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Modrics Wahl zum neuen König der Fußball-Welt

Baku, 24. September, AZERTAC

Luka Modric war stets ein stiller Held im Hintergrund schillernder Stars wie Cristiano Ronaldo. Durch die Auszeichnung als Weltfußballer tritt der Kroate nun endgültig aus dem Schatten.

Mit der Trophäe für den besten Spieler des Planeten in der Hand wurde Luka Modric wieder zu einem kleinen Jungen. Im Moment seiner Krönung zum Weltfußballer des Jahres erinnerte sich der 33-Jährige mit leuchtenden Augen an seine Kindheit und wie er bei der WM 1998 der kroatischen Nationalmannschaft zugejubelt hatte. "Dieses Team hat uns den Glauben gegeben, dass wir Großes erreichen können", sagte Modric mit brüchiger Stimme: "Hoffentlich können wir für die nächste Generation das Gleiche tun."

Denn Modrics Wahl zum neuen König der Fußball-Welt, die nach zehn Jahren die Regentschaft der Superstars Cristiano Ronaldo und Lionel Messi beendete, hat selbstverständlich viel mit Kroatiens sensationellem Finaleinzug bei der WM in Russland zu tun.

Als Kapitän war der anschließend zum besten Spieler des Turniers gewählte Mittelfeldstratege Herz, Hirn und Gesicht dieser Mannschaft. Einer Mannschaft, die dem kleinen Balkan-Staat 20 Jahre nach dem Bronzecoup beim Turnier in Frankreich neue Helden bescherte.

Modric als Star aus der zweiten Reihe - Das Aushängeschild dieser neuen Heldengeneration stand nun am Montagabend auf der Bühne der prunkvollen Londoner Royal Festival Hall und dankte ganz bescheiden allen, die ihm zu dieser Ehre verholfen hatten: Seinen Teamkollegen der kroatischen Vize-Weltmeisterelf, seinen Mitspielern bei Champions-League-Sieger Real Madrid, seiner Familie, seinen Fans - und seinem Idol Zvonimir Boban. "Er war meine große Inspiration", sagte Modric über den Spielführer der legendären 1998er-Mannschaft, der im Publikum Tränen der Rührung weinte.

Dass er ausgerechnet Boban, immer ein wichtiger Spieler, aber nie die Galionsfigur, zu seinem großen Vorbild auserkoren hat, sagt viel über den Fußballer Modric aus. Denn obwohl unbestreitbar ein absoluter Ausnahmekönner, war auch der schmächtige Edeltechniker bislang eher ein Star aus der zweiten Reihe. Ein Genie, dessen Genialität manchmal erst auf den zweiten Blick erkennbar wird. Bis jetzt zumindest.

Erst zum dritten Mal gewinnt kein Offensivspieler - Der oft ein wenig schüchtern wirkende Modric ist eben weder ein schillernder Torgarant wie Ronaldo, noch ein dribbelnder Zauberer wie Messi. Er ist einer, der eher den vorletzten als den letzten Pass spielt - und damit die Bezeichnung "Spielmacher" oft mehr verdient als so mancher Offensivkünstler. Seine Ehrung zum Weltfußballer vor seinem ehemaligen Teamkollegen Ronaldo und dem Ägypter Mohamed Salah (FC Liverpool) ist deshalb auch ein Signal.

Nur zweimal war der Preis zuvor nicht an einen ausgewiesenen Offensivspieler gegangen. 2006 beim Triumph des italienischen Verteidigers Fabio Cannavaro und bei der ersten offiziellen Vergabe 1991 an Lothar Matthäus. "Die Auszeichnung zeigt, dass jeder mit harter Arbeit, Ehrgeiz und unerschütterlichem Glaube der Beste werden kann", sagte Modric: "Diese Anerkennung zu erhalten, ist für mich das Wichtigste, wichtiger als der Award selbst."

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