WELT


Waldbrände in Brasilien: Lunge der Welt brennt

Baku, 21. August, AZERTAC

In Brasilien wüten die schlimmsten Waldbrände, die es seit Jahren gegeben hat. Hunderte Quadratkilometer Wald im südlichen Teil des Amazonasbeckens stehen in Flammen, schwere Rauchwolken zogen in den vergangenen Tagen über São Paulo, obwohl die Metropole rund 2700 Kilometer südöstlich der Waldbrandzone liegt, wie AZERTAC unter Berufung auf ausländische Massenmedien berichtet.

Es war gegen 15.30 Uhr Ortszeit, als sich am Montag in São Paulo der Himmel verdunkelte. Schwere Wolken schoben sich über den Hochhäusern der brasilianischen Millionenmetropole zusammen, sie verdeckten die Sonne, mitten am Tag wurde es Nacht. Auf den großen Avenidas gingen die Straßenlaternen an und in den sozialen Netzwerken posteten Paulistas Fotos vom schwarzen Himmel über ihrer Stadt. Im Fernsehen und Radio erklärten Meteorologen, dass eine Kaltfront schuld sei an dem ungewöhnlichen Wetterphänomen, dazu käme aber noch ein weiterer Grund: Rauch.

Denn etwa 2000 Kilometer nordwestlich von São Paulo wüten die schlimmsten Waldbrände, die es in Brasilien seit Jahren gegeben hat. Große Teile des südlichen Amazonasbeckens und des Pantanal-Feuchtgebietes stehen in Flammen. Hunderte Quadratkilometer brennen, nicht nur in Brasilien, sondern auch in Paraguay und Bolivien. Rauch steigt auf und vernebelt die Sicht in den nächstgelegenen Orten.

In Porto Velho, der Hauptstadt des besonders betroffenen Bundesstaates Rondônia, zogen dichte Schwaden durch die Straßen, andernorts mussten Flughäfen geschlossen werden, und in den betroffenen Regionen klagen vor allem alte Bewohner zunehmend über Atemnot. Einige Bundesstaaten haben schon den Umweltnotstand ausgerufen, während der Wind die Wolken nach Südosten treibt, in Richtung Küste. Am Wochenende hatte sich in einigen Regionen Südostbrasiliens schon der Mond rot eingefärbt als Folge des Rauchs, nun also die dunklen Wolken über São Paulo.

Begünstigt werden die Brände von einer Dürre, die einige Regionen des Landes seit Monaten im Griff hat. In manchen Gegenden hat es seit mehr als 90 Tagen nicht geregnet, die Böden sind staubtrocken, ein paar Funken reichen, und schon steht alles in Flammen. Experten betonen aber auch, dass das Klima nur die Voraussetzungen für die Brände geschaffen hat. "Gelegt haben die Feuer Menschen", sagte im Nachrichtenportal GP1 der Forscher Alberto Setzer, der beim brasilianischen Institut für Satellitenforschung INPE mit der Beobachtung von Bränden beauftragt ist. Allein seit Beginn des Jahres hat das INPE mehr als 70 000 Feuer landesweit registriert, fast doppelt so viele wie 2018 im selben Zeitraum und noch mehr als 2016, dem Jahr mit dem bisherigen Rekord an Bränden.

Das schiere Ausmaß der Brände hat auch in Brasilien für Aufsehen gesorgt. In São Paulo fragen sich die Bewohner, wie groß die Feuer in dem Tausende Kilometer weit entfernten Amazonasregenwald wohl sein müssen, wenn die Rauchwolken vom Wind sogar bis in ihre Millionenmetropole getragen werden.

Immerhin gab es in einigen Regionen in den vergangenen Stunden ein wenig Hilfe von ganz oben: Regen half dabei, einige der Brände zu löschen. Dennoch glauben Experten, dass sich die Situation in den nächsten Wochen eher noch verschlimmern wird, anstatt sich zu entspannen. Denn der September ist traditionell der Monat, in dem sich die Waldbrände in Brasilien besonders häufen.

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