WISSENSCHAFT UND BILDUNG


Nur tausend Lichtjahre von der Erde entfernt

Baku, 7. Mai, AZERTAC

Astronomen haben am Südhimmel ein schwarzes Loch aufgespürt. Das unsichtbare Schwerkraftmonster ist nur rund tausend Lichtjahre von der Erde entfernt und kreist mit zwei Sternen in einem Dreifachsystem. Ein Lichtjahr ist die Strecke, die das Licht in einem Jahr zurücklegt. Zum Vergleich: Unsere Heimatgalaxie, die Milchstraße, hat einen Durchmesser von ungefähr 120.000 Lichtjahren.

Im Zentrum von vielen, vielleicht sogar allen Galaxien gibt es ein schwarzes Loch. Auch in der Milchstraße. Es ist ein extremer Ort, an dem sich auf engstem Raum so viel Masse konzentriert, dass selbst Licht der Gravitationswirkung nicht mehr entkommen kann.

Das Team hatte ursprünglich Doppelsterne untersucht, berichten die Entdecker um Thomas Rivinius von der Europäischen Südsternwarte Eso im Fachblatt "Astronomy & Astrophysics". Die Analyse des Systems mit der Katalognummer HR 6819 im südlichen Sternbild Telescopium zeigte jedoch, dass sich dort ein dritter Himmelskörper befinden muss: Einer der beiden sichtbaren Sterne umkreist alle 40 Tage ein unsichtbares Objekt mit wenigstens der vierfachen Masse unserer Sonne.

"Ein unsichtbares Objekt mit einer Masse, die mindestens viermal so groß ist wie die der Sonne, kann nur ein schwarzes Loch sein", sagte Rivinius. "Dieses System enthält das der Erde nächstgelegene schwarze Loch, von dem wir wissen."

Tatsächlich schwarz und unsichtbar - Wegen der vergleichsweise geringen Entfernung des Systems sind die beiden Begleitsterne in dunklen, klaren Nächten von der Südhalbkugel ohne Hilfsmittel sichtbar, teilte die Eso mit. "Wir waren völlig überrascht, als wir feststellten, dass dies das erste Sternsystem mit einem schwarzen Loch ist, das man mit bloßem Auge sehen kann", sagte Co-Autor Petr Hadrava, emeritierter Wissenschaftler an der tschechischen Akademie der Wissenschaften.

Anders als die meisten anderen bekannten Exemplare dieser Größenordnung ist das schwarze Loch in dem Dreifachsystem tatsächlich schwarz und unsichtbar. Das liegt daran, dass es sich momentan keine Materie aus der Umgebung einverleibt.

Die meisten anderen solcher sogenannten stellaren, Stern-großen schwarzen Löcher verraten sich durch helle Röntgenstrahlung. Diese geht von der Materie aus, bevor sie in dem schwarzen Loch verschwindet. Im vergangenen Frühjahr haben Forscher das erste Foto eines schwarzen Lochs gemacht. Stille schwarze Löcher wie das nun entdeckte verraten sich dagegen nur durch ihre Schwerkraftwirkung, etwa weil ein sichtbarer Stern sie umkreist wie in diesem Fall.

In der Milchstraße sind laut Eso nur einige Dutzend schwarze Löcher bekannt. Die Astronomen hoffen, dass die aktuelle Entdeckung hilft, weitere stille schwarze Löcher in unserer Heimatgalaxie aufzuspüren. "Es muss Hunderte Millionen schwarze Löcher geben, aber wir wissen nur von sehr wenigen", sagte Rivinius. "Wenn wir wissen, wonach wir suchen müssen, sollten wir besser in der Lage sein, sie zu finden."

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