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Renault will weltweit fast 15.000 Stellen abbauen

Baku, 30. Mai, AZERTAC

Der in finanzielle Schwierigkeiten geratene Autohersteller Renault will weltweit fast 15.000 Stellen abbauen, rund 4600 davon in Frankreich. Die Einschnitte seien unumgänglich, ja "lebenswichtig", sagte Interimschefin Clotilde Delbos in Boulogne-Billancourt bei Paris bei der Vorstellung des Sparprogramms.

Angepeilt ist eine Kostensenkung in Höhe von rund zwei Milliarden Euro. Der Plan soll innerhalb von drei Jahren umgesetzt werden. Der Stellenabbau solle möglichst ohne betriebsbedingte Kündigungen erfolgen. Geplant seien stattdessen Anreize zum freiwilligen Ausscheiden, ein Arbeitsplatzwechsel innerhalb des Konzerns sowie Umschulungen. Zudem sollen frei werdende Stellen nicht neu besetzt werden.

Die Gewerkschaft CFDT sprach trotzdem von einem beispiellosen "Sozialabbau". Vor einem von der Schließung bedrohten Werk in Choisy-le-Roi südlich von Paris versammelten sich Dutzende Mitarbeiter zum Protest.

Der Traditionshersteller mit bisher rund 180.000 Beschäftigten weltweit schrieb bereits im vergangenen Jahr rote Zahlen und leidet wegen der Corona-Pandemie unter einer Absatzkrise. Der Konzern braucht einen staatlich garantierten Kredit von fünf Milliarden Euro, der aber noch nicht gewährt wurde. An der Pariser Börse fiel der Aktienkurs nach dem Start um fast vier Prozent. Das Unternehmen erwartet wegen der Kostensenkungspläne zunächst eine Belastung von rund 1,2 Milliarden Euro.

Kapazität soll spürbar sinken - Die Produktionskapazität von bisher vier Millionen Autos im Jahr soll innerhalb von vier Jahren auf 3,3 Millionen Fahrzeuge sinken. In Frankreich sind in mehreren Werken größere Veränderungen geplant. Von Schließungen, über die in den vergangenen Wochen spekuliert worden war, sprach Delbos explizit nicht.

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron hatte sich zu Wochenbeginn bei der Vorstellung seines milliardenschweren Rettungsplans für die Autobranche persönlich in die Debatte über Renault eingeschaltet. Um die Zustimmung für den Milliardenkredit zu bekommen, seien Zusagen von Renault für zwei Werke in Nordfrankreich nötig. Der Staat hat mit einem Anteil von 15 Prozent bei dem Traditionshersteller immer noch viel zu sagen.

Laut Renault sollen die Fabriken Douai und Maubeuge im Norden des Landes nun zu einem Zentrum für Elektroautos und leichte Nutzfahrzeuge werden. In der großen Fabrik Flins im Pariser Großraum, die Medienangaben zufolge bisher rund 2400 Stammbeschäftigte hat, soll ein Recyclingzentrum entstehen.

Renault hatte bereits am Mittwoch gemeinsam mit den japanischen Partnern Nissan und Mitsubishi angekündigt, auf die Kostenbremse zu treten. Das Bündnis mit einer Produktion von mehr als zehn Millionen Autos im Jahr verabschiedete sich damit endgültig von der Ära des früheren Konzernchefs Carlos Ghosn. Ghosn hatte der Allianz mit harter Hand einen Expansionskurs und hohe Absatzzahlen verordnet. Als der Automanager Ende 2018 wegen Vorwürfen in Japan festgenommen wurde, stürzte der Konzern in eine schwere Krise. Ghosn flüchtete später in den Libanon.

Renault hält 43,4 Prozent der Anteile an Nissan - der japanische Hersteller schreibt inzwischen tiefrote Zahlen. Nissan hatte lange erheblich zu den Gewinnen von Renault beigetragen. Die französisch-japanische Allianz lag beim Absatz 2019 weltweit hinter den Branchenriesen VW und Toyota.

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