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Japan: Wurden Ausländer gezielt für Arbeiten in Fukushima eingesetzt?

Baku, 13. Juli, AZERTAC

Es ist ein Skandal, der Japan erschüttert: Ausländische Arbeitskräfte sollen bei der Dekontaminierung der atomaren Katastrophenregion Fukushima eingesetzt worden sein.

Nach neuen Berichten sind vier japanische Firmen darin verwickelt. Sie setzten angeblich ausländische Arbeiter, die im Rahmen eines Ausbildungsprogramms in das Land gekommen waren, für die riskanten Arbeiten ein, heißt es nach Angaben japanischer Medien in einem Regierungsbericht.

Wie viele Arbeiter für Dekontaminierungsmaßnahmen eingesetzt worden waren, blieb offen. Eines der vier Unternehmen wurde den Berichten zufolge sanktioniert und darf für fünf Jahre keine weiteren ausländischen Auszubildenden mehr einstellen. Insgesamt hatte das Justizministerium demnach 182 Bauunternehmen überprüft. Bis Ende September sollen weitere 830 Firmen kontrolliert werden.

Bereits im März war bekannt geworden, dass Arbeiter aus Vietnam für einfache "Reinigungsarbeiten" bei Fukushima eingesetzt wurden. Eigentlich hätten sie im Rahmen des Ausbildungsprogramms die Bedienung von Baumaschinen lernen sollen. Die Regierung hatte die Arbeitseinsätze für unangemessen erklärt und eine Untersuchung begonnen.

Das Ausbildungsprogramm für Migranten existiert seit 1993. Ende vergangenen Jahres waren darüber mehr als 250.000 Ausländer in Japan beschäftigt. Das Land sucht wegen des demografischen Wandels nach Arbeitskräften im Ausland. Kritiker werfen den an dem Ausbildungsprogramm beteiligten Firmen Ausbeutung und schlechte Arbeitsbedingungen vor.

Im Atomkraftwerk Fukushima auf Japans Hauptinsel Honshu hatte sich im März 2011 das schlimmste Atomunglück seit der Tschernobylkatastrophe von 1986 ereignet. Auslöser war ein starkes Erdbeben: Es löste einen Tsunami aus, der die Anlage traf. Immer noch wird an den Folgen des Unglücks gearbeitet. Tausende Arbeiter tragen verseuchtes Material ab und kämpfen mit Lecks und verstrahltem Wasser.

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