich auf einem Computer. Jeder kann sehen, was passiert. Ich frage mich, warum die Ko-Vorsitzenden der Minsker Gruppe - Frankreich, die Vereinigten Staaten und Russland - dies nicht kommentieren. Sie kommentieren diese gefälschten Nachrichten nicht. Einige von ihnen reagieren auf andere falsche Nachrichten, wie die Einladung von Terroristen durch Aserbaidschan und die Türkei.

- Das wollte ich fragen, Herr Präsident. Armenien beschuldigt die Türkei auch, syrische Oppositionskämpfer nach Aserbaidschan gebracht zu haben.

- Das sind völlig "Fake News". Es ist eine falsche Nachricht, dass eine türkische F-16 ihre Su-25 getroffen hat. Ihr Su-25-Flugzeug stürzte ab. Mir wurde gesagt, dass er wegen der Unerfahrenheit des Piloten auf einen Berg gekracht war.

- Aber sie sagen, dass sie Beweise haben, um es nachzuweisen.

- Lass sie zeigen. Wo sind die Beweise? Nicht nur Armenien, sondern leider habe ich gestern gehört, dass auch der französische Präsident eine Erklärung abgegeben hat. Er rief mich am Abend des 27. des Monats an und ich sagte ihm, dass es falsch sei. Er gab diese Erklärung ohne Beweise ab. Lassen Sie ihn uns Beweise geben. Es sind nur Worte. Wir können viel sagen, aber wir sagen nicht, wir handeln verantwortungsbewusst. Es gibt keine Hinweise auf eine ausländische Beteiligung in Aserbaidschan. Wir machen was wir machen. Wir haben eine Stammesarmee. Es gibt genug Leute in unserer Armee, es gibt genug Leute in unserer Reserve. Ich habe eine teilweise Mobilisierung angekündigt. Auf diese Weise können wir bei Bedarf Zehntausende von Reservisten anziehen. Das brauchen wir also nicht. Armenien braucht es, weil die Bevölkerung Armeniens zurückgeht, nur 2 Millionen Menschen. Deshalb ziehen sie selbst Menschen aus dem Nahen Osten an, und wir haben Beweise, nicht nur armenischen Ursprungs. Übrigens spielt es keine Rolle, ob die Menschen aus dem Nahen Osten armenischer oder nicht-armenischer Herkunft sind. Wenn jemand aus dem Ausland kommt, um als Söldner zu kämpfen, muss dies auf internationaler Ebene geschehen. Diese Anschuldigungen sind völlig unbegründet. Wir lehnen sie ab und fordern die Vorlage der Beweise.

- Werden Sie auch Beweise für ausländische Söldner vorlegen, die Armenien gebracht hat?

- Wir haben bereits einige Informationen und außerdem wurde mir gestern gezeigt, dass es im Internet Videos gibt, Menschen aus dem Nahen Osten mit armenischen Soldaten zusammensitzen und ihre Uniformen tragen, sie haben die armenische Nationalflagge, sie sitzen zusammen und diskutieren. Es ist kein Ton zu hören, aber ich denke, das ist genug. Sie müssen dafür zur Rechenschaft gezogen werden.

- Kann Diplomatie jemals funktionieren? Oder ist Krieg die einzige Lösung für Sie?

- Ich habe bereits gesagt, dass Diplomatie funktionieren kann, wenn Armenien das Völkerrecht einhält und sofort beginnt, sich gemäß dem Zeitplan aus einigen Gebieten zurückzuziehen - natürlich müssen wir die territoriale Integrität Aserbaidschans wiederherstellen. Übrigens, bevor wir in Armenien an die Macht kamen, als wir die auf dem Tisch liegenden Fragen diskutierten, war der erste Punkt, dass der Konflikt auf der Grundlage der territorialen Integrität Aserbaidschans gelöst werden sollte. Es muss wiederhergestellt werden. Dies ist unsere Forderung, und ich denke, wir haben das Recht, sie zu fordern.

- Präsident von Aserbaidschan, Ilham Aliyev, vielen Dank, dass Sie "Al Jazeera" ein Interview gegeben haben.

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