WISSENSCHAFT UND BILDUNG


Pompeji: Forscher entdecken Pferd unter Vulkanasche

Baku, 12. Mai, AZERTAC

Es ist schon ein wenig makaber, dass ausgerechnet eine der wohl größten Tragödien der Antike gleichzeitig einer der größten Glücksfälle der Archäologie ist: Denn der Vulkanausbruch des Vesuv im Jahr 79 nach Christus vernichtete wohl sämtliches Leben in Pompeji und einigen kleineren Orten am Golf von Neapel - Tausende Menschen wurden getötet.

Doch gleichzeitig hat der tödliche Ascheregen sowie die Lavalawine die einst belebte Stadt im heutigen Italien auf einzigartige Weise konserviert. Immer wieder fanden Archäologen nicht einfach nur Überreste von Toten: Deren Umrisse in den erhärteten Gesteinsschichten - oft noch in der Position, in der sie beim Vesuv-Ausbruch um ihr Leben gerungen hatten - macht menschliche Schicksale so greifbar wie selten in der Altertumsforschung. Zu denen, die Forscher nachverfolgen konnten, gehört etwa die Rekonstruktion des letzten Tages einer ganzen Familie.

Es sind aber nicht nur menschliche Überreste, die den aussichtslosen Kampf gegen Glut, Lava und Hitze dokumentieren - auch Tiere starben. Archäologen haben nun etwas außerhalb der berühmten Ausgrabungsstätte Spuren eines Pferdes gefunden. Erstmals sei mit einem plastischen Gipsausguss der komplette Körper des Tieres nachgeformt worden, teilten die Forscher mit. Dafür wurde der Hohlraum, den das Tier in dem erhärteten Gestein hinterlassen hat, mit Gips ausgefüllt.

Aufgrund der Beschaffenheit der gefundenen Knochen gehen die Wissenschaftler davon aus, dass es sich um ein ausgewachsenes Tier handelte. Das Zaumzeug unter anderem aus Bronze weise darauf hin, dass es einer wohlhabenden Person gehörte. Das Pferd müsse ein Tier für repräsentative Zwecke gewesen sein, hieß es. "Möglicherweise ist es auch für den Rennsport eingesetzt worden, das ist ein außergewöhnlicher Fund", sagte Massimo Osanna, der Direktor der Ausgrabungsstätte.

Das Tier wurde bei den Überresten einer römischen Villa gefunden, dazu etliche Alltagsgegenstände wie Amphoren oder Küchengeräte und auch ein Grab mit den Überresten eines Mannes. Er muss nach dem Vulkanausbruch bestatten worden sein, ergaben Datierungen.

Raubgräber hatten an dem Ort auf der Suche nach Artefakten bereits illegale Ausgrabungen begonnen und ein Netzwerk aus 60 Meter langen Suchtunneln angelegt. Die Polizei ermittelt in dem Fall. Die Archäologen wollten dann die Tunnel vermessen und wissenschaftlich auswerten, dabei fanden sie das Pferd.

Es ist aber nicht das erste Tier, das in den Überresten der einst von Griechen, Etruskern oder Römern bewohnten Stadt gefunden wurde. Archäologen entdeckten bereits Spuren von Schweinen, Eseln und Hunden.

Immer wieder machen Forscher spektakuläre Funde in Pompeji. Erst vor Kurzem entdeckten sie das Skelett eines sieben bis acht Jahre alten Kindes. Jahr für Jahr besuchen Millionen von Touristen das 66 Hektar große Gelände der Ruinenstadt.

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