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Julian Assange spürt den heißen Atem der USA

Baku, den 17. Dezember (AZERTAG). Nach der Freilassung auf Kaution ist der Jubel beim Wikileaks-Chef verhalten. Assange fürchtet die Auslieferung an die USA und eine Klage.

Die Verteidigung von Julian Assange feierte am Donnerstag verhalten. Der Wikileaks-Gründer ist aus britischer Untersuchungshaft freigelassen worden. "Es ist großartig, wieder die frische Luft Londons zu atmen“, sagte Assange am Abend auf der Freitreppe des Gerichtsgebäudes. Ein freier Mann ist er deswegen noch lange nicht – und das liegt nicht nur an elektronischen Fußfesseln und Ausgangssperre, die ihm das Gericht für die nächsten Wochen auferlegt hat. Selbst sein Anwalt Mark Stephens bezweifelt, dass "das Ende der Fahnenstange“ erreicht ist.

Wikileaks-Gründer Julian Assange fürchtet nach seiner Freilassung auf Kaution eine Auslieferung an die USA. Er habe "Gerüchte“ von seinen Anwälten in den USA gehört, wonach dort eine Anklage gegen ihn vorbereitet werde, sagte der Kopf der Enthüllungsplattform kurz nach seiner Haftentlassung in London. Neun Tage nach seiner Festnahme wegen Verdachts auf sexuelle Verfehlungen in Schweden erstritt der Australier vor einem Londoner Gericht, dass er auf Kaution und unter bestimmten Bedingungen auf freiem Fuß sein kann. Er muss in Freiheit unter anderem eine elektronische Fußfessel tragen.

Das höchste britische Zivilgericht hatte eine Berufung gegen die Entscheidung aus erster Instanz verworfen. Bevor Assange in das Landhaus eines Freundes fuhr, in dem er sich in den kommenden Wochen aufhalten muss, kündigte der 39-Jährige nach den jüngsten diplomatischen US-Depeschen neue Wikileaks-Veröffentlichungen an. Obwohl sich die Mitarbeiter durchaus in großer Gefahr befänden, würden sie durch die weltweite Unterstützung geschützt.

Er selbst werde ebenfalls nicht aufgeben und sowohl seine Arbeit für Wikileaks fortsetzen als auch weiter seine Unschuld beteuern, sagte Assange. Derzeit warte er mit seinem Anwalts-Team darauf, welche Beweise es für die Anschuldigungen gegen ihn gebe. Bislang liege ihm dazu noch nichts vor.

Der Kopf der Enthüllungsplattform saß wegen des Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs zweier Frauen seit mehr als einer Woche in Untersuchungshaft. Grundlage war ein EU-weiter Haftbefehl Schwedens. Die Behörden dort wollen die Auslieferung des Internetaktivisten. Darüber soll unabhängig von der Haftfrage erst im Januar entschieden werden.

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