WISSENSCHAFT UND BILDUNG


Kleiner Satellit im All ein Netz getestet

Baku, 20. September, AZERTAC

Die Menschheit hat das All zugemüllt - mit aktuell geschätzt 7600 Tonnen Schrott, die beständig um die Erde rasen. Mit Hilfe von mächtigen Radaranlagen verfolgen Experten vom Boden um die 20.000 Objekte im Orbit, die größer als zehn Zentimeter sind.

Aber selbst kleinere Partikel, sie lassen sich zum Beispiel mit mächtigen Lasern sichtbar machen, können eine massive Gefahr für Satelliten, aber auch Raumfahrer darstellen. Im schlimmsten Fall droht durch eine Kollision der Schrottteile untereinander eine fatale Kettereaktion, die Flüge ins All komplett unmöglich machen würde.

Seit einiger Zeit arbeiten Wissenschaftler und Techniker an Verfahren, das Problem zumindest teilweise anzugehen. Nun hat es einen Test im All gegeben, mit dem eine Methode zum Sammeln von Schrott zumindest im kleinen Maßstab ausprobiert werden konnte - offenbar mit Erfolg. Die britische University of Surrey berichtet von einem Experiment mit dem Satelliten "Remove Debris".

Dabei wurde jedoch nicht mit echtem Weltraumschrott gearbeitet. Vielmehr wurde ein eigens dafür ins All gebrachter kleiner Flugkörper, ein sogenannter Cubesat-Kleinsatellit, mit Hilfe eines Netzes eingefangen und zum kontrollierten Absturz gebracht. Das Netz sei in einer Entfernung von etwa fünf Metern erfolgreich ausgeworfen worden, berichtet man bei Airbus, einem der Projektbeteiligten. In einer Entfernung von sieben Metern habe man dann den Cubesat eingefangen.

"Um diese Netztechnologie zur Einfangen von Weltraummüll zu entwickeln, haben wir sechs Jahre lang mit Parabelflügen und in speziellen Falltürmen und thermischen Vakuumkammern getestet", sagte der dort zuständige Projektleiter Ingo Retat. Man sei nun "einen Schritt weiter", um Weltraumschrott aus der niedrigen Erdumlaufbahn zu beseitigen.

Bei der Mission "Remove Debris" wollen Forscher in den kommenden Monaten noch weitere Technologien ausprobieren: Neben dem Fangnetz ist das eine Harpune für das Einsammeln von Müll sowie ein optisches Navigationssystem zur Annäherung an Schrott im Orbit.

Die Entwicklung von Technologie ist freilich nur der erste Schritt. Dass sie dann auch eingesetzt wird, dafür gibt es keine Garantie. Bisher fehlen international verbindliche Verpflichtungen zum Thema Weltraumschrott. Alle bisherigen Maßnahmen sind freiwillig - und betreffen zumeist nur aktuelle oder zukünftige Missionen.

Deutlich schwieriger einzufangen sind alte, schon lange ausgediente Satelliten wie etwa der Esa-Orbiter "Envisat". Sie wurden gestartet, bevor sich jemand ernsthaft für das Thema interessierte. Wie derartige Schrottberge aus dem All geholt werden sollen, ist noch völlig unklar.

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