WELT


Pandemie Südafrika ökonomisch und sozial mit voller Wucht getroffen

Baku, 8. September, AZERTAC

Die Pandemie hat Südafrika ökonomisch und sozial mit voller Wucht getroffen: Die Wirtschaft ist im zweiten Quartal um 16 Prozent geschrumpft, Millionen Menschen kämpfen um ihre Existenz.

Bereits in Deutschland war der Einbruch der Wirtschaft mit einem Minus von rund zehn Prozent drastisch - doch in Südafrika sind die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie noch schlimmer: Im zweiten Quartal ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zum Vorquartal um mehr als 16 Prozent geschrumpft, teilte die staatliche Statistikbehörde mit.

Wenn man diesen Rückgang auf die Jahresrate hochrechnet, ergebe sich damit ein Minus von 51 Prozent. Diese Berechnungsmethode ist in Europa unüblich und unterscheidet sich daher stark von der, mit der etwa das deutsche Wirtschaftswachstum gemessen wird.

Sie wird aber zum Beispiel auch von den US-Statistikern verwendet: Dabei wird berechnet, wie stark die Wirtschaftsleistung sinken würde, wenn der Rückgang das ganze Jahr über in seinem aktuellen Ausmaß anhalten würde - was in der Pandemie voraussichtlich nicht der Fall sein wird, da der Einbruch im Frühjahr drastisch war.

Im Vergleich ist es dennoch ein erschreckend hoher Wert: Im ersten Quartal 2009 - während der globalen Finanzkrise - hatte der Einbruch in Südafrika aufs Jahr hochgerechnet laut den amtlichen Daten 6,1 Prozent betragen.

Die nach Nigeria zweitgrößte Volkswirtschaft Afrikas erlebt zurzeit verheerende Auswirkungen der Corona-Beschränkungen auf die Wirtschaft, die sich schon vor der Viruskrise in der Rezession befand. Millionen Menschen kämpfen dort um ihre Existenz, die Armut ist in wenigen Wochen dramatisch angewachsen.

Dem Staat dürften in diesem Jahr 300 Milliarden Rand (15,4 Milliarden Euro) an Steuereinkommen fehlen. Finanzminister Tito Mboweni hatte das Land bereits auf Steuererhöhungen und drastische Ausgabenkürzungen vorbereitet. Er erwartet bis zum Ende des Finanzjahres ein Anwachsen der Schuldenlast auf knapp 82 Prozent des BIP.

Südafrika hat ohnehin eine hohe Arbeitslosigkeit und eine enorme soziale Ungleichheit. Seit Jahren kämpft das Land mit strukturellen wirtschaftlichen Problemen und einer unzuverlässigen Stromversorgung, die weiter anhält. Problematisch ist auch die starke Fokussierung auf den Rohstoffsektor - derzeit bremst die Coronakrise auch die Gold- und Platinproduktion aus.

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