GESELLSCHAFT


Rote Liste bedrohter Tier- und Pflanzenarten wächst deutlich

Baku, 22. Juli, AZERTAC

Der leuchtend orangefarbene Monarchfalter ist für seine spektakulären, bis zu 4000 Kilometer langen Wanderzüge in Amerika bekannt – nun steht der Schmetterling als stark gefährdet und damit vom Aussterben bedroht auf der Roten Liste der bedrohten Arten. Das teilte die Weltnaturschutzunion IUCN mit. Ursachen seien die Zerstörung seines Lebensraums und der Klimawandel.

“Die heutige Aktualisierung der Roten Liste verdeutlicht die Zerbrechlichkeit der Wunder der Natur“, erklärte IUCN-Generaldirektor Bruno Oberle.

Dass die Rote Liste immer länger wird, moniert die Umweltschutzorganisation WWF. Mehr als 28 Prozent der gut 147.000 erfassten Arten und damit mehr als jemals zuvor gelten nunmehr als bedroht. Die Weltnaturschutzunion zeichne damit ein “düsteres Bild der Lage von Flora und Fauna“, hieße es.

Unter anderem verleiteten extreme Temperaturen die Falter zum frühen Flug in ihre Sommergefilde, wenn dort die Seidenpflanzen, von denen sie sich ernähren, noch nicht aufgegangen sind, schreibt die IUCN. Dürre dezimiere zudem die Bestände der Seidenpflanzen. Auch seien die Winterlebensräume der Schmetterlinge in Mexiko und Kalifornien durch Abholzung stark geschrumpft. In den Sommergefilden in Kanada und anderen US-Bundesstaaten setzten ihnen Unkrautvernichtungs- und Schädlingsbekämpfungsmittel zu.

Die Zahl der wandernden Monarchfalter sei innerhalb von zehn Jahren um bis zu 72 Prozent gefallen. Die kleinere westliche Population habe in den Achtzigerjahren noch aus schätzungsweise zehn Millionen Faltern bestanden, 2021 seien es noch knapp 2000 Schmetterlinge gewesen.

Die größere östliche Population sei allein zwischen 1996 und 2004 um 84 Prozent geschrumpft. Noch sei es nicht zu spät, die Falter vor dem Aussterben zu retten. Weniger Pestizide und mehr Seidenpflanzen könnten zum Überleben beitragen.

Auch Tiger sind laut der IUCN weiterhin stark gefährdet. Nach den Angaben leben zwischen 3.726 und 5.578 Tiger in freier Wildbahn und damit mehr als bislang angenommen. Die neue Schätzung, die um 40 Prozent über der letzten Auswertung im Jahr 2015 liegt, beruhe auf einer verbesserten Überwachung der Population. Tiger seien vor allem durch Wilderei, den Verlust ihres Lebensraums und schrumpfende Bestände ihrer Beutetiere bedroht.

“Nur, wenn dieser Turm des Lebens stehen bleibt, können wir Menschen gesund und sicher leben“ - Auf der Roten Liste steht nur die wandernde Unterart Danaus plexippus plexippus, die von Mexiko und Kalifornien nach Norden bis nach Kanada fliegt. Daneben gibt es noch weniger bekannte Unterarten, die keine Wanderzüge unternehmen und zum Teil auch in anderen Gebieten leben.

Der WWF verweist darauf, dass die Menschen nur mit intakter Natur überleben können. “Man muss sich dieses System wie ein Turm aus Bauklötzen vorstellen – jeder Stein ist eine Tier- oder Pflanzenart“, sagte die WWF-Artenschutz-Expertin Anne Hanschke. “Nur, wenn dieser Turm des Lebens stehen bleibt, können wir Menschen gesund und sicher leben. Aber je mehr Steine aus dem Turm herausgeschlagen werden, sprich je mehr Arten aussterben, umso instabiler wird er.“ Die Rote Liste zeige, wie sehr dieser Turm schon wackele.

Auf der seit 1964 geführten Roten Liste der bedrohten Arten stehen inzwischen mehr als 147.000 Tier- und Pflanzenarten, von denen mehr als 41.000 vom Aussterben bedroht sind. Die IUCN ordnet untersuchte Arten in acht Kategorien ein, von “ungenügender Datengrundlage“ bis “ausgestorben“. “Stark gefährdet“ ist Stufe 5.

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