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Nach Verhaftung von Renault-Nissan-Chef zieht Nissan Konsequenzen

Baku, 22. November, AZERTAC

Drei Tage nach der Festnahme von Automanager Carlos Ghosn in Japan hat der Verwaltungsrat von Nissan seine Absetzung als Chef des Gremiums beschlossen. Das berichteten der Sender NHK und die Zeitung "Nikkei". Nissan bestätigte das, die Entscheidung ist demnach einstimmig gefallen.

Ghosn war am Montag in Tokio nach einer Befragung durch die Staatsanwaltschaft festgenommen worden. Internen Ermittlungen zufolge sollen Ghosn und ein weiterer Manager ihre Geldbezüge in offiziellen Berichten an die japanische Börse falsch dargestellt und in Ghosns Fall viel zu niedrig beziffert haben.

Medien hatten berichtet, Ghosn habe seit 2011 über einen Zeitraum von fünf Jahren insgesamt fünf Milliarden Yen (rund 40 Millionen Euro) Einkommen zu wenig angegeben. Zudem soll er Nissan-Firmenkapital veruntreut und damit Luxuswohnungen in vier Ländern gekauft haben. Sollte ein Verfahren eröffnet werden, drohen Ghosn eine fünfstellige Geldstrafe und theoretisch bis zu zehn Jahre Haft.

Ghosn bleibt Renault-Chef, Mitsubishi erwägt Absetzung - Ghosn ist auch Chef des französischen Autoherstellers Renault und der Allianz Renault-Nissan-Mitsubishi. Bei Renault behält der 64-Jährige nach einem Beschluss des Verwaltungsrats zwar seinen Posten als Vorstandsvorsitzender. Zugleich wurde aber seine rechte Hand Thierry Bolloré zum Übergangsvorsitzenden ernannt, da Ghosn derzeit "verhindert" sei.

Zuvor hatte Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire auf eine schnelle Ablösung Ghosns zugunsten einer kommissarischen Führung des Konzerns gedrängt. Der französische Staat hält 15 Prozent der Anteile Renaults. "Herr Ghosn ist heute nicht in der Lage, das Unternehmen zu führen", sagte Le Maire dem Radionachrichtensender Franceinfo. Die Regierung betreibe jedoch nicht die förmliche Ablösung des Topmanagers, sagte Le Maire. "Wir haben keine Beweise."

Ghosn ist weltweit einer der einflussreichsten Automanager. Er gilt als Architekt der Allianz aus Renault und Nissan, zu der auch der japanische Autobauer Mitsubishi gehört. Auch Mitsubishi will zeitnah über Ghosns Absetzung beraten.

Die Aktien von Renault und Nissan verloren nach Ghosns Festnahme deutlich an Wert. Experten befürchten, die Allianz könnte nach Ghosns Festnahme und seiner Absetzung bei Nissan auseinanderfallen.

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