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Unwetter in Brasilien: Zahl der Toten steigt auf 84

Baku, 30. Mai, AZERTAC

Nach Starkregen und Erdrutschen ist die Zahl der Toten im Nordosten von Brasilien auf mindestens 84 gestiegen. ”Wir wissen, dass die Hilfe in den ersten Stunden sehr schwierig ist. Jetzt geht es darum, effektiv zu handeln”, sagte der Gouverneur des Bundesstaats Pernambuco, Paulo Câmara, am Sonntag. ”Ich habe mit allen Bürgermeistern gesprochen, um einen Arbeitsplan zu erstellen und zu erfahren, welche Maßnahmen zu diesem Zeitpunkt staatliche Unterstützung benötigen.”

Rund um die Hafenstadt Recife wurde in 14 Ortschaften der Notstand ausgerufen. Gouverneur Câmara gab Hilfsmittel in Höhe von 100 Millionen Reais (19,7 Mio. Euro) frei. Die Toten wurden sei Beginn der Unwetter am Mittwoch registriert. Allein am Wochenende kamen demnach 79 Menschen ums Leben.

Zuletzt waren in der Region heftige Niederschläge registriert worden. Im Großraum Recife fielen innerhalb von 24 Stunden über 200 Milliliter Regen, wie die Regierung des Bundesstaats Pernambuco mitteilte. 56 Menschen wurden noch immer vermisst, fast 4000 Menschen verloren ihr Obdach. ”Obwohl es jetzt erst einmal aufgehört hat zu regnen, erwarten wir für die nächsten Tage weitere starke Regenfälle. Das Wichtigste ist also die Aufrechterhaltung der Schutzmaßnahmen”, sagte der Minister für regionale Entwicklung, Daniel Ferreira.

Allein bei einem Erdrutsch in der am Rand von Recife gelegenen Gemeinde Jardim Monteverde starben am Samstag 19 Menschen. Von den Behörden am Sonntag verbreitete Bilder zeigen, wie Rettungskräfte und freiwillige Helfer die Trümmer in der Gemeinde beseitigen.

Die Metropolregion Recife wird seit Dienstag von heftigen Regenfällen heimgesucht. Videos, die in Online-Netzwerken veröffentlicht wurden, zeigten überflutete Straßen, eingestürzte Gebäude sowie riesige Schlammlawinen. Rund 1200 Rettungskräfte nutzten am Sonntagmorgen die Gelegenheit, dass der Himmel kurzzeitig aufklarte, und nahmen mit Hubschraubern die Suche nach den Vermissten und einsam gestrandeten Opfern wieder auf.

Der Minister für regionale Entwicklung, Daniel Ferreira, warnte jedoch vor weiteren Regenfällen in den kommenden Tagen. Deshalb sei es für alle Einwohner der Region wichtig, an den Maßnahmen zu Selbstschutz festzuhalten, sagte der Minister, nachdem er sich mit einem Überflug über das Katastrophengebiet ein Bild von der Lage verschafft hatte. Der Wetterdienst teilte mit, auch für Sonntag gelte für ganz Pernambuco Alarmstufe rot wegen der Gefahr von Hochwasser und Erdrutschen.

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro bekundete im Onlinedienst Twitter seine "Solidarität mit den Opfern dieser traurigen Katastrophe". Seine Regierung werde alles ihr Mögliche tun, “um das Leid zu lindern“. Er kündigte für Montag einen Besuch in Recife an.

In den vergangenen Monaten sind bereits hunderte Menschen in Brasilien durch Erdrutsche und Überschwemmungen infolge von Starkregen ums Leben gekommen. Im Februar starben allein in der Stadt Petropolis im Bundesstaat Rio de Janeiro mehr als 230 Menschen. Anfang Mai meldeten die Behörden des Bundesstaats 14 weitere Tote durch Hochwasser und Erdrutsche.

Experten zufolge werden die Regenfälle in Brasilien derzeit durch das Klimaphänomen La Niña verschärft, bei dem sich der Pazifik abkühlt. Aber auch der Klimawandel erhöht demnach das Unwetter-Risiko: Da eine wärmere Atmosphäre mehr Wasser aufnehmen kann, wächst durch die Erderwärmung das Risiko extremer Regenfälle.

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