GESELLSCHAFT


WHO empfiehlt, ein bis zwei Portionen Fisch pro Woche zu essen

Baku, 8. Juni, AZERTAC

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, ein bis zwei Portionen Fisch pro Woche zu essen. Bei einer Portionsgröße von 150 Gramm wären das pro Kopf und Jahr 11,7 Kilogramm. Der durchschnittliche Deutsche liegt mit knapp 14 Kilogramm bereits über diesem Wert - und zählt global gesehen noch nicht einmal zu den großen Fisch-Fans.

Der weltweite Pro-Kopf-Konsum ist aktuell auf einen Rekordwert von 20,5 Kilogramm pro Jahr gestiegen. Das steht im Fischereibericht 2020 der Uno-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO). Der Auswertung zufolge trägt besonders der wachsende Anteil der Fischzucht in sogenannter Aquakultur - im Meer und in Teichen - zum Wachstum bei.

Der Fischfang dagegen liegt dem Bericht nach seit Längerem auf einem vergleichsweise stabilen Niveau. Allerdings gelten besonders das Mittelmeer und das Schwarze Meer als stark überfischt, dies betreffe dort mehr als 60 Prozent der Bestände. Das heißt, es werden mehr Tiere gefangen als nachwachsen, was die Tierarten und das ökologische Gleichgewicht insgesamt gefährdet. International werden laut FAO rund 34 Prozent der Bestände - die jüngsten Zahlen stammen von 2017 - in einer nicht nachhaltigen Weise befischt.

Forscher haben in früheren Studien gezeigt, dass in den weltweiten Fischereiflotten immer mehr Schiffe immer weniger Fische jagen. Vor allem in Südostasien mache das Probleme. Neben der legalen Fischerei gibt es massive Probleme durch illegalen Fischfang, einer Studie aus dem Februar zufolge werden jedes Jahr weltweit 7,7 bis 14 Millionen Tonnen Fisch unerlaubt aus dem Meer geholt. Auch Aquakulturen gelten nicht als problemlos, wegen der entstehenden Wasserbelastung, aber auch wegen ihres hohen Phosphorverbrauchs.

Bei der FAO sieht man die Fischerei offenbar dennoch in weiten Teilen als Erfolgsgeschichte. "Fisch und Fischereierzeugnisse gelten nicht nur als eines der gesündesten Lebensmittel der Welt, sondern auch als etwas, was wenig schädlich ist für die Umwelt", so Generaldirektor Qu Dongyu. Gerade weil Fisch so wichtig für die Welternährung sei, müssten Fang und Zucht weiter verbessert und nachhaltig betrieben werden, erklärte der aus China stammende FAO-Chef. Sein Land ist der weltweit größte Produzent und Exporteur von Fisch.

Trump will Meeresschutzgebiet für die Fischerei öffnen - Umweltschützer machen immer wieder auf teils extrem problematische Praktiken der internationalen Fischereiwirtschaft aufmerksam. So beklagte die Organisation WWF gerade, die von Menschen verursachte Zerstörung von Lebensräumen und die zahlreichen Belastungen der Ozeane bedrohe "nicht nur die biologische Vielfalt der Erde, sondern auch unsere zukünftige Ernährung".

Umweltschutzorganisationen, aber auch zahlreiche Staaten wie Deutschland, die sich in der Global Ocean Alliance zusammengeschlossen haben, fordern: Bis zum Jahr 2030 sollen weltweit 30 Prozent der Ozeane unter Schutz gestellt werden. In der Praxis passiert allerdings gerade das Gegenteil. So will US-Präsident Donald Trump ein 12.700 Quadratkilometer großes Meeresschutzgebiet im Atlantik wieder für die kommerzielle Fischerei öffnen. Einen entsprechenden Erlass hat er in der vergangenen Woche unterschrieben.

Kritik gibt es aber auch an der Umsetzung des Meeresschutzes in Deutschland: "Wenn die Bundesregierung nach EU-Recht Schutzgebiete ausweist, dann dort aber trotzdem massiv Sand abgebaggert wird und intensivste Fischerei stattfindet, so lange kann man überhaupt nicht von einem Gleichgewicht zwischen Nutzung und Schutz sprechen", klagt etwa die Grünen-Umweltpolitikerin Steffi Lemke.

© Jede Verwendung von Materialien muss durch den Hyperlink kenntlich gemacht werden
Wenn Sie einen Fehler im Text finden, markieren Sie ihn durch drücken der Tasten ctrl+enter und senden Sie ihn uns

KONTAKT MIT DEM AUTOR

Füllen Sie die erforderlichen Stellen mit Zeichen* aus

Bitte geben Sie die Buchstaben wie oben gezeigt ein.
Egal, ob die Buchstaben groß oder klein sind