GESELLSCHAFT


Unesco-Studie: Manche Nationalparks stoßen mehr CO₂ aus, als sie absorbieren

Baku, 29. Oktober, AZERTAC

Beim Klimaschutz kommt Wäldern eine wichtige Rolle zu: Sie dienen als große Treibhausgas-Puffer, geben Sauerstoff ab und speichern Kohlendioxid. Doch global gesehen absorbierten sie zuletzt weniger CO₂. Die Sorge wächst, dass Baum- und Pflanzenbestände der Menschheit immer seltener diesen wichtigen Klimadienst erweisen und sich in den kommenden Jahren vielmehr von einem CO₂-Senker zu einem CO₂-Emittenten entwickeln.

Denn bei den zahlreichen Waldbränden, die zuletzt in vielen Regionen der Erde Wald vernichteten, wird gespeichertes CO₂ freigesetzt. Dazu stehen die Wälder auch aus anderen Gründen zunehmend unter Stress: Dürren, Insekten und Krankheiten gehen ihnen zunehmend an die Substanz. Der deutsche Wald absorbierte zuletzt nur drei Prozent der jährlichen CO₂-Emissionen. Besser müsste die Lage bei sehr gut geschützten Wäldern sein, vermutet man.

Doch das stimmt wohl nicht.

Denn auch Aushängeschilder der Natur wie beispielsweise der Yosemite-Nationalpark in den USA oder die Blue Mountains in Australien stoßen mehr Kohlenstoff aus, als sie absorbieren. Dies sei unter anderem auf Abholzung und Waldbrände zurückzuführen, heißt es in einem neuen Bericht der Unesco. Mindestens zehn der Weltnaturerbe-Wälder haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten netto Kohlenstoff emittiert, darunter die tropischen Regenwälder von Sumatra in Indonesien oder Wälder in Russland.

Die Tatsache, dass selbst einige der bekanntesten und am besten geschützten Wälder, wie sie in Welterbestätten zu finden sind, tatsächlich zum Klimawandel beitragen können, ist alarmierend und zeigt, wie ernst die Klimakrise ist«, sagte Tales Carvalho Resende, Mitverfasser des Berichts und Projektleiter bei der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (Unesco) in einer Erklärung.

Immerhin wirken alle 257 Weltnaturerbe-Wälder zusammengenommen immer noch als Nettokohlenstoffsenke, so die Studie, die den Zeitraum von 2001 bis 2020 untersucht. 166 Stätten waren Nettosenken, während die restlichen 81 nahezu neutrale Bilanzen aufwiesen. Dennoch beeinträchtigen menschliche Aktivitäten wie die Abholzung und intensive klimabedingte Ereignisse wie Waldbrände die Fähigkeit der Wälder, mehr Kohlenstoff zu binden und zu speichern als sie ausstoßen. Dazu kommen landwirtschaftliche Eingriffe, Dürren und Temperaturschwankungen.

Vor allem Waldbrände sind eine Katastrophe für das Klima und ein regelrechter Teufelskreis. Mit der globalen Erwärmung nehmen solche Brände zu. Aber mit mehr Bränden entsteht mehr CO₂ in der Atmosphäre. Und mehr CO₂ lässt die Temperaturen weiter steigen. Auch im Yosemite-Nationalpark hatte es schon heftige Brände gegeben, etwa 2013, als ein Lagerfeuer außer Kontrolle geriet und riesige Waldflächen vernichtete. Bereits damals gingen Experten davon aus, dass der Wald Jahrzehnte benötigen wird, um sich zu erholen.

190 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr in den Speicher - Für die Studie haben Forscher der Unesco und des World Resources Institutes (WRI) sowie der International Union for Conservation of Nature (IUCN) Satellitendaten ausgewertet und mit Überwachungen von vor Ort kombiniert. Sie stellten fest, dass die Welterbestätten im Untersuchungszeitraum insgesamt 190 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr aufgenommen haben. Im Laufe der Jahrhunderte haben die Wälder etwa 13 Milliarden Tonnen Kohlenstoff gespeichert. Für ihre Arbeit verwendeten die Forscher Daten aus einer Studie, die im Januar in der Fachzeitschrift “Nature Climate Change“ veröffentlicht wurde und die Treibhausgasemissionen und die Absorption durch Wälder weltweit kartiert hatte.

“Ich hätte erwartet, dass solche geschützten Wälder der Atmosphäre Kohlenstoff entziehen, aber selbst keine Kohlenstoffquellen sind“, sagte Carlos Sanquetta, Professor für Forsttechnik an der Universität von Parana in Brasilien. “Anstatt eine Rolle bei der Kohlenstoffbindung zu spielen, spielen sie eine Rolle bei den Kohlenstoffemissionen.“ Allerdings bemängelt der Experte die Transparenz des Berichts. Obwohl die Studie wichtige Ergebnisse liefere, hätte die Methodik ausführlicher dargestellt werden können, so Sanquetta.

In der Studie werden zwar nur zehn der Kulturerbewälder als Kohlenstoffemittenten identifiziert, allerdings zeigen auch andere Standorte einen klaren Aufwärtstrend bei den Emissionen. "Dies ist ein weiteres deutliches Zeichen dafür, dass selbst Wälder, die wir traditionell für sicher hielten, nun zunehmend bedroht sind", sagte David Kaimowitz, einer der Waldexperten der Uno-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation.

Nach seiner Einschätzung lege der Bericht nicht genug Wert auf die Unterstützung indigener und lokaler Gemeinschaften sowie auf die Rolle von Aktivisten, die sich gegen die Waldzerstörung wehren. Er bezweifelte zudem, dass die Daten repräsentativ für alle Wälder seien.

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