KULTUR


Reiseunternehmen “Eberhardt“ veröffentlicht in seinem Monatsheft Eindrücke von deutschen Touristen über Aserbaidschan

Baku, 16. Oktober, AZERTAC

Im Monatsheft des deutschen Reiseunternehmens Eberhardt ist ein ausführlicher veröffentlichte Artikel unter dem Titel “ Reisebericht: Rundreise Aserbaidschan“ veröffentlicht worden. Im Artikel werden Eindrücke deutscher Touristen von Aserbaidschan geschildert. AZERTAC stellt ihren Lesern den Artikel in vollem Wortlaut vor.

“Von der Hauptstadt Baku mit UNESCO-gelisteter Altstadt zur Halbinsel Apscheron mit brennendem Berg Yanardagh und Ateshgah Feuertempel. Von den Felszeichnungen und Schlammvulkanen in Gobustan nach Lahij und Sheki im Kaukasus nach Kish und Ganja. Es steht gewiss nicht auf jeder touristischen Wunschliste: Aserbaidschan, das Land am Kaspischen Meer und in den atemberaubenden Kaukasus-Bergen gelegen. Das liegt aber vor allem daran, dass noch nicht vom Massentourismus überrollt wurde – auf keinen Fall aber Mangel an landschaftlicher Schönheit oder an kulturhistorischem Hintergrund oder Sehenswürdigkeiten.

Der größte Teil dieses wunderschönen Fleckchens Erde liegt in der Transkaukasischen Senke zwischen dem Kleinen und dem Großen Kaukasus und stellt seit Urzeiten ein Siedlungs- aber auch Durchzugsgebiet verschiedener Völker dar.

Diesem Umstand verdankt es seine Bedeutung in Geschichte und Ethnografie und sein reiches Erbe an Kultur, Religion und Tradition.

Unsere Reise zu diesem lohnenden Reiseziel kombiniert Landschaft und sensationell erscheinende Naturphänomene wie brennende Berge mit UNESCO-Welterbe wie den Felszeichnungen von Gobustan oder der einst ein wichtiges Ziel an der historischen Seidenstraße darstellenden Altstadt der Hauptstadt Baku!

Folgen Sie uns zu den Spuren der berühmten Seidenstraße, dem Erdölgebiet der Halbinsel Apscheron im Kaspischen Meer zu den Bergen des Kaukasus und überzeugen Sie sich selbst von den Sehenswürdigkeiten eines faszinierenden Landes und der Gastfreundschaft seiner Bewohner ...

Anreise nach Baku – 1. Tag, 18.09.18:

Nach vormittäglichem Treff auf dem Flughafen, problemlosen Check-in und pünktlichen Lufthansa-Flügen erreichten wir den Airport Frankfurt, von dem am frühen Nachmittag unsere Maschine nach Baku startete. Auch sie war sehr pünktlich so dass wir – nachdem wir die Uhren wegen der Zeitverschiebung zwei Stunden vorgestellt hatten – nach knapp fünfstündigem Flug, aber schon nach Anbruch der Dunkelheit die aserbaidschanische Hauptstadt Baku erreichten. Recht schnell waren die Einreiseformalitäten erledigt, wir konnten unser Gepäck in Empfang nehmen und wurden nach Passieren der letzten Sperren von unserer örtlichen Reiseleitung begrüßt. Während der Fahrt zum Hotel gab es schon erste Informationen, bevor wir gleich dem Eintreffen dort erst einmal zum Abendessen, gingen, während dessen mein örtlicher Kollege Gurban und ich die Gruppe eincheckten.

Wenig später konnten wir nach leckerem Abendessen „gute Nacht!" sagen und die erste Nacht auf aserbaidschanischem Boden.

Baku - Altstadt Içeri Sheher – 2. Tag, 19.09.18:

Gleich nach dem Frühstück startete unsere Rundreise mit einer Fahrt durch die aserbaidschanische Hauptstadt, die gleichzeitig den größten Ballungsraum im Bereich des Kaukasus darstellt. Gleich zu Anfang erkennt man, dass Baku, die Metropole am Kaspischen Meer, ein Ort der Gegensätze ist. Neben der UNESCO-gelisteten Altstadt, die einst ein Handelszentrum an der Seidenstraße darstellte, gibt es Stadtteile mit Bauten aus der Gründerzeit, als der Ölboom das Gebiet erfasste, Bauten aus der Sowjetära, aber auch kühne Neubauten aus der Neuzeit.

Einen überblicksartigen Eindruck bekamen wir während unserer Runde durch das neuere Baku zum “Platz der Märtyrer" und bei einigen Fotostopps, bevor wir dann zunächst noch einige Paläste aus der Zeit um 1900 sahen. Als eines der bemerkenswerteste Gebäude passierten wir die wichtigste Konzerthalle Aserbaidschans und Heimat der Staatlichen Philharmonie. Das Gebäude, wegen seiner ausgezeichneten Akustik eines der bedeutendsten Konzerthäuser Europas apostrophiert, wirkt recht alt, wurde aber im Ölboom nach 1910 eigentlich als Clubhaus im Stil der italienischen Renaissance. In den 40er Jahren zu einem Konzerthaus umgebaut, beherbergt sie heute mehrere Orchester und Chöre sowie das Staatliche Aserbaidschanische Sinfonieorchester.

UNESCO-Welterbe Altstadt

Später erreichten wir die Festungsmauern, die die Altstadt umgeben und hier nur zu Fuß weiterkommt, schloss sich für uns ein Stadtrundgang an, Diese Stadtmauer, die wir dann erst einmal am Tor durchqueren mussten, wurde zwischen dem 12. Und dem 19. Jh. mehrfach umgebaut und erweitert. In der Zeit ihrer Entstehung regierten die muslimischen Schirwanschahs aus einer persischen Dynastie Als eines der Tore zur Seidenstraße wurde ihre Hauptstadt, das heutige Baku, prächtig ausgebaut. Neben der Wehrmauer der Stadt und dem zu den Verteidigungsanlagen des gewaltigen Stadtpalastes gehörenden Jungfrauenturm zeugen zahlreiche Gebäude wie Karawansereien – die bekannten Karawanenherbergen – Moscheen und Medresen – Koransculen – davon und der Palast der Schirwanschahs, der als eines der bedeutendsten Zeugnisse mittelalterlicher Baukunst gilt. All das hat der bis heute Içeri Sheher genannten Bakuer Altstadt die Eintragung in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes im Jahr 2000 eingebracht.

Nach Aufenthalt in der Nähe des Jungfrauenturms und der Geschäfte in seiner Umgebung ging es zum Mittagessen in ein traditionelles Restaurant in der Altstadt.

Nach der Mittagspause faszinierte uns dann die hypermoderne Konstruktion des neu erbauten Heydar Aliyev-Zentrums, fertiggestellt im Jahr 2014 nach Plänen der bekannten Architektin Zaha Hadid. Das gewaltige und unglaublich geräumige Mehrzweckgebäude fasziniert mit Wandelgängen, geschwungenen Treppen und umfasst Kulturhalle, Büros und das Museum für die aserbaidschanische Geschichte sowie für den großen Leader Haydar Aliyev, dessen Leben und Werdegang hier geschildert und mit persönlichen Ausstellungsstücken unterlegt wird.

Von hier fuhren wir zum Hotel zurück und hatten dann abends frei für einen Bummel oder Restaurantbesuch.

Baku – brennender Berg - Halbinsel Abscheron – Strand des Kaspischen Meeres – 3.Tag, 20.09.18:

“Einen Ausflug, der Sie mit Sicherheit zum Staunen bringen wird" hatten wir in unserer Ausschreibung versprochen. Diese Tour, auf die alle Gäste gespannt waren, begann am Vormittag des dritten Reisetages. Etwa 60 km weit ins Kaspische Meer ragt die Halbinsel Abscheron, an deren Landende Baku liegt. Von alters stellt die Halbinsel etwas Legendäres und Besonderes dar und ist mit kaum etwas Bekanntem zu vergleichen. Grund dafür ist ihr merkwürdiger Boden, unter dem sich eines der bekanntesten Erdölvorkommen befindet. Schon 1870 begann hier die industrielle Erdölförderung und machte die Region damit zur ersten Erdölregion der Welt. Neben den Ölbohrvorrichtungen, errichtet über früher zum Teil offen sprudelnden Ölquellen bietet die Gegend Schlammvulkane, Mineralquellen und Salzseen. Dabei zeigen die Reste alter Festungsanlagen bis heute, dass man lange vor der Ölförderung dieses Gebiet als Etwas Besonderes und als schutzbedürftig ansah.

So fuhren wir denn durch die Außenbezirke des modernen Baku bis zu einer Halbwüsten- und Ödlandschaft, dicht besetzt mit teilweise über hundert Jahren alten Bohrtürmen – ein seltsames Stillleben aus stillgelegten dreibeinähnlichen Türmen, Bohrgetängen und langsam arbeitenden nickenden Förderpumpen.

Einen Hinweis auf Vorkommen von Erdgas und Erdöl ganz anderer Art findet sich am nahegelegenen “heiligen Berg" Yanar Dagh: “brennender Berg" heißt der Kalksteinhügel auf Deutsch, denn seit einer Spontanentzündung schon im Altertum brennen hier bis zu mehrere Meter hohe Flammen in den Erdspalten eines Hanges, gespeist durch unterirdische Erdgasvorkommen. Dieses exotische Phänomen gibt es nur höchst selten, die meisten dieser “brennenden Berge" liegen in diesem Land und sind damit eine der Erscheinungen, für die Aserbaidschan weltbekannt ist. Seit Jahrhunderten sind Orte wie der Yanar Dagh auch Stätten kultischer Verehrung und neben Hindus und Buddhisten sind vor allem die Anhänger der Religion der Feueranbeter, die Zoroastrier, seit über 2000 Jahre Verehrer der ewigen Feuer der Naturgasquellen.

Freilichtmuseum Qala

Vom “brennenden Berg" ging es zum Freilichtmuseum im Ort Qala. Dieses historisch-ethnografische Museum wartet mit Ausgrabungen, lebendigen Höfen (inklusive lebender Tiere wie. Kamele und Ziegen) und einer der zum Schutz der Reichtümer der Schirwanschahs errichteten Burgen auf. An letzterer wurde zwar viel restauriert und neu hinzugefügt, aber der wehrhafte Chrakter ist noch gut erkennbar. Außerdem zeigt eine moderne Ausstellung Beispiele, wie man aus Wegwerfmüll Kunst entstehen lassen kann.

Ganz in der Nähe von hier lag das Restaurant zum Mittagessen für uns.

Am Nachmittag ergab sich dann wie geplant die Möglichkeit zu einem Bad im Kaspischen Meer. Einer der schönsten Strände der Halbinsel Abscheron - angenehmer flacher Sandstrand mit zunächst langsamem Einstieg ins saubere, etwa 23Grad warme und leicht salzige Wasser – wartete auf uns. Zeit genug war auch, angenehmes Sonnenwetter lud ein und so haben viele von unserer Reisegruppe tatsächlich gebadet – so oft hat man ja nicht Gelegenheit zum Schwimmen im größten See der Welt – denn trotz des Beinamens “Meer" hat der Kaspisee keine Verbindung zu den Ozeanen!

Am frühen Abend kehrten wir nach Baku zurück und übernachteten im Hotel vom Vortag.

Baku - Gobustan - Schlammvulkane und Felsbilder – 4. Tag, 21.09.18:

Auch heute Vormittag sollte das Staunen über die Sehenswürdigkeiten im Gebiet Abscheron weitergehen. Die Schlammvulkane und später die Felszeichnungen von Gobustan waren unser Ziel. Zunächst jedoch legten wir einen Stopp ein kurz vor den Toren von Baku an der bekannten Bibi Heybat" Moschee am Rande eines der großen Ölfelds. Benannt nach der Schwester des siebten schiitischen Imams Ali, die als Verwandte eines der “rechtgeleiteten Imame" von den Schiiten verehrt wurde, entstand das Gebetshaus schon im 13. Jh. durch die frommen Schirwanschahs. Zu Sowjetzeiten während einer atheistischen Kampagne zerstört, wurde sie in den 90er Jahren wiederaufgebaut und 1997 vom Nationalleader des aserbaidschanischen Volkes Heydar Aliyev als eine der “wiedergeborenen Moscheen in der Neuzeit" übergeben. Im Inneren ist sie sehr Kunstvoll gestaltet.

Dann war wirklich Staunen angesagt. Wir begaben uns in den Gobustan-Nationalpark, der 2007 auf der UNESCO –Liste des Weltkultur- und Naturerbes steht.

Zunächst mussten wir nach einem Stopp vom Bus in ein paar Extra bestellte PKW umsteigen, um näher an die an eine Mondlandschaft erinnernde Welt der fantastisch und befremdlich wirkenden Schlammvulkane, die hier vor sich hin simmern, heranzukommen. Etwas über 1000 Schlammvulkane sind auf der Welt bekannt, davon liegt etwa ein Drittel in Aserbaidschan. Das Phänomen besteht darin, dass tiefer liegende Schichten der Erdkruste mit Hilfe von Wasser und Überdruck – sei er durch Magma, Methan oder Wasserdruck – durch Erdspalten und Risse an die Oberfläche gedrückt werden und kalt oder vulkanisch erhitzt austreten. Natürlich sind es Aserbaidschans Öl- und Gasvorkommen, die den Schlamm aus mit Wasser versetzen Sedimenten an die Erdoberfläche drücken, oft mit Stichflammen oder in riesigen Mengen – das alles hat die Landschaft hier geformt. Wir sahen uns einige der zum Teil mehr als ein Dutzend Meter hohen kegelförmigen Ansammlungen an und beobachteten das Aufsteigen und Platzen der Schlammblasen.

Felszeichnungen von Gobustan

Dann ging es zurück zum Bus, der uns weiterbrachte zum Parkplatz des UNESCO-Weltkulturerbes, auch gelegen in einer Art “Mondlandschaft".

Die Felsenwildnis von Gobustan beherbergt eine ungewöhnliche Vielzahl von Felsenmalereien aus verschiedenen Epochen. Das schon 1966 zum Nationalpark erklärte Gebiet umfasst inzwischen 44 km² und enthält hunderte, teilweise ungewöhnlich gut erhaltene Felszeichnungen, die 2007 auf die UNESCO-Welterliste gesetzt wurden.

Von der Steinzeit und der wohl ersten Besiedelungswelle haben mehrere aufeinanderfolgende Kulturen bis zur Antike für die ungewöhnliche Zusammenstellung der Felskunstwerke mitten in der Halbwüste gesorgt: Von den Jägern und Sammlern bis zu den mazedonischen und griechischen Soldaten der Armee Alexanders des Großen und später den Legionären Roms bei ihren Durchmärschen haben viele verschiedene Menschen hier ihre Spuren hinterlassen.

Thor Heyerdahl, Norwegens großer Archäologe, war von Gobustan fasziniert und verwies in der Fachwelt auf die Ähnlichkeiten steinzeitlicher Boots- und Menschdarstellungen mit denen in seiner Heimat, z.B. im nordnorwegischen Alta.

Wir hatten Zeit für einen interessanten Bummel zwischen den Felsen und viele Gelegenheiten für Fotos von den teilweise kunstvollen und teilweise geheimnisvollen Petroglyphen und Graffitis.

Teppichmuseum

Zu Mittag aßen wir unterwegs wieder in einem landestypischen Restaurant bevor wir nach Baku zurückkehrten und dem Teppichmuseum einen Besuch abstatteten. Unterwegs hatte man noch einmal freien Blick auf zahlreiche alte und neuere Förderanlagen, sogar auf in Küstennähe installierte Ölbohrplattformen.

Im modernen und weithin bekannten Teppichmuseum wird auf etwa 27.000 m² alles Wissenswerte um die seit alters her gerühmten Teppiche aus Aserbaidschan präsentiert, einschlich des großen Landesteils, der heute zum Iran gehört. Angeblich lassen sich die Teppicharten und –Muster in insgesamt 144 Sorten unterteilen. Unser örtlicher Reiseleiter Gurban begleitete uns und erzählte viel Interessantes, vor allem zu den Themen Muster und Herstellung. In einigen Vitrinen waren auch traditionelle aserbaidschanische Trachten mit von Gegen zu Gegend variierenden Mustern zu sehen.

Nach dem Museumsbesuch fuhren wir zum Hotel zurück und hatten den Abend zur freien Verfügung.

Baku – Nobel-Villa - Feuertempel – Weinprobe, 5. Tag, 22.09.18:

Nach dem Frühstück besuchen Sie eine der bekanntesten Villen aus dem Baku der Gründerzeit. Das schwedischstämmige Brüderpaar Ludvig und Robert Nobel – Brüder des Chemikers Alfred Nobel, der das Dynamit erfand und später den Nobelpreis stiftete – war im zaristischen Russland Teil einer angesehenen Unternehmerdynastie. 1876 gründeten sie Firma Branobel mit Sitz in Baku, deren Ziel die Ausbeutung der dortigen Erdölvorkommen war. Diesen Hauptsitz, die “Villa Petrolea" durchstreiften wir diesen Morgen und sahen das interessante Museum, das mit vielen Erinnerungsstücken die Zeit des Ölbooms und des wirtschaftlichen Aufblühen Bakus wiedererstehen lässt. Nach etwas Zeit in der Villa und dem angeschlossenen Park fuhren wir weiter und wieder zu einer bedeutenden Sehenswürdigkeit: dem Feuertempel von Ateschgah. “Hort des Feuers" bedeutet der Name in wörtlicher Übersetzung und die Anlage besaß große historische Bedeutung – nicht nur für die Zoroastrier, sondern auch für Hindus. Vieles – z.B. uralte Inschriften in Sanskrit – deuten auf Nutzung als Hindutempel hin und bisweilen finden noch heute dort angeblich hinduistische Rituale statt. Allerdings wurde die großräumige, im 17. Jh. zum Kloster erweiterte Anlage Ende des 19.Jh. als Tempel aufgegeben, als ringsum die Ölförderung begann. Dennoch ist Ateshgah bis heute Ort der Feuer-Verehrung. Wie am „Brennenden Berg" schlagen hier brennende Erdgasflammen aus der Erde, hier durch Mauern und kaminähnliche Anlagen zu “heiligen Feuern" Kanalisiert: in der Mitte das Hauptfeuer mit dem Zentraltempel und ringsherum in vier kreisförmigen Steinaltären Flammen zu Ehren der vier hauptsächlichen Naturelemente: Erde, Feuer, Wasser, Luft.

Von der Verehrungsstätte aus ging es dann zum Mittagessen im Restaurant. Bevor wir uns zum Essen niedersetzten führten uns zwei Köchinnen aus der lokalen Kochschule die Zubereitung von mit Lammhack und Gewürzen gefüllten Teigtaschen vor. Dann gab es wieder ein leckeres landestypisches Mittagessen, bei dem neben mehreren Vorspeisen auch jene in Brühe gekochten Teigtaschen sowie “Dolma" – mit Lammfleisch, Gewürzen und Joghurt gefüllte Weinblätter – gereicht wurde.

Nach dem Mittagessen statteten wir der großen Markthalle von Baku einen Besuch ab und konnten uns von der Überfülle, aber auch der Frische der Produkte des Landes überzeugen.

Bekanntes an Obst und Gemüse war zu entdecken, aber auch eine Überfülle an Gewürzen und landestypischen Produkten wie beispielsweise Käse, der im Ziegenbalg gereift war.

Als letzten Besichtigungspunkt für heute erreichten wir mit “Fireland" eines der größten Weingüter des Landes. Obwohl Aserbaidschan eine mehr tausend jährige Tradition im Weinanbau besitzt, ist der eigentlich hervorragende Wein hierzulande wenig bekannt. Bei einem Rundgang durch das Weingut und die Produktionsstätten wurden wir mit der Herstellung des hervorragenden aserbaidschanischen Weines bekannt gemacht. Wir erfuhren, dass durch Vernichtung der Weinberge in der Stalinzeit die Weinproduktion des Landes große Einbußen erlitt, jetzt aber wieder auf dem Weg zu einer “Weinnation" ist. Davon konnten wir uns bei einer ausführlichen Verkostung von mehreren Rot- und Weißweinen und einem Dessertwein überzeugen, unterstützt von einem kleinen Imbiss.

Vom Weingut aus fuhren wir zurück zum Hotel und hatten für den Abend frei!

Baku - Shamakhi - Lahij - Sheki, 6. Tag, 23.09.18:

Der geschichtsträchtige Weg, den wir heute nehmen würden, verlief teilweise entlang der historischen Seidenstraße. Nach dem Frühstück im Hotel verabschiedeten wir uns zunächst von Baku, der Metropole am Kaspischen Meer. Durch die transkaukasische Senke ging es westwärts in Richtung Kaukasus.

Weithin berühmt war unser erster Besichtigungspunkt: nahe der Hauptstraße liegt kurz vor dem Ort Maraza ein zweigeschossiges muslimisches Mausoleum mit weißer Kuppel. Im “Diri-Baba" liegt ein islamischer Mystiker des Sufismus, einer asketischen Strömung im Islam, begraben. Er starb hier 1402 und wird als “Diri-Baba" (ewiger Großvater) bezeichnet, da sein Leichnam angeblich nicht verwesen würde.

Nächstes Ziel unserer Aserbaidschan-Rundreise war die historische Stadt Shamakhi. Sie lag als wichtiger Handelsstützpunkt früher direkt an der Seidenstraße und beherbergt bis heute viele historische Bauwerke. Einst bedeutsamer als Baku, war sie seit dem achten Jh. die Hauptstadt der Schirwanschah Könige – erst nach einem verheerenden Erdbeben wurde diese dann nach der Altstadt von Baku verlegt. Später wurde sie erneut Hauptstadt, diesmal eines eigenständigen persisch geführten Khanats.

Mehrere gewaltige Erdbeben machten die Stadt Shamakhi in verschiedenen Jahrhunderten dem Erdboden gleich und nicht alle Gebäude wurden wieder aufgebaut. Eines jedoch steht – immer wieder erneuert – bis heute, die Freitagsmoschee Damit zählt die im Kern über 1000 Jahre alte Djuma-Moschee zu den bedeutendsten Kulturobjekten im Kaukasus und ist zudem eines der ältesten Gebetshäuser des Landes. An ihrem Inneren habe immer wieder die begabtesten Künstler des Landes gearbeitet und so prächtig bemalte und verzierte Decken und eine wundervolle, von Koranversen in feinster Schönschrift umrahmte Gebetsnische geschaffen.

Bergdorf Lahij

Ein weiterer kulturhistorischer Höhepunkt sind die alten Mausoleen von Yeddi Gumbaz, etwas außerhalb von Shamakhi gelegen. Auch hier ist vieles durch Erdbeben zerstört worden, aber drei Mausoleumskuppeln, darunter die Fruft des letzten Khans von Shamakhi, sind erhalten

Nach dem Mittagessen stiegen wir in zwei Kleinbusse um, die unsere Reisegruppe in das historische Dorf Lahij brachte. Dazu mussten wir mitten hinein in die Berge und Täler des Kaukasus, wo Lahij angeblich schon im 5 Jh. v. Chr. gegründet wurde. Das Dorf war das urwüchsigste, das wir während unserer Reise zu sehen bekamen und man sagt, dass der seltsame Dialekt seiner älteren Bewohner noch Anklänge als Altpersische enthält – obwohl Aserbaidschanisch eigentlich eine Turksprache ist, also zu einer ganz anderen Sprachfamilie gehört...Das Dorf ist im traditionellen Kaukasusstil mit recht engen Straßen und Häusern aus Feldsteinen erbaut, an denen nestartig Holzbalkone hängen. Es gab Souvenirs und etwas Handwerkskunst zu kaufen, wobei das Dorf für seine Kupferarbeiten berühmt sein soll.

Auf der Rückfahrt zu unserem Reisebus und der weiteren Tour nach Sheki erhielten wir noch einige Eindrücke von der Bergwelt des Kaukasus.

Abends erreichten wir Sheki und übernachteten in einem schönen Hotel im Zentrum der Provinzhauptstadt.

Sheki – Kish – Sheki, 7. Tag, 24.09.18:

Der heutige Vormittag war der Stadt Sheki gewidmet. Im 1. Jh. n.Chr. wurde Sheki als eine der größten Städte im damaligen Staat Albanien genannt. Dieser Name stand damals für den Norden des aserbaidschanischen Siedlungsgebietes und umfasst fast das ganze heutige Aserbaidschan, denn die Mehrheit des Volkes lebt bis heute im Nordteil des Iran. In Sheki, der vielleicht wichtigsten Stadt des damaligen Landes, das nichts mit zufällig namengleichen heutigen Staat in Südosteuropa zu tun hat standen zahlreiche Tempel von Hindus und Feueranbetern und wohl auch die ersten christlichen Kirchen im Kaukasus. Nach der Eroberung durch die muslimischen Perser gehörte Sheki zu verschiedenen Kalifaten und schließlich zum Gebiet der Schirwanschahs. Eine verheerende Schlammflut löschte die Stadt aus und sorgte für ihre Neu-Errichtung an der heutigen Stelle. Bis auf wenige Reste stammen alle Gebäude aus der Zeit danach, als sich hier ein unabhängiges Khanat herausbildete.

Als dessen Hauptstadt wurde es Sitz des Khanspalastes, vieler Handelshäuser und vieler Herbergen, der sogenannten Karawansereien.

Wir begannen unseren heutigen Rundgang mit einem interessanten Besuch des Wochenmarktes von Sheki und hatten hier etwas Zeit für einen Bummel und zum Fotos machen. Danach war ein Besuch in einer Kelagayi-Produktionsstätte angekündigt. Wir besichtigten sie zwar, sie war aber still gelegt und wir sahen nur die alten Maschinen und die Überreste der Färberei und einige Werkzeuge. So erfuhren wir nur von unserem örtlichen Reiseleiter, dass der Kelagayi, ein traditionelles stola-ähnliches Kopftuch, zur Nationaltracht gehört und von Frauen im Sommer wie im Winter getragen wird. Man kann Kopf und Schultern damit verhüllen – er schützt im Sommer vor Sonne und im Winter vor Kälte und immer vor den teilweise scharfen Kaukasus-Winden. Leuchtende Farben werden bevorzugt, er kann einfarbig sein oder mit einem ganz bestimmten typischen Muster versehen.

Bergdorf Kish

Später fuhren wir zu dem am Fluss Kish, der auch durch Scheki fließt, gelegenen gleichnamigen Dorf. Es gilt als sehr alt und bietet als Hauptsehenswürdigkeit die angeblich älteste christliche Kirche des Kaukasus. Der heute stehende – für Kaukasuskirchen typisch aussehende - Sakralbau stammt aus dem ehemaligen Land Albania. Sein Vorgängerbau wurde der Legende nach schon im 1. Jh. n.Chr. durch einen der Apostel errichtet. Der heutige Kirchenbau stammt wohl aus dem 10. - 12. Jahrhundert, aber er trägt immer noch den Beinamen “Mutter aller Kaukasus-Kirchen".

Nach dem Mittagessen in einem hübschen Restaurant unterwegs kehrten wir zurück nach Sheki und besuchten die Bauten aus der Blütezeit des Khanats im 18. und 19. Jh. Bekannt sind sie u.a. für ihren Schmuck mit Buntglasfenstern. Deren Herstellung hat hier Tradition und wir besuchten kurz die Werkstatt eines der Glaskünstler. Man konnte nur staunen, wie geschickt er winzige zugeschnittene bunte Glasstücke in extra gefertigte Rahmen einsetzte, die sich zum Schluss zu Bildern fügten. Der Khanspalast, einst Sommerresidenz der Khane von Sheki und gelegen in der Festung, ist überall damit verziert. Neben dem Khanspalast interessierten uns auch die Karawansereien, die derzeit anderweitig – z.B. als Hotel – verwendet werden, deren größte man aber betreten kann.

Das Abendessen hatten wir diesmal – als Reise-Extra im Sinne des Eberhardt-Mottos “richtig reisen" – in einem Traditionsrestaurant bestellt, dass die beliebteste aller Speisen anbot: Königspilaw. Dieses Reisgericht mit Fleisch, Gemüse, Gewürzen, Nüssen und Rosinen, die gemeinsam geschmort und dann gebacken werden, kam bei allen gut an.

Sheki - Göygol - Ganja (Gança), 8.Tag, 25.09.18:

Nach dem Frühstück im Hotel mussten wir uns vom an den ersten Hängen des Kaukasus gelegenen und eher ländlichen wirkenden Sheki verabschieden. Am “Ausgang" zur transkaukasischen Senke liegt das “Sheki-Tor", dass die Reisenden in der Sheki-Provinz willkommen heißt und verabschiedet flankiert von einem hübschen weithin sichtbaren Uhrenturm. Durch die dünen- bis halbwüstenartige Landschaft des Vorkaukasus ging es zunächst nach Süden hinunter in die Senke, die zu großen Teilen vom Schwemmland des größten aserbaidschanische Flusses Kura gebildet wird.

Den Fluss selbst, der mit 1364 km Länge der größte im Kaukasus ist, erreichten wir nicht allzu weit entfernt von der heutigen Stadt Ganja, der zweitgrößten Stadt Aserbaidschans und unserem heutigen Hauptziel. Vor den Toren von Ganja, an der Stelle an der die Stadt einst gegründet wurde, findet sich ein opulentes Denkmal für den bekanntesten und in Ganja geborenen aserbaidschanischen Dichter, dessen Werke noch heute einen Kulturschatz darstellen, auf den die ganze Nation zurecht stolz ist. Nizami Ganjavi lebte im 12. Jh.– sein Hauptwerk, die “Fünf Poems", gilt als Höhepunkt der mittelalterlichen Literatur.

Jahrhundertelang war sein Grab vor den Toren der Stadt Ganja so etwas wie eine Pilgerstätte – dann baute ihm Schah Abbas der Große, der als bedeutendster iranischer Herrscher aus der Safaviden-Dynastie gilt, im 17. Jh. ein Mausoleum. Mehrfach zerstört und umgebaut, erhielt es seine heutige Form 1947, der jetzige Bau – etwa 20 m hoch und mit einer Ummantelung aus Marmor - entstammt der Rekonstruktion von 1991. Seither existiert auch die große Terrasse, an den Seiten von Wäldchen umgeben, in denen Skulpturen mit Themen der “Fünf Poems" stehen.

Ganja und Göygol

Nach dem Mittagessen in einem typischen Restaurant wandten wir uns dem Zentrum der Stadt Ganja zu. Unser Besuch begann mit der vielleicht originellsten Sehenswürdigkeit der Stadt, dem “Flaschenhaus". In den 50er Jahren des 20. Jh. hatte ein Mann namens Jafarov sein Wohnhaus aus Kieselsteinen und insgesamt 50.000 Flaschen errichtet und es dem Gedenken seines im Krieg gefallenen Bruders gewidmet. Wir statteten kurz der orthodoxen Kirche aus Backstein unseren Besuch ab und widmeten uns dann dem Zentrum, wo als größtes und monumentales Gebäude das riesige Rathaus aus Sowjetzeiten mit seiner tempelartigen Fassade den wichtigsten Platz von Ganja dominiert. Die Fußgängerzone setzt sich breit und einladend fort, umschließt einen kleinen Stadtpark an dem das älteste Gebäude, die Freitagsmoschee liegt, die heute den Namen des Königs Schah Abbas trägt. Die hohen Minarette des Gebetshauses aus dem 17. Jh. sind mit blauen Kacheln reich verziert.

Wir würden diesen Platz auch heute Abend erleben können, denn unser Hotel lag nur wenige Meter entfernt mitten in der Fußgängerzone.

Als letzten Ausflug fuhren wir noch ein paar Minuten mit dem Bus, bis wir den Ort Göygol erreichten, der bis 1938 den deutschen Namen Helenendorf trug. Das Städtchen wurde 1819 als erste und größte von mehreren Siedlungen durch deutsche Auswanderer aus Baden-Württemberg gegründet und war bis zur Stalinzeit eine der bedeutendsten Kolonien der Kaukasien-Deutschen. Die als typisch deutsch empfundene Architektur stellt bis heute eine Besonderheit dar, unterscheidet sie sich doch deutlich inmitten der aserbaidschanischen Halbwüste der eher muslimischer Tradition verpflichteten Bauweise. Wir machten einen Bummel durch den Ort, an dem viele Schautafeln, Wegweiser und Hinweisschilder an die deutsche Vergangenheit erinnern und kehrten dann nach Ganja zurück.

Wir checkten im guten Hotel “Vego" mitten in der Fußgängerzone ein und hatten Zeit zum Bummeln und zum Abendessen.

Ganja – Baku, 9. Tag, 26.09.18:

Die heutige Reisedauer würde einige Stunden betragen, würden wir doch “in einem Stück" fast komplett einmal in West – Ost-Richtung durch Aserbaidschan fahren, immer in der transkaukasischen Senke und größtenteils auch der Schwemmlandebene der Kura folgend. Wir starteten nach dem Frühstück in Ganja von den Vorläufern des kleinen Kaukasus in Richtung Kaspisches Meer. Die Autobahn bis nach Baku ist hervorragend ausgebaut und so kamen wir schnell voran. Nach drei Stunden gab es eine längere Pause an einer besonders originellen Raststätte, bei der, wer wollte, zu Mittag essen konnte.

Später ging es weiter nach Baku, wo für die letzte Nacht unser Hotel wiederum mitten in der Fußgängerzone lag. Der Gepäcktransport wurde organisiert und nach Check in ins Hotel hatten wir noch etwas Freizeit.

Dann trafen wir uns zum Abschieds-Abendessen, das in einer sehr schönen Gaststätte am Rande der Altstadt mit Blick auf den Strand des Kaspischen Meeres lag. Noch einmal gab es als Vorspeisen landestypische Spezialitäten und als Hauptgericht Königspilaw.

Rückreise nach Deutschland, 10. Tag, 27.09.18:

Schon sehr früh waren wir an der Rezeption verabredet, wo etwas Kaffee und Tee und ein kleiner Imbiss-Beutel für jeden vorbereitet war. Nach Gepäcktransport und kurzem Fußmarsch zum Bus brachte uns unser Bus zum Flughafen von Baku, wo wir uns bewegt von unseren Betreuern verabschieden und zum Check in gingen. Mit pünktlichen Flügen gelangten wir zurück zu unseren Ausgangsorten.

Epilog

Wie wir uns persönlich überzeugen konnten, ist Aserbaidschan durchaus eine Reise wert – viele Eindrücke werden beim Anblick der Fotos und der “Auswertung" der Reise im Freundeskreis erst wieder richtig zur Geltung kommen. Ich wünsche Ihnen alles Gute – vielleicht sehen wir uns ja demnächst auf einer anderen interessanten Reise wieder – denn ich denke, Sie bleiben schön reiselustig!

Ihr Studienreiseleiter

Dr.Michael Krause

Besonders herzlich möchte ich mich noch bei unserem Reisegast Frau Claudia Steyer bedanken, die mir für die Fotogalerie zu dieser Reise viele ihrer super gelungenen Bilder überlassen hat!“

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