WISSENSCHAFT UND BILDUNG


Mond ist ein lebensfeindlicher Gesteinsbrocken

Baku, 25. Juli, AZERTAC

Alle Lebewesen, vom Bakterium bis zum Menschen, sind ziemlich zimperlich. Ohne eine Atmosphäre, flüssiges Wasser und eine Magnetosphäre, die vor kosmischer Strahlung und Sonnenwinden schützt, wäre das Leben, wie wir es kennen, undenkbar. Zum Glück bietet die Erde all das, Schwein gehabt. Der Mond wirkt dagegen lebensfeindlich - und doch könnte er einst bewohnt gewesen sein, vermuten Astronomen.

Demnach kommen sogar zwei Zeitfenster in Frage, während derer Leben auf dem Mond möglich war, schreiben die Forscher im Fachblatt "Astrobiology". Einmal kurz nach seiner Entstehung vor etwa 4,5 Milliarden Jahren und noch einmal vor etwa 3,5 Milliarden Jahren.

"Wir gehen davon aus, dass der Mond als Resultat einer gigantischen Kollision der Erde mit einem anderen Himmelskörper vor 4,5 Milliarden Jahren entstand", sagt Dirk Schulze-Makuch von der TU Berlin, der an der Studie mitgearbeitet hat. Kurz nach der Kollision könnten flüchtige Stoffe und Flüssigkeiten auf dem noch jungen Mond erhalten geblieben sein.

Keine "grünen Männchen" - Zu dieser Zeit spuckte der Mond außerdem große Mengen Gase, darunter auch Wasserdampf, vermuten Astronomen. Dasselbe passierte noch einmal vor etwa 3,5 Milliarden Jahren - gute Voraussetzungen für eine schützende Atmosphäre, die jeweils über Millionen Jahre Bestand gehabt könnte.

"Insgesamt ergibt sich daraus ein beachtliches Zeitfenster, in dem nicht nur flüssiges Wasser auf der Oberfläche des Mondes existiert haben könnte, sondern auch Leben", so Schulze-Makuch. Die möglichen Mondbewohner dürfe man sich jedoch nicht als "grüne Männchen" vorstellen, so der Forscher, sondern als Bakterien oder Mikroben.

"Es ist nicht komplett unmöglich, dass es einst flüssiges Wasser auf dem Mond gegeben haben mag, allerdings bleiben viele Unsicherheiten", sagt Physiker Axel M. Quetz vom Max-Planck-Institut für Astronomie, der nicht an den Untersuchungen beteiligt war, dem SPIEGEL. Selbst wenn es Millionen Jahre lang Wasser auf dem Mond gegeben haben sollte, scheint fraglich, ob diese Zeitspanne ausgereicht hat, damit Leben entsteht.

Von der Erde zum Mond - Die Studienautoren halten es jedoch für möglich, dass Bakterien vor etwa vier Milliarden Jahren von der Erde aus auf den Mond gelangt sein könnten. Zu dieser Zeit wurde die Erde von unzähligen Asteroiden und Meteoriten bombardiert. Dadurch könnten Mikroben gen Mond geschleudert worden sein. Dafür müssten sie jedoch sowohl den Einschlag als auch die Reise zum Mond überleben. Unmöglich wäre das nicht. Bärtierchen überleben beispielsweise im Weltall.

Fest steht: Heute herrschen lebensfeindliche Bedingungen auf dem Mond, Wasser könnte es aber trotzdem geben. Forscher vermuten, dass sich vor allem in den Mondkratern nahe der Mondpole, in die niemals Sonnenlicht gelangt, Eis befinden könnte. "Sicher nachweisen ließe sich das aber nur mit einer Landesonde", sagt Quetz.

Wenn es dort tatsächlich Eis geben sollte, wäre das ein enormer Vorteil für die Raumfahrt, sagt Quetz weiter. Aus dem Wasser ließe sich durch Elektrolyse leicht Wasserstoff und Sauerstoff gewinnen, der beispielsweise als Antriebsstoff für Raketen genutzt werden könnte.

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