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Waldbrände in Kalifornien: Todeszahlen steigen täglich

Baku, 19. November, AZERTAC

Heute Abend soll es Käsenudeln mit Pulled Pork geben, dazu Caesar Salad. Oder, wer das lieber mag, kann auch einen veganen Brotpudding haben. Und Jeff Guettler, West Cooke, Mark Valdivia und all die anderen sorgen gerade dafür, dass das auch wirklich klappt. So wie sie es in den vergangenen zehn Tagen schon getan haben.

In einer Turnhalle am Rand der kalifornischen Stadt Camarillo hat die Hilfsorganisation World Central Kitchen eine Großküche auf die Beine gestellt. Von hier aus werden die Opfer der Waldbrände in der Region jeden Tag mit zwei warmen Mahlzeiten versorgt, ebenso Feuerwehrleute, Polizisten und Aufräumhelfer, die in dem betroffenen Gebiet im Einsatz sind.

Normalerweise machen in der Turnhalle des "Casa Pacifica" sozial benachteiligte Jugendliche Sport. Das Haus ist ein Jugendheim mit etwa 70 Bewohnern, viele mit Alkohol- und Drogenproblemen. Und Guettler kocht für sie. Doch jetzt teilt er sich sein Reich mit vielen anderen. Aus dem ganzen Land sind Kollegen gekommen, dazu Heerscharen von Freiwilligen aus der Region.

Ein paar von ihnen sind gerade an den Töpfen, Pfannen und am Ofen von Guettlers Küche im Einsatz. Die große Mehrzahl jedoch arbeitet draußen, in der Turnhalle. Hier stehen unter den Basketballkörben zwei lange Reihen von Tischen, darauf große Schalen aus Aluminium. Fleißige Hände füllen sie mit Salat aus Tüten, welke Blätter werden aussortiert, dann kommen Croutons obenauf und Dressing. Später werden noch Obsttüten für den Nachtisch gepackt.

Langsam lässt die Anspannung nach - "Heute schicken wir 40 große Essenschalen raus", rechnet Guettler vor. Jede von ihnen wird jeweils 45 Menschen satt machen. "Wir hatten Tage, da waren es sogar 80 Schalen". Nun werde es weniger - zum Glück. Der Waldbrand in der Region, das sogenannte Woolsey Fire, ist größtenteils unter Kontrolle, die Aufräumarbeiten laufen. Die Anspannung lässt langsam nach. "Das waren vielleicht zehn Tage", seufzt Guettler. Doch dafür wirkt er überraschend energetisch.

Immerhin, er hat es auch bald geschafft. Dieser Sonntag ist der letzte, an dem die Küche noch offen hat. Ein paar der Mitarbeiter von World Central Kitchen werden von hier aus in die nordkalifornischen Waldbrandgebiete weiterziehen, wo die Organisation eine noch größere Hilfsküche betreibt. Die zahllosen Freiwilligen der letzten Tage, Tausende wie Guettler sagt, werden in Camarillo zurückbleiben - und in ihre Leben jenseits der Großküche zurückkehren.

Aber noch ist es nicht soweit, noch wird gearbeitet. In der Küche blubbern die Nudeln in riesigen Aluminiumtöpfen, das Fleisch ist im Ofen. West Cooke hat hier gerade das Regiment. Normalerweise ist er mit seinem eigenen Food Truck in der Gegend unterwegs. Doch der ist gerade geparkt, damit sich Cooke kümmern kann um die Käsenudeln und den ganzen Rest.

Die Stimmung ist gut. Keine Selbstverständlichkeit für Großküchen, wo sonst verblüffend viele psychisch auffällige Menschen unterwegs sind, wie man immer mal hört. Aber hier wird gewitzelt und gelacht. Nur dann ist ein lauter Ruf zu hören - wenn es gilt, die anderen im Raum vor heißen Töpfen oder offenen Ofentüren zu warnen.

Das Konzept von World Central Kitchen geht so: Ambitionierte Köche versorgen Menschen, die von einer Katastrophe betroffen sind. Starkoch José Andrés hat die Organisation vor acht Jahren gegründet, um Erdbebenopfer in Haiti zu verpflegen. Seitdem sind er und seine Kollegen an zahllosen Krisenherden im Einsatz gewesen: Puerto Rico, Florida, Indonesien - und jetzt in Kalifornien.

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