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Sinquefield Cup, R2: Partie Mamedyarov-Caruana verspricht einen großartigen Schachabend

Baku, 20. August, AZERTAC

Magnus Carlsen hat beim Sinquefield Cup zu den beiden Führenden Shakhriyar Mamedyarov und Levon Aronian aufgeschlossen. Der Weltmeister besiegte nach fast sieben Stunden und 88 Zügen Sergey Karjakin, nachdem er zuvor in einer scheinbar harmlosen Stellung Druck aufgebaut hatte. Sein letzter WM-Herausforderer hatte lange alles im Griff, ehe er in Zeitnot die Partie einstellte. Vor diesem Drama sah es nach einer friedlichen Runde aus, da die anderen vier Partien recht schnell remis endeten.

Hikaru Nakamura war der überragende Mann beim St. Louis Rapid & Blitz, doch mit der praktisch gesicherten Qualifikation für das Finale der Grand Chess Tour lässt er es beim Sinquefield Cup bisher locker angehen. In Runde 1 endete seine Partie gegen Vishy Anand nach 29 Zügen, weil der Schiedsrichter dies ohne Zugwiederholung in einer totremisen Stellung zuließ.

In Runde 2 änderte sich nicht viel, nur dass das Remis gegen Wesley So nach 31 Zügen mit Zugwiederholung herbeigeführt wurde.

Die anderen Partien verliefen zumindest etwas lebhafter. Vishy Anand und sein Sekundant Grzegorz Gajewski entschieden sich, Maxime Vachier-Lagrave in einer seiner Lieblingsvarianten im Najdorf herauszufordern und bis 15.Ld3 die Züge aus der Partie Giri-MVL vom Grand Prix 2017 in Palma de Mallorca zu wiederholen. Genau eine Woche vorher war die Stellung auch in St. Louis bei Caruana-MVL Thema, wo der Franzose erst besser stand, Caruana aber später den Gewinn ausließ.

Vishy erklärte seine Entscheidung:

Er ist sehr verlässlich bzw. hartnäckig, was die Wahl dieser Variante betrifft. Dadurch hat man einen Ansatzpunkt, den wir ausnutzen wollten.

MVL wurde gefragt, ob er es persönliche nehme, dass niemand gegen ihn Najdorf vemeidet:

Sie nehmen es persönlich! Ich nicht. Ich wurde nun schon oft in dieser Variante auf die Probe gestellt, und das zu Recht, weil ich nie eine sichere Stellung bekommen habe… Ich verstehe, warum sie den Kampf suchen – man muss die gegnerischen Schwächen ausfindig machen!

MVL meinte, es sei “der überzeugendste Versuch, Ausgleich anzustreben” und fügte hinzu, “Natürlich wird es bald wieder jemand versuchen, aber…”

Die Partie endete leider etwas abrupt:

24.Lb4!? bereute Vishy eigenen Worten zufolge, da Schwarz sich nach 24…Lxb4 25.axb4 a5! befreien konnte und die Partie bald remis endete. Vishy schlug stattdessen 24.b4 vor mit der Hoffnung auf langfristigen Vorteil, doch MVL konterte, dass darauf 24…Tc8 25.Th3 Dc7 mit folgendem Dc7-c4 und Ld8-b6 stark aussehe.

Da es schwer ist, den anderen zu überraschen, versuchte es Fabiano Caruana gegen Levon Aronian mit dem gleichen Trick wie sein Gegner tags zuvor – seinen Kontrahenten bereits im 1.Zug zum Nachdenken zu bringen! 1.d4 hatte Fabiano bisher kaum gegen Levon gespielt. Sein Kommentar:

Ich denke, er war ein wenig überrascht und hat sich am Brett für Slawisch entschieden, daher entschied ich mich ebenfalls für eine Überraschung.

Caruana folgte einer Variane, die er gegen MVL beim Weltcup 2013 gespielt hatte, variierte aber mit 5.g3 statt 5.Lg5. Das funktionierte aber nur bedingt für den WM-Herausforderer, da er im 10.Zug eine unliebsame Überraschung erlebte:

Fabiano erwartete 10…Ld5, doch stattdessen folgte das hübsche 10…c4!. Der Bauer kann nicht geschlagen werden, da nach axb5 der Turm auf a1 verloren geht, und beide Spieler waren sich in der Folge einig, dass Schwarz sogar besser steht. Letzlich endete die Partie aber ohne größere Aufregungen friedlich. Caruana war nicht gerade begeistert, was er in den beiden ersten Partien aus dem Anzugsvorteil gemacht hatte: “Gestern habe ich eine Chance verpasst, und heute ist es gut, dass ich eine leicht schlechtere Stellung gehalten habe.“

Tags zuvor hatte er gegen Alexander Grischuk gespielt, der nach seinem Remis gegen Shakhriyar Mamedyarov herumwitzelte: “Gestern habe ich gegen die Nummer 2 in der Welt gespielt, und heute wieder!” Auf Twitter meldeten sich darauf einige Stimmen, dass er in diesem Turnier noch einmal gegen die Nummer 2 spielen könne – wenn Magnus einige Partien verliert.

Grischuk blickte noch einmal auf die gerettete Partie am Tag zuvor zurück und merkte an, dass der absurde Zug 39…g6!? (“Ich will wirklich nicht auf h5 nehmen!”) eher aus psychologischen als aus sachlichen Gründen der beste Zug der Partie war:

Für Karjakin war es die zweite bittere Niederlage in Folge, worauf Svidler und Miroshnichenko darum baten, ihn nicht ins Studio einzuladen – nachdem er am Vortag bereits Rede und Antwort gestanden hatte.

Mit dem Sieg hat Magnus zu den beiden Führenden aufgeschlossen, während Karjakin das Tabellenende ziert:

Karjakin hat in der 3.Runde Weiß gegen Vishy Anand, während Carlsen mit Schwarz zum Spitzenduell gegen Levon Aronian antreten muss. Auch die Partie Mamedyarov-Caruana verspricht einen großartigen Schachabend.

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