WELT


Türkische Lira weiter an Wert verloren

Baku, 29. August, AZERTAC

Die türkische Lira hat weiter an Wert verloren. Am Morgen verlor die Währung sowohl zum US-Dollar als auch zum Euro mehr als ein Prozent an Wert. Für einen Euro wurden zeitweise fast 7,47 Lira gezahlt. Zu Beginn der Woche mussten noch weniger als 7 Lira bezahlt werden.

Marktbeobachter sehen die Talfahrt auch als Reaktion auf Äußerungen des türkischen Finanzministers Berat Albayrak. Dieser hatte laut einem Bericht der Zeitung "Hürriyet" gesagt, dass die Verschuldung von Staat und Haushalten in der Türkei sehr gering seien und das Finanzsystem zudem stabil. Auf die Frage, was er als größtes Risiko für 2019 sehe, wird er mit den Worten zitiert: "Wir sehen kein großes Risiko für die türkische Wirtschaft oder das Finanzsystem." Albayrak ist der Schwiegersohn von Präsident Recep Tayyip Erdogan.

Die türkische Währung steht seit Wochen unter Druck, seit Jahresanfang verlor sie zum Dollar fast 40 Prozent an Wert. Um die Liquidität der Banken zu sichern, hat die Notenbank Mitte August die Geldschleusen geöffnet und den Instituten eine ausreichende Liquiditätsversorgung zugesichert. Ab Mittwoch soll nun eine neue Grenze für Übernachtkredite gelten, die doppelt so hoch ist wie vor dem 13. August, als die Notfallmaßnahmen in Kraft gesetzt wurden, wie die Notenbank mitteilte.

Einer der Gründe für den Lira-Verfall ist ein Streit zwischen den Regierungen in Ankara und Washington, der wegen der Inhaftierung eines US-Pastors in der Türkei vor ein paar Wochen eskaliert war. Die USA setzten daraufhin Sanktionen gegen die Türkei und höhere Zölle für bestimmte Waren in Kraft.

In der vergangenen Woche waren die türkischen Finanzmärkte wegen einer Ferienwoche geschlossen, der Kurs der Lira hatte sich nur wenig bewegt. Doch seit Montag hat die Lira wieder deutlich an Wert verloren. Unter anderem haben schwache Konjunkturdaten aus der Türkei den Kurs der Währung belastet. So hat sich das Defizit in der türkischen Handelsbilanz ausgeweitet. Hier meldete das Statistikamt für Juli einen Fehlbetrag von knapp sechs Milliarden US-Dollar und damit etwa eine halbe Milliarde mehr als im Monat zuvor.

"Die Lira-Krise ist noch nicht überwunden", sagte Devisenexpertin Esther Reichelt von der Commerzbank. Die Äußerungen von Finanzminister Albayrak machten den Marktteilnehmern aber wenig Hoffnung auf notwendige Reformen.

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